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Die besten Dinge - Die DS in der ZEIT

Hervorgehobene Antworten

Die ZEIT hat in ihrer aktuellen Beilage "Leben" von namhaften Designern "... die 25 Dinge, die man nicht besser machen kann", küren lassen. Unter den Designern sind so berühmte Namen wie Mattheo Thun, Zaha Hadid, Giulio Cappellini, Jasper Morrison, Jacob Jensen oder Philippe Starck.

Unter den ausgezeichneten Gegenständen findet man so elementare Dinge wie den Panton Chair, die Concorde, die Schrifttype "Helvetica", die Blue Jeans, den Lounge Chair von Charles Eames, die Stelton Isolierkanne, das Apple MacBook Pro, die Stradivari-Violine und auch ein einziges Auto - nämlich die DS von Citroen! Sie wurde übrigens von Walter Maria de'Silva ausgewählt.

Er begründet seine Wahl so: "Der Citroen DS 19. Er verbindet die Ideale einfacher Formgebung und logischer Linienführung mit einer zeitlosen Eleganz. Dieses Automobil ist und bleibt einzigartig!"

De'Silva spricht mir - und wahrscheinlich den meisten Citroen-Freunden - aus der Seele. Wie oft muss seine Aussage wohl noch wiederholt werden, bis unsere Marke sich auf Ihre Erfolge und das dadurch geschaffene Image besinnt und wieder einzigartige designte Modelle baut?

Salut, Jan

Wie oft muss seine Aussage wohl noch wiederholt werden, bis unsere Marke sich auf Ihre Erfolge und das dadurch geschaffene Image besinnt und wieder einzigartige designte Modelle baut?

Das haben sie doch mit dem C6 versucht. Und für meinen Geschmack auch geschafft. Darüber kann man aber nicht diskutieren.

Da es sich nicht abzeichnet, dass das Massenautomobilkonzept sich demnächst grundlegend ändert (kann ja Cit gerne versuchen) - also doppelstöckige Zweisitzer, oder zigarrenlange Fünfsitzer wo man auf Einzelsitzen hintereinander sitzen muss -, ist es etwas schwierig für die Autobauer geworden. Die DS hatte eben als eine der ersten das Design des "neuen" Autos vorgegeben und alle haben sich bisher eigentlich brav daran gehalten. Verbessern kann man immer was und kuriosere Autos kann man auch sicher immer bauen, aber im Großen und Ganzen ist mit der DS das Autodesign an einem Punkt angekommen, wo man kaum mehr etwas grundlegend anders machen kann, höchstens etwas abändern.

Wohlgemerkt spreche ich hier nur vom (Außen-)Design. Und das vergessen viele, die die DS als das ultimative Auto ansehen gerne - in vielen anderen Bereichen (Sicherheit, Antrieb, Verbrauch, etc.) ist die DS - ohne jemanden kränken zu wollen - dennoch Steinzeit und es gibt hier ganz andere Meilensteine in der Automobilgeschichte.

Also wie gesagt, in designtechnischen Belangen war und mag die DS das erste moderne Auto sein, das einfach eine vollendete Automobilform hat, in anderen Belangen kann man aber die DS sicher nicht zu den Dingen zählen, "die man nicht besser machen kann".

Ich will Citroen nicht in Schutz nehmen, aber viele Fans sind leider von der DS (zurecht) etwas verblendet und wenig offen für alles was auf anderen Gebieten erreicht wird und wurde (so halte ich persönlich zB auch den C4 Picasso mit seinem Visiospace-Konzept durchaus als richtungsweisende Designikone im Bereich der Mini/Familiyvans, auch wenn einiges vom Espace kopiert wurde) - also ich könnte nicht behaupten, dass die aktuelle Modellpalette sehr Mainstream ist, im Gegenteil finde ich, dass die aktuellen Modelle eine sehr erfrischende Eigenständigkeit und Einzigartigkeit gegenüber den anderen Marken zurückerlangt haben, was man zB von Xsara, ZX oder C5 I viel weniger behaupten könnte.

