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Tim-Neil

Ein halben Tag in Frankreich.... und....

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Tim-Neil

Endlich habe ich vier Michelin Pilote 135 400, die ich nun schon so lange suche

Aber der gute Mann aus den französischen Ardennen hatte noch mehr.....

Von der Strasse aus sah man schon im Dickicht eine völlig überwucherte alte Wellblechente. Nachdem wir das Auto abgestellt hatten war klar, dass es äußerst Interssant werden wird. Überall auf dem Gelände standen alte Maschinen und Fahrzeuge, teilweise komplett zugewachsen herum. Als erstes begutachtete ich die vier Pilote und war vom außerlichen Zustand begeistert. Alle viel haben neuwertiges Profil/ vermutlich ungefahren. Michel, der Verkäufer,hatte nochmal in alle Luft gepumpt. Diese mussten wir erstmal ablassen um den Zustand der Flanken auf Risse überprüfen zu können. Ergebnis drei sind Perfekt einer ist nur zum anschauen oder langsamen Stadtverkehr tauglich:P

Nach freundlicher Nachfrage ,ob wir den Rest des Grundstücks bestaunen dürfen, gingen wir mit Michel los. Er erzählte er hätte in einer Halle seine Wellblechente stehen, eine 52er A. Somit war ich natürlich sehr gespannt. Nach Inaugenscheinnahme war für mich klar ,dass es sich keinesfalls um eine A handeln kann. Heckblech war erhaben und hatte zwei eigelassene Medaillons für die Kennzeichen mit mittiger Belechtung...... Also kann es nur eine 57er oder Jünger sein. Davon wollte Michel aber nicht wissen und ich ließ ihn in seinem Glauben. War ja nunmal auch ein schönes Auto. Ich fragte ihn nach dem Weg zu dieser völlig eingewachsenen Wellblechente. Mit einer Astschere bewaffnet gingen wir los und kämpften uns durch Unterholz zum Wrack. Ein Abandoned Car aus dem Bilderbuch, seit mindestens 30-40 Jahren abgestellt an dieser Stelle.

Angeblich würde der Motor noch drehen, und sogleich schnitt sich Michel mit der Astschere zur Motorhaube durch:) Auf dem Weg dorthin fielen mir die Felgen auf und ich traute meinen Augen kaum. Es waren A Bord Plat in wunderbar braunpatiniertem Zustand. Ich wurde innerlich etwas nervös.... aber es war keine A denn ich erblickte durch nicht vorhandene Bodenbleche offene Federtöpfe. Also war es klar das es eine 55er seien muss. Kurz habe ich eine Blick unter die Haube geworfen..... allles da aber doch sehr verkommen und durchrostet.

Nun wurde mir klar das ich Michel irgendwie erklären muss, dass ich die Felgen haben möchte. Er verstand mein schlechtes Französisch recht schnell holte den Ratschenkasten. Jezt bekam ich doch ein wenig schlechtes Gewissen, da ja nunmal Sonntag war. Auch ich war Kleidungstechnisch eigentlich nicht auf schrauben eingestellt. Nachdem an der jeweiligen Seite die Radmuttern gelöst war haben wir das Auto angehoben und die Felgen abgenommen und durch 15 Zoller ersetzt. Leider war die vordere rechte Felge im unteren Bereich, mit dem sie im sediment stand völlig weggegammelt.

Auf dem Weg zurück kamen wir noch an einer Palette mit Motoren und Getriebe vorbei. Auch nicht zu glauben..... Es lag ein 375 er Motor und ein dazu passendes Getriebe auf dem Haufen. Leider fest und in erbärmlichen Zustand. Hatte wohl jemand ohne Ahnung und Liebe verladen. Vieles verbogen und abgebrochen. Für einen kleinen Preis haben wir das auch noch mitgenommen.

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Wieder zu Hause

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Der 375er Motor in schlechtem Zustand aber mit Lima und original Benzinpumpe

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Man sollte immer die Spinne abnehmen und aussaugen:rolleyes:....

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Hier die gereinigte Lima ( Citroen Eigenfabrikat ) mit den Feldspulen

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und von vorne

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Sogar auf der Limakohle ist das Logo eingraviert..... die Ummantellung ist Textil

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Hier die rare Benzinpumpe von Guiot... Was mich irritiert ist diese Verplombung. Würde die Pumpe gerne zerlegen ohne die Plombe zu entfernen. Kann jemand dazu was sagen?

