18. Januar 201115 J. Wie die autobild schreibt, hat erstmals ein alltagstaugliches Elektroauto eine Strecke von rund 600 Kilometern ohne zwischenzeitliches Aufladen zurückgelegt. Das Auto war von München nach Berlin unterwegs und erreichte am Morgen des 26. Oktober 2010 die Hauptstadt. Das Projekt wurde von dem jungen Berliner Technologieunternehmen DBM Energy und dem Energieanbieter Lekker Energie durchgeführt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) feierte die Weltrekordfahrt als "Durchbruch". Die Batterie auf Lithium-Metall-Polymer-Basis kann nach Unternehmensangaben bis zu 500.000 Kilometer schaffen, bevor sie ausgetauscht werden muss. Sie ist bisher nicht zu kaufen und soll nun zur Serienreife weiterentwickelt werden. Der umgebaute Audi A2 fuhr in sieben Stunden 605 Kilometer mit im Schnitt 90 Kilometern pro Stunde nach Berlin. Das Auto ist wie ein herkömmlicher Benziner mit vier Sitzen ausgestattet und hat einen vollständig nutzbaren Kofferraum. Bei anderen E-Autos war bisher der Kofferraum durch große Batterien ausgefüllt worden. Die komplette Meldung siehe: http://www.autobild.de/artikel/reichweiten-rekord-fuer-e-autos-1279994.html Die Saarbrücker Zeitung kritisiert bei diesem Vorhaben, dass es sich dabei um eine gelungene Werbekampagne handelt. Einerseits hat man schon in Japan mit einem Elektroauto die 1.000 km-Marke geknackt. Andererseits ist das lekker-Fahrzeug sicher noch nicht alltagstauglich, denn der verwendete Audi A2 wird schon seit fünf Jahren nicht mehr gebaut. Für die Serienproduktion fehlt noch ein Partner, mit dem zusammen ein Elektroauto zu Ende entwickelt werden kann. Und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 90 km/h auf den Autobahnen von München bis Berlin ist gewiss noch ausbaufähig. Die von lekker entwickelte Batterie ist noch immer 300 kg schwer, der Preis dürfte bei 15.000 bis 20.000 Euro liegen. Die Aufladezeit der Batterie beträgt 4 Stunden. Insgesamt kann der Wagen mit Fahrer ein Gesamtgewicht von bis zu 1.250 kg haben. Und langfristig hat die Technik wohl keine Zukunft, denn das zur Verfügung stehende Lithium reicht nicht aus, um Elektroauto-Batterien weltweit in großem Stil zu produzieren. (27.10.10) Die autobild ergänzt, dass das Auto bei dieser Rekordfahrt mit Geschwindigkeiten zwischen 70 und 100 km gefahren wurde, an Steigungen auch darunter. Bei Autobahngeschwindigkeit sollen noch über 300 km erreicht werden können. Die Fahrt erfolgte in den Nachtstunden; die Außentemperatur betrug in der Hälfte der Fahrstrecke um 2:29 Uhr plus ein Grad. Das Auto war nur mit dem Fahrer besetzt (Anmerkung: der sich warm angezogen hatte; inwieweit die Heizung benutzt wurde, ist offen). Das Auto hatte einen 55.kW-Elektromotor