Dazu kommen außerdem zwei ganz banale Faktoren: 1. man braucht für eine DS ein visionäres Designerteam, 2. man braucht einen Konzernvorstand, der das visionäre Designerteam arbeiten lässt wie es will. 1. ist sehr schwer zu finden, aber nicht ganz ausgeschlossen, 2. ist im heutigen europäischen Wirtschafts- und Finanzgeflecht kaum zu realisieren, da eben nicht alle Investoren und Aktionäre zuviel Risiko besonders schätzen und somit riskante Pläne gerne umgehend blockiert werden.

Vielleicht noch 3.: Die meisten Autokäufer stellen nicht Design sondern Funktion und Preis an oberste Stelle ihrer Auswahlkriterien, ein visionäres Design kann also höchstens eine Randgruppe erreichen. Der kommerzielle Erfolg der DS ist schließlich nicht nur auf das grandiose Design, sondern vor allem auf die wirtschaftliche Lage der damaligen Käufer zurückzuführen, die nach entbehrsamen Nachkriegsjahren gerade zu diesem Zeitpunkt des Aufschwungs erstmals wieder Geld hatten sich ein eigenes Auto zu kaufen. Da kam die DS gerade recht.

@ JörgTe

Man kann.

Die DS war technisch (in vielen Details) und formal eine völlige Neuentwicklung und setzte damit Massstäbe. Heute werden Innovationen nach Marketing-Kriterien Stück für Stück eingeführt, damit man sein Pulver auf lange Sicht bei den Modellpflege nicht vorzeitig verschiesst. Design, Qualität und Technik der heutigen Fahrzeuge - egal welcher Marke - unterscheiden sich nur marginal, da macht Citroen auch mit dem C6 keine Ausnahme.

Diese Wende in der Autoentwicklung zurm Moderne, bei der ein paar Entwicklungsgenerationen übersprungen wurden, hat seit der DS bis heute eigentlich keine Neuvorstellung wiederholen können.

So, jetzt versuch das mal nicht zu diskutieren;-)

Viele Grüße

Holger

Diese Wende in der Autoentwicklung zurm Moderne, bei der ein paar Entwicklungsgenerationen übersprungen wurden, hat seit der DS bis heute eigentlich keine Neuvorstellung wiederholen können.

Jedenfalls keine von Citroen. Vielleicht hätte aus dem Ro 80 (und dann im Gefolge dem GS Birotor) was werden können. Heute wäre wohl Toyota zu nennen.

Und, grojoh, hier ist der erwartete Protest: Selbstverständlich muss man mit Abscheu und Empörung zurückzuweisen, dass die DS bei ihrem Erscheinen 1955 nicht auch in puncto Sicherheit, Antrieb und Verbrauch den Mitbewerbern deutlich überlegen war. Mercedes etwa hatte gerade den Ponton eingeführt.

Schöne Grüße

Jörg

Hallo,

es heißt die DS und das Ponton.

Gernot

Jedenfalls keine von Citroen. Vielleicht hätte aus dem Ro 80 (und dann im Gefolge dem GS Birotor) was werden können. Heute wäre wohl Toyota zu nennen.

Und, grojoh, hier ist der erwartete Protest: Selbstverständlich muss man mit Abscheu und Empörung zurückzuweisen, dass die DS bei ihrem Erscheinen 1955 nicht auch in puncto Sicherheit, Antrieb und Verbrauch den Mitbewerbern deutlich überlegen war. Mercedes etwa hatte gerade den Ponton eingeführt.

Schöne Grüße

Jörg

Nö, würde ich nicht so sehen. Die alten Vierzylinder in der DS waren nicht gerade Leckerbissen des Motorenbaus und was die Sicherheit betrifft, war die Struktur der DS auch nicht besser oder schlechter als die der Mitbewerber. Klar, die aktive Sicherheit in puncto Fahrwerk, Bremsen und auch z.B. in Bezug auf den Insassenschutz das Einspeichenlenkrad war schon für damalige Verhältnisse ein ausgesprochen hoher Standard.

Dennoch: die DS wurde 20 Jahre gebaut. Heute ist eine Automobilgeneration 7 Jahre lang in der Produktion mit einem Facelift im 4. Jahr. Das mittlerweile allgemein ausgesprochen hohe technische wie auch qualitative Niveau und die allgemeine Verfügbarbeit sicherheitsrelevanter Systeme im Einkauf und Berechnungssysteme für die Karosserie lassen solche Quantensprünge wie sie bei der DS möglich 1955 möglich waren, heute einfach nicht mehr zu.

Gruß

Und, grojoh, hier ist der erwartete Protest: Selbstverständlich muss man mit Abscheu und Empörung zurückzuweisen, dass die DS bei ihrem Erscheinen 1955 nicht auch in puncto Sicherheit, Antrieb und Verbrauch den Mitbewerbern deutlich überlegen war. Mercedes etwa hatte gerade den Ponton eingeführt.

Schöne Grüße

Jörg

Diesem Protest stimm ich ja zu. 1955 überzeugte die DS wirklich als Gesamtpaket voller Neuerungen - was ich meine ist aber, dass rückblickend gesehen lediglich das Design nachhaltig bestehen blieb, nicht aber der Rest. Designmäßig mag also die Entwicklung tatsächlich nahezu unverändert geblieben sein oder erlebte teilweise sogar wieder Rückschritte. Alle anderen Bereiche sind aber mehr als überholt.

Baut man heute ein Fahrzeug, das optisch einer DS entsprechen würde, wäre es nach wie vor ein äußerst reizvolles Ding, baut man aber heute ein Fahrzeug, dass zB den urtümlichen Motor, die fehlenden Kopfstützen vorne, die fehlenden Sicherheitsgurte hinten etc. der DS hätte (was wenige Jahre nach der DS bereits sinnvoller Alltag war), wären alle zurecht erstaunt darüber. Und da trennt sich eben die Spreu vom Weizen - als Weizen von der DS übriggeblieben ist meiner Meinung nach eben vorrangig das Design, das nachhaltig den Automobilbau beeinflusste und nach wie vor durchaus als Maßstab für Limousinen und Kombis genommen werden kann. Und auch übriggeblieben ist der Fahrkomfort, der noch immer unerreicht ist. Da hätte man tatsächlich nichts besser machen können.

Aber keine Angst, es liegt mir fern am Mythos zu kratzen. Dazu bin ich zuviel Fan.

Stimmt, der rustikale Motor kann mit heutigen Augen betrachtet nicht völlig überzeugen:) Auch bei den Sicherheitsdefiziten sind wir einig. Aber was die Verbräuche angeht: Die wären doch auch nach aktuellen Maßstäben nicht so schlecht?

Gruß Jörg

Hallo,

1955 waren die Motoren ganz OK. Ford präsentierte in diesen Jahren seinen ersten Motor mit hängenden Ventilen. Kritisch wurde es so ab Mitte der 1960er, als obenliegende Nockenwellen so ziemlich überall ausser bei VW und Ford Standard wurden. Völlig unverständlich ist mir jedoch, daß der CX keine modernen (leichter, kleiner, sparsamer) Motoren bekam. Waren da Wankel geplant und man wollte nicht zweigleisig fahren?

Gernot

Hallo,

1955 waren die Motoren ganz OK. Ford präsentierte in diesen Jahren seinen ersten Motor mit hängenden Ventilen. Kritisch wurde es so ab Mitte der 1960er, als obenliegende Nockenwellen so ziemlich überall ausser bei VW und Ford Standard wurden. Völlig unverständlich ist mir jedoch, daß der CX keine modernen (leichter, kleiner, sparsamer) Motoren bekam. Waren da Wankel geplant und man wollte nicht zweigleisig fahren?

Gernot

Nicht so richtig ok. Ursprünglich sollte kein stehender Reihenvierzylinder unter den flachen DS-Bug, sondern es sollten flachere Boxer entwickelt werden. Aus irgendwelchen Gründen pflanzte Citroen dann doch die vorhandenen Reihenvierzylinder ein und schob sie so weit nach hinten, dass im Innenraum eine üppige Ausbeulung entstand - schließlich war die Höhe der flachen Haube begrenzt.

Mag sein, dass die Maschinen noch nicht zum alten Eisen gehörten, taufrisch waren sie keinesfalls mehr.

Aber es geht ja auch weniger um die Maschinen. Die DS ist schon einzigartig. gerade der cW-Wert, Ansätze des Leichtbaus (Kunststoffdach), sehr rationelle Fertigungsmethoden (gesteckte Blinker z.B.), das einzigartige Fahrwerk... Da war man seiner Zeit in vielen Belangen voraus und markierte die technische Spitze. Der Vorsprung schmolz über die 20 Jahre Bauzeit jedoch merklich dahin und selbst der CX - hochgelobt zu Recht - konnte an die Revolution (natürlich) nicht mehr anknüpfen.

Viele Grüße, Sascha

Nicht so richtig ok. Ursprünglich sollte kein stehender Reihenvierzylinder unter den flachen DS-Bug, sondern es sollten flachere Boxer entwickelt werden. Aus irgendwelchen Gründen pflanzte Citroen dann doch die vorhandenen Reihenvierzylinder ein und schob sie so weit nach hinten, dass im Innenraum eine üppige Ausbeulung entstand - schließlich war die Höhe der flachen Haube begrenzt.

Moin Sascha,

es ist nicht »irgendein« Grund, vielmehr ist selbiger wohlbekannt: Die Versuche mit den Boxern, waren sie nun luft- oder flüssigkeitsgekühlt, verliefen kläglich. Schließlich hatte dann die Entwicklung v.a. der Hydraulik mit all ihren Komponenten dermaßen viel Geld verschlungen, welches der Motorentwicklung abgezogen werden musste und zur Entscheidung führte, die behutsam modifizierte Maschine des Traction Avant zu verwenden.

Im Übrigen war das Design der DS zwar in der Tat ein Meilenstein, aber beileibe nicht richtungsweisend. Welches Auto der Folgezeit ähnelt ihr denn? Ganz anders CX und der bereits erwähnte Ro 80, die wahrlich oft genug kopiert, aber nie erreicht wurden.

Hallo Uwe,

ob die DS richtungsweisend ist vom Design ist schwer zu sagen: Was ist Design?

Wenn Design auch die Konzeption betrifft und nicht nur das Aussehen der Hülle, würde ich die DS schon als richtungsweisen bezeichnen. Aber selbst aufs Aussehen der Hülle bezogen würde ich Parallelen bei vielen folgenden Citroen-Modellen finden, letztlich würde ich sogar sagen, dass GS und CX auch von der DS inspiriert sind: Front, Scheinwerfer, fließendes Heck.

Aber Design in Bezug auf die Konzeption: langer Vorderwagen, langer Radstand mit kurzem Überhang hinten, verkleideter Unterboden, Alu-Anbauteile, HP,... vieles lebt nach wie vor weiter in Citroen-Modellen.

Allerdings gebe ich Dir Recht: diese Eigenständigkeit wurde nicht oder nur wenig von anderen Herstellern aufgegriffen, weshalb "richtungsweisend" als Attribut vielleicht nicht gelten kann.

Viele Grüße, Sascha

Die DS ist und bleibt ein ungeheurer Glücks- und gleichzeitig Einzelfall der Automobilgeschichte. Nie wieder durfte ein Haufen "Verrückter" so frei denken und gestalten. Insofern war sie nicht richtungsweisend. Denn, wer bitte schön, hat sich wirklich an ihr orientiert? Mir fällt niemand ein außer vielleicht Citroen selbst. Der CX war, wie der Name schon sagt, die aerodynamische Weiterentwicklung der gleichen Idee. Nur diesmal unter ganz anderen Prämissen ( automatisierte Fertigung beispielsweise ).

Dennoch: die DS ist natürlich vollkommen zurecht bei den "besten Dingen" dabei. Sie ist eben nicht nur Auto sondern auch Skulptur.

Wegen der DS-Entwicklung und der Historie und des Images von Citroen wollte ich nur mal auf die Site verweisen: http://www.andre-citroen-club.de/index.php?option=com_content&task=view&id=49&Itemid=79

Die Historie- und Image-Beschreibung dann für Nicht-ACCM direkt: http://www.andre-citroen-club.de/images/stories/Sonstiges/image.pdf Dort wird auch klar, dass vor allem der Motor der DS nur eine "Not"-Lösung war.

ACCM finden die ganz aktuelle 90-seitige Beschreibung mit allen im Text eingebauten ca. 400 Bildern hier: http://www.acc-intern.de/home/citroen/image.html

Die DS ist und bleibt ein ungeheurer Glücks- und gleichzeitig Einzelfall der Automobilgeschichte. Nie wieder durfte ein Haufen "Verrückter" so frei denken und gestalten. Insofern war sie nicht richtungsweisend. Denn, wer bitte schön, hat sich wirklich an ihr orientiert? Mir fällt niemand ein außer vielleicht Citroen selbst. Der CX war, wie der Name schon sagt, die aerodynamische Weiterentwicklung der gleichen Idee. Nur diesmal unter ganz anderen Prämissen ( automatisierte Fertigung beispielsweise ).

Dennoch: die DS ist natürlich vollkommen zurecht bei den "besten Dingen" dabei. Sie ist eben nicht nur Auto sondern auch Skulptur.

Ich glaube besser kann man es gar nicht auf den Punkt bringen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die uns bekannten Autohersteller heute etwas ähnliches jemals wieder wagen würden. Und sind die Käufer von heute nicht sogar in einem gewissen Sinn konservativer als die technikbegeisterten Menschen der 1950er Jahre? Konservativ in dem Sinn, als dass ein derartig radikaler Bruch mit dem Vergangenem vielleicht heute eher schlechtere Marktchancen hätte.

Interessant zum Thema ist eine Anekdote von Robert Opron, auf die ich neulich beim Schmökern in "La Citroen DS de mon pere, Vol2 1968-1976" (Dominique Pagneux, E-T-A-I 1997) gestoßen bin. Opron war als Nachfolger von Bertoni im Bureau d'etudes damals mit der Aufgabe betreut, die Modernisierung der DS weiterzuführen. Ich übersetz das mal etwas freier, denn mein Französisch ist rostiger als die Türen meines ID23F ;-) :

"Man muss wissen, dass die DS bei Citroen ebenso viele Feinde hatte wie in der Öffentlichkeit. Sogar Pierre Bercot, dem ich gesagt hatte, dass man im im ursprünglichen Geist des Wagens weitermachen und ein solches Meisterwerk auf keinen Fall entstellen [Anm. denaturer, auch verfälschen, verändern] sollte, antwortete mir: 'Wenn die DS ein Meisterwerk wäre, wäre sie längst kopiert worden.' "

Vielleicht macht es ja genau den Reiz aus: die DS ist auch heute noch immer einzigartig und anders als alles andere. Vieles ist schon sehr genial, manches allerdings etwas weniger gut gelöst.

Neu und richtungsweisend waren viele Details bei der DS:

Die Verwendung von ALU und Kunststoffen, die Nutzung der Hydraulik für den Antrieb vieler Komponenten, die Segmentierung der Karosserieform ohne die Radausschnitte in die Türen zu führen, Scheibenbremsen, Halbautomatik, Frontlastiger Aufbau - die Hinterräder mit schmaler Spur und schmaleren Reifen wurden nur nachgezogen, Kompakte Hinterachse mit liegenden Komponenten, Lenkrollradius null - das fällt mir gerade nur so ein. Nicht alles hat Citroen in der DS „erfunden”, aber diese Häufung der

Innovationen war einmalig. Auch dass die DS nicht kopiert wurde stimmt nicht. Es wurde zwar kein „Klon“ der DS gebaut, aber viele Hersteller haben die DS zerlegt und genaustens inspiziert, um Ideen zu übernehmen. Mercedes hat jahrelang daran gearbeitet, mit Stahlfederung, Lizenzhydropneumatik und Luftfederung an den Federungskomfort der DS (und später CX) heranzukommen, Borgwart hat sich intensiv von der DS inspirieren lassen, auch der Ro80 weist formal einige Parallelen zur DS auf.

Ich halte die DS also tatsächlich für Richtungsweisend, auch wenn nicht alle Hersteller der Richtung gefolgt sind.

Ich würde mir wünschen, dass Ideen wie die komplett mit Schrauben demontierbare Karosse bis heute überlebt hätten. Aber da gegen würde sich wohl das KFZ Handwerk sträuben.

Altes Auto und Steinzeit = extreme Unsicherheit und fehlender Insassenschutz - so einfach ist die Sache beim D-Modell mal wieder nicht.

Noch in den 1990er Jahren wäre eine DS in Bezug auf Unfallsicherheit und Insassenschutz zulassungsfähig gewesen. Erst die lückenlose Einführung des Airbag hat die D-Modelle in dieser Beziehung deklassiert.

Wer sich bedenkenlos einem S-Klasse-DB mit Pralltopflenkrad anvertraut und die DS wegen fehlendem Insassenschutz meidet, nur weil das Fahrzeugkonzept einige Jahrzehnte älter ist, ist fehlinformiert.

Und warum hacken alle auf dem Motor rum? Selbst der brummige Langhuber passt recht gut zum Charakter des Wagens. Sicher gab es seinerzeit Wagen mit Motoren, die ihre Arbeit akustisch unauffälliger verrichteten, aber das waren i.d.R. Reihen-6er.

Dafür, dass kurz vor dem Start ein hektisch überarbeiteter TA-Motor beinahe provisorisch in das Wunderauto verpflanzt wurde, weil die Entwicklung eines neuen Motors ganz untypisch, aber gründlich in die Hose gegangen war, war das Ergebnis respektabel.

Seien wir froh, dass dem Auto kein V6 spendiert wurde, sondern ein äußerst simpler, dafür unkaputtbarer und absolut zuverlässiger Gussklotz (für den König der Motoren, den Reihen-6er, war die Karosserie eh nicht geeignet).

Und warum hacken alle auf dem Motor rum? Selbst der brummige Langhuber passt recht gut zum Charakter des Wagens. Sicher gab es seinerzeit Wagen mit Motoren, die ihre Arbeit akustisch unauffälliger verrichteten, aber das waren i.d.R. Reihen-6er.

Dem stimme ich zu; auch ich verstehe die Dauerkritik an den DS (und auch CX) maschinen nicht zu;

wohl wahr, super modern waren sie nicht, aber - haben sie nicht deutlichst gezeigt, daß das modernere nicht immer zwingend das bessere ist ?

War die DS je ein Verkehrshindernis ?

Hat sie - gemessen am zeitgenössischen Wettbewerb - zu vielverbraucht ?

War sie zickig, problematisch, unzuverlässig ?

Ich will dieses Altmetall nicht heilig sprechen, aber ich meine, die gebotenen Motoren waren ziemlich genau das Richtige für diese Autos.

Denn fast alle der gern zitierten moderneren Maschinen jener Zeit griffen die Idee der Leistung durch Drehzahl auf - nichts hätte zu den grossen Citroën schlechter gepasst als ein nervöses Maschinchen, das man drehen muss.

Der Durchzug unten raus - das war genau richtig.

Und der Lärm & Klang ?

Ich finde, lauter als ein /8 Mercedes ist eine DS nicht, und der Klang ist zwar nicht gerade sehr musikalisch, aber doch passend sonor gemütlich.

Kaum auszudenken: DS z.B. mit einem Wankelmotor!

Es wäre eine Innovations-Katastrophe geworden und keine Legende!

Marcell

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