Manni? Uli?

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Und die ungereinigten 135 400 Pilote

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Reifen sind vom Februar 1959, die Felgen von Januar 1959..... also nix gelaufen

 

Hier ein Bild der gereinigten A Bord Plat

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An einer Stelle der Vernietung zwischen Ring und Teller hat sich ein Rostnest gebildtet, welches den Falz stark aufgedrückt hat. Das Nest habe ich entfernt. Nin wird konserviert und das Blech wieder angelegt. Auch werde ich wie in einem alten Thread die Felgenhörner wieder mit Mike Sanders Fett behandeln. Hoffe 4x4 liest nicht mit ,sonst bekomme ich wieder ÄrgerB):rolleyes:.

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Hier ein Bild zur Datierung....

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Also Januar 1955..... also passt es wirklich zu dem Fahrzeug auf dem die montiert waren. Wenn ich ehrlich bin suche ich ja patinierte für ne 53er:) aber nunja.... den Stempel sieht  ja keiner.

 

Die restlichen Motorenteile sind wie immer in schlechtem Zustand.

Kolben und zylinder sind vermutlich nichtmehr brauchbar, wobei auch das Auslegungssache ist. Die Kurbelwelle weist beidseitig starkes radiales Pleuellagerspeil auf.

 

War ein schöner Sonntag mit unerwartetem Verlauf und ein sehr netter Franzose den ich tatsächlich zu etwas arbeit am Sonntag motivieren konnte. Wobei verstehn konnte er es nicht wirklich, warum ich so scharf auf diese Gammelfelgen war.

 

Grüße

Tim

 

bearbeitet von Tim-Neil
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Tim-Neil

Diese Editierfrist geht garnicht.....!!!!

Man man man

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...hannes

Der Anblick dieses Motors ist für mich das reinste deja vue Erlebnis ;-)

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Vor etlichen Jahren auf einem 2CV- Treffen: Ein älterer 2CV- Fahrer war ganz hingerissen von meinem 12er und begeisterte sich über alle Maßen, dass es "so etwas" heutzutage überhaupt noch gebe. Und schon fing er mit leuchtenden Augen zu erzählen an, dass er in den Sechzigerjahren einen gebrauchten 9PS- AU als Firmenfahrzeug erstanden hatte, für den er sogar noch einen guten Reservemotor mit niedriger Kilometerleistung zuhause in seinem Hühnerstall(!) liegen habe. Den wolle er mir schenken. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich schon, dass "Hühnerstall" und "guter Motor" zwei kaum vereinbare Aussagen darstellen können.

Einige Wochen später stand ich dann bei ihm auf den Tacken und er zeigte mir sein sagenhaftes Reich (das inzwischen leider binnen drei Jahren zweimal abgebrannt ist). Freudestrahlend wies er mir den Weg zu seinem Hühnerstall - und tatsächlich -  zwischen aufgescheucht herumflatternden Hühnern und allerlei sonstigem landwirtschaftlichen Gerümpel fand sich wirklich etwas, das bei genauerer Betrachtung als 12PS- Motor durchgehen kann. Krümmer mittig über dem Vergaser durchgerostet, der Vergaser mit Resten der einstigen Brücke lag daneben. Die Bergung mitten durchs aufgeregte Hühnergegacker  und erschwert durch den Umstand, dass man den Motor an seiner durchgerosteten Brücke ja nicht mehr anheben konnte, gestaltete sich dementsprechend abenteuerlich. Dass der Motor festgegangen sein würde, war mir schon beim ersten Anblick klar. Trotzdem, die Bergung sollte sich gelohnt haben: Vergaser nicht ausgeschlagen, Lichtmaschine in passablem Zustand. Ein- und Auslassventilöffnungen der Köpfe waren zwar randvoll gefüllt mit Rost, aber alle Ventile bis auf eines nach wie vor beweglich, eines der Ventile allerdings mit der Ventilführung festgerostet. Kerzengewinde 1a. Nachdem ich Kolben und Zylinder mit dem Abzieher und einer 46er- Nuss als Druckstück voneinander getrennt hatte (also unrettbar, jedoch gibt es Ersatz dafür), kam der spannendste Moment: der Zustand der Kurbelwelle. Kurz: keinerlei Axialspiel, kein Spiel in den Pleuellagern, beide Hauptlager der Kurbelwelle ebenfalls in Ordnung. Druckplatte der Kupplung, Schwungrad und sogar der Ölkühler - alles kann für den Neuaufbau des Motors übernommen werden, Ventile, Ventilführung(en?) kommen neu, einen guten gebrauchten Kolben-Zylindersatz suche ich noch.

Zum Schluss noch eine Frage: Wer hat Erfahrung bzw. welche Vorgehensweise empfiehlt sich beim Einschrumpfen der Ventilführungshülsen in den Kopf?  Genügt lokales Wärmen des Kopfes mit Heißluft + Hülse im Eisfach - oder sollte man so etwas besser dem Motorinstandsetzer übergeben?

lg ...hannes

 

 

 

 

 

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Tim-Neil
vor 52 Minuten, ...hannes sagte:

Nachdem ich Kolben und Zylinder mit dem Abzieher und einer 46er- Nuss als Druckstück voneinander getrennt hatte

 

 

 

 

 

Deja Vu.....Exakt so habe ich es gestern gemacht

 

Ich habe schonmal Führungen interessehalber ausgepresst. Es war nicht sehr viel Kraft nötig. Daher glaube ich man kann sie einpressen bei indentischer Temperatur. Bei Temperaturunterschied gehts vermutlich leichter. Man hat aber nur wenig Zeit, da sich die Temperatur rasch angleicht wenn Fläche zu Fläche groß ist.

Habe mal gelesen, dass eine eingesetzte Führung zwangsläufig auf ihr Innensollmaß aufgerieben werden muss ( Reibahle ).

Spannendes Thema.... Habe auch ein paar Patienten wo das zu tun wäre.

 

Grüße

Tim

bearbeitet von Tim-Neil
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citronenfalter

Hallo Tim

Schönes Erlebnis, und tolle Sachen hast Du da gefunden:rolleyes:

Ist die Verblombung der Guiot Pumpe aus Blei und weich?  Vielleicht kann man die Plombe von unten abhebeln?

Ich hatte noch keine in der Hand, in meiner 51er war keine originale Guiot Pumpe mehr drin.

 

Bei meinem 375ccm Motor war es auch fast nicht anders. Hatte auch länger gestanden und war fest.

Wir haben die Kolben mit viel Rostlöser, Zeit und klopfen mit Rundholz aus den Buchsen bekommen.

Außerdem wäre interessant welche Motornummer auf der Plakette eingeschlagen ist.

Bei meinem Motor ist es QB, Hab noch einen Motor mit QE, bei welcher die gleiche Lima wie bei Dir drin war.

Diese Lima gab es ja nur von 11/1952 - 02/1954

 

 

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bearbeitet von citronenfalter
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Rosti

Schöne Geschichte, wie aus einer vergangenen Zeit. Nicht zu fassen, der perfekte Zustand der Textilisolation von Feldspulen und Kohlen. Gratulation zum Fund !

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Loetlampe

Hallo Tim,

toller Bericht danke :)

Zur Frage von Hannes bezüglich Ventilführungen habe ich Erfahrung bei den neueren Zylinderköpfen bei denen bei mir ein Preßsitz mit 4/100 mm Übermaß ausreicht.

In der Kombination Aluzylinderkopf mit Ventilführung aus 2.0550 (CuZn37Mn3Al2PbSi) Zylinderkopf im Backofen auf ca. 150 Grad erhitzt und Ventilführung mit Kältespray auf ca. -30 Grad abgekühlt. (Bequemer wäre es mit flüssigem Stickstoff aber wer hat den im Kühlschrank?)

Die Bohrung für das Ventil muß nach dem Einbau auf das passende Maß aufgerieben werden da diese sich durch den Einschrumpf-/Einpress- Vorgang verkleinert.

Wenn man nicht die Möglichkeit hat so kleine Bohrungen im 1/100mm Bereich zu messen und zu bearbeiten ist das eher was für die Motorinstandsetzung (oder als Argument den Maschinenpark zu erweitern :))

Gruß

Erik

P.s. Wenn die Presspassung der Ventilführung zu gering ausfällt kann sich die Ventilführung gelegendlich verschieben und im Falle des Auslaßzylinders die Druckölkühlung der Ventilführung direkt mit dem Auslaßkanal verbinden. Das gibt eine grandiose Ölqualmwolke und ich grinse immer noch wenn ich an den Drängler denke der in dem Moment hinten an meiner Stoßstange klebte :-))

 

bearbeitet von Loetlampe
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