27. Juli 200719 J. Hallo, www.Zeit.de schreibt in ihrer Ausgabe Nr. 30: " Kalifen der Straße Die Autofahrer von Damaskus sind verrückt nach ihren Oldtimern Das Tageslicht fällt in schmalen Bündeln durch die Löcher im Dach des Souq al Hamidiya. Der Geruch von Schweiß, Kaffee, Benzin, Zimt staut sich unter dem gewölbten Blech zu einer zähen Masse, die jede Bewegung bremst. Die Menschenmenge kämpft sich mühsam zwischen den Läden voran, auf der Straße gerinnt der Verkehr. Ein CITROEN Baujahr 1946 steckt in der dampfenden Blechlawine. Der Textilhändler Rafi Balabanyan hängt schlaff am Lenkrad. >> Es wird jeden Tag schlimmer <<, sagt er und weist nach vorn, >> die Leute sind verrückt nach Autos <<. Am Heck des kirschroten BMW vor ihm klebt ein Schriftzug: > Ahmad - King of the Road <. Hupen kreischen auf, Balabanyan tritt sachte aufs Gas. Der elegant geschwungene CITROEN rollt ins Freie. >> Warum ich einen Oldtimer fahre? << Ratlos kratzt Rafi Balabanyan über den Stoppelkranz auf seinem runden Kopf. >> Bis vor Kurzem waren neue Wagen unbezahlbar, also fahren wir alte <<. Der CITROEN ist ein Nutzgegenstand. Vor 17 Jahren hat er ihn für umgerechnet 8000€ gekauft, dafür kann eine Familie drei Jahre lang eine Wohnung in den Vororten mieten. Rafi Balabanyan hat seinen CITROEN ins Christenviertel Bab Tuma manövriert. >> Viele Syrer konnten bisher nur von Autos träumen. Jetzt, wo sie erschwinglich sind, versetzen sie den Schmuck ihrer Mutter, um sich eins kaufen zu können <<. Er selbst lege keinen Wert auf einen Neuwagen. Plötzlich steht der CITROEN Nase an Nase mit einem schellengeschmückten Pferd, dahinter versperrt ein Gemüsekarren den Weg. Reglos kauert ein Beduine auf dem Kutschbock. Balabanyan seufzt und legt den Rückwärtsgang ein. (...) In Midan, einem staubverhangenen Viertel südlich des Zentrums, stehen rund 20 Autowerkstätten nebeneinander. Mazen Kalthoum bekommt oft Fahrzeuge zur Reparatur, für die längst keine Ersatzteile mehr hergestellt werden. >> Daran ist nichts schwierig <<, meint der schmalschultrige Mann mit den ernsten Augen. >> Es gibt ein großes Handelsnetz für Teile aus zweiter Hand. Jeder kennt jeden. Meist bekommt man was man braucht <<. Wenn nicht, dann schraubt er ein anderes Fabrikat zurecht oder bastelt das Teil aus Schrott komplett selbst. (...) " Gruß, Carol
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