8. Oktober 20258. Okt Moin, ich wollte hier mal meine Erfahrungen mit dem Thema Pulverbeschichten teilen, und erhoffe mir noch den einen oder anderen Denkanstoß, um das ganze noch zu verbessern, oder besser.. zu retten. Ich hatte mir vor einiger Zeit ein Pulverbeschichtungsgerät (im Grunde so etwas: VEVOR Pulverbeschichtungssystem, 50-kV-Pulverbeschichtungsset mit elektrostatischer Ausgangsleistung, Spritzpistole, Fußschalter, Düsen und Pulverbechern, Pulverbeschichtungsausrüstung für Heimwerker | VEVOR DE) besorgt und habe damit fröhlich drauf los gepulvert. Die Teile wurden vorher Sandgestrahlt und als Vorbereitung noch mit Nitroverdünnung und Silikonentferner abgewischt. Das Pulvern selbst ist relativ einfach. Die Teile werden mit einem Draht (in meinem Fall in einer Plastikbox) aufgehängt, der mit dem Anoden-Anschluss des Pulvergerätes verbunden ist. Anschließend wird mit der Pulverpistole das Teil "eingenebelt", also nicht wie beim Lackieren direkt beaufschlagt, sondern eher eine Pulverwolke um das Teil erzeugt, die entsprechend elektrostatisch aufgeladen ist und von dem Teil angezogen wird. Solange man das jetzt nicht anfässt oder fallen lässt bleibt das Pulver da gut dran haften. Anschließend wird das Pulver bei ca.180° C in einem Ofen (Küchenofen funktioniert gut..) für 30min eingebrannt. Solange das Teil noch schön warm ist Nebel ich da noch eine zweite Schicht drüber und brenne noch einmal ein. Das hatte ich bei den Ersten Teilen noch nicht gemacht, aber mir dann angelesen, dass der Pulverkram relativ offenporig ist und daher eine zweite Schicht braucht um wirklich eine geschlossene Schutzschicht zu bilden. Soweit so gut.. Die Schichtstärken, die man damit erzeugt sind natürlich erheblich dicker als beim Lackieren. Man muss als Nachbereitung auch die Gewinde wieder frei schneiden, oder mit speziellen stopfen verschlossen haben (ich hab immer geschnitten..). Abkleben von Bereichen funktioniert auch mit normalem Krepp, was sich aber durch das Einbrennen in ein ziemlich klebriges Etwas zerlegt, was man aber mit Nitro gut wieder weg bekommt. Die Lackschicht selber ist die ersten Tage auf jeden fall noch als "schlagzäh" zu beschreiben, das heißt, man kann da anschlagen, was man will (auch Sandstrahlen..).. da passiert nichts. Und jetzt kommt das eigentliche Problem..: das Zeug versprödet mit der Zeit. Da ich in dem Xantia, den ich seit geraumer Zeit in der mache habe, die ersten gepulverten Teile verbaut hatte und gleichzeitig auch Teile (Antriebswellen etc..) mit Brantho Korrux lackiert hatte, habe ich derzeit einen ganz guten Vergleich darüber, was hält und was eben nicht. Kurz gesagt.. die Lackierten Teile sind immer noch lackiert, aber von den Gepulverten Teilen ist der Lack ab.. Auch bei dem Peugeot, der erst ein gutes Jahr mit den gepulverten Teilen unterwegs ist, platzt der Pulverlack grade bei dünnen (eher glatten) Blechteilen von den Kanten beginnend ab. Der Pulverlack ist dabei haptisch (ich kann es leider nicht messen..) deutlich Spröder und bricht leicht. Die Lackierten Teile dagegen sind absolut fehlerfrei. Natürlich kann dies auch ein Fehler in der Lackiervorbereitung sein, oder in dem Einbrennprozess. Letztlich kann ich aber (für mich) sagen.. richtig Lackieren hält erheblich besser.. Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht, oder kann mir da auf die Sprünge helfen, was ich gegebenenfalls falsch mache? Gruß Matthias
8. Oktober 20258. Okt Schade das zu lesen, dabei hatte ich insgeheim die Hoffnung mal irgendwann ein paar Kleinteile bei dir zum Pulvern abgeben zu können Aus Enthusiasmus und Liebäugelei habe ich mich vor geraumer Zeit auch mal mit dem Thema beschäftigt, aber nicht wirklich in die Tiefe. Wie sehen denn deine Flächen so aus? Hast du abgesehen von den Abplatzern irgendwo Risse? Ein paar Faktoren fallen mir dazu ein. Maßgeblich, wie flexibel die Schicht wird, ist der Pulvertyp. Was für eins hast du verwendet? Passend zu dem Pulver muss die Objekttemperatur sein, was bei einem Küchenofen aufgrund von Temperaturschwankungen u.U gar nicht so trivial ist. Auch zu dicker Auftrag kann Probleme machen. So wie ich dich kenne, hast du den Untergrund vermutlich sehr akribisch von Rost befreit, gereinigt und entfettet, daher schließe ich sowas als Ursache mal aus. Gedanklich bin ich entweder beim falschen Pulver oder die Temperaturen beim Einbrennen stimmen nicht. Lässt sich denn sonst etwas erkennen? Auskreiden, Vergilben oder dergleichen?
8. Oktober 20258. Okt Das Problem ist, daß die Beschichtung sich mit der Zeit vom Blech lösen kann. Beim 2CV sind z.B. die Bleche, die das Wischergedöns halten vom Werk aus pulverbeschichtet. Nach (auch teilweisen) Lösung der Beschichtung vom Blech, fängt dieses an zu rosten. Das Problem ist, daß es vor sich hin rostet, man davon aber nichts mitbekommt, da die Pulverschicht alles schön abdeckt. Ich hatte beim Ausbau so eines Wischerhaltebleches bei meiner Ente das Erlebnis, daß die Beschichtung fast komplett an einem Stück sich vom Blech abnehmen ließ. Bei der Aufarbeitung hab ich das Teil abgebeizt, chemisch entrostet, verzinkt und danach schwarzchromatiert -> Lack drüber fertig. Es gab auch schon Entenfahrer, die ihr komplettes Chassis aus Rostschutzgründen pulverbeschichtet haben - nach einigen Jahren kam dann die böse Überraschung: Die Beschichtung riß auf und darunter entstand viel Eisenoxyd. Die Haftung zwischen Blech und Lackgrundierung bzw. galvanischer Beschichtung ist scheinbar stärker, als zwischen Blech und Pulverbeschichtung. Was mit dabei spielen könnte ist die Flexibilität von Blech; denn bei so stabilen Dingen, wie z.B. Felgen halten Pulverbeschichtungen erstaunlich gut. Bearbeitet (8. Oktober 20258. Okt von EntenDaniel)
8. Oktober 20258. Okt Die Schwierigkeit beim Pulverbeschichten ist tatsächlich, eine gute Haftung hinzubekommen. Daher mach ich sowas nicht selbst. https://www.freilacke.de/lackwissen/pulverbeschichtung-vorbehandlung/
10. Oktober 202510. Okt Ersteller Am 8.10.2025 um 17:26 schrieb Citrofan93: Gedanklich bin ich entweder beim falschen Pulver oder die Temperaturen beim Einbrennen stimmen nicht. Lässt sich denn sonst etwas erkennen? Auskreiden, Vergilben oder dergleichen? ich denke auch, dass es daran liegt.. Beim Auftragen an sich kann man eigentlich nicht soo viel falsch machen. Das Pulver stammt auch von einem größeren Internethändler, und dürfte nicht die Zweitverwendung von alten Lasertonern sein.. Auf Gussteilen, wo die Oberfläche rauh genug ist, hält das bisher auch problemlos. Schwierigkeiten machen bisher halt eher glatte dünne Bleche. Sehen kann man an den Teilen nichts. Wenn ich mir die Bildergalerie aus dem Link von @schwinge ansehe, sollte das was ich da bisher gemacht habe eigentlich auch nicht so schlecht sein. Es kann natürlich sein, dass ich ausgerechnet an den Teilen die mich jetzt ärgern, bei der Vorarbeit zu schnell war.. Was ich mir auch noch vorstellen kann ist tatsächlich, dass die dünnen Teile zu schnell abkühlen und daher die Haftung beeinträchtigt wird. Die größeren Gussteile, bei denen der Kram bisher hält, brauchen naturgemäß ein paar minuten länger um Abzukühlen. Die Blechteile sind praktisch sofort kalt. Wenn ich mich noch an das Kunststofftechnik Seminar im Studium zurück erinnere, baut Kunststoff recht hohe innere Spannungen auf, wenn es nicht im richtigen Maß erhitzt und wieder abgekühlt wird. wir hatten damals CD´s im Spritzguss hergestellt, die bei falscher Temperaturbehandlung einfach explodiert sind.. Wenn das so hinkommt, müsste man die Blechteile also im Ofen lassen, und mit diesem zusammen "gesteuert" abkühlen lassen. Hmm... 🤔 Also ganz aufgeben werde ich das Thema nicht, aber letztlich ist der Aufwand (im Hobbybereich) zu lackieren geringer als der Ganze bumms, alles "Temperaturgerecht" auseinander zu bauen und dann doch nicht zu 100% zufrieden zu sein. Die Lackierten Teile (zwei schichten Brantho und wenn´s glänzen soll noch einmal mit der Sprühdose Glanzlack drübergenebelt) halten halt auch ziemlich gut. Dafür will ich mir noch eine Farbnebelabsaugung basteln, aber das ist dann ein anderes Thema..
16. Oktober 202516. Okt Ich habe vor mehr als 25 Jahren meine Stahlleinwandrahme pulvern lassen. Vom Profi. Rissig und abgeplatzt ist da bisher wenig, nur as Unterrostete. Allerdings wurden die Teile kugelgestrahlt, Rauhigkeit zu 16er Körnung oder gröber. Liegt nun seit 20 Jahren immer draußen und hält immer noch. Daher grob strahlen sorgt einfach für bessere Haftung, und ob es das Pulver vor 25 Jahren noch gibt, das weiß ich leider nicht. Farbstoff ist wohl Ruß, ist nämlich kein bißchen ausgeblichen. Jens
20. November 202520. Nov Ich bin leider auch NICHT vom Fach. Ich war vor ein paar Jahren hauchdünn vor der Anschaffung einer großen Strahlkabine, Pulverpistole, Ofen, Kit zum Verzinken, etc. und habe vorab versucht mich anhand mehrerer Quellen intensiv mit der Thematik zu beschäftigen. Insbesondere erinnere ich mich an einen großen Leitartikel dazu in der Oldtimer Markt / Oldtimer Praxis Zeitschrift. Dort wurde erwähnt, dass der Profi auf das blanke Metall als erste Schicht eine Zink-haltige Pulver-Grundierung verwendet, die sich fest mit der Oberfläche verbeißt und erst darauf dann das Pulver mit der Zielfarbe. Hier im Shop von Prismatic Powders gibt es beispielsweise solche Primer: Wovon auch häufig gesprochen wurde ist, dass man die Teile nach dem chemischen entfetten und noch vor dem Pulvern in den Ofen gibt, um restliche Fette/Öle auszugasen und erst danach pulvert. Schöne Grüße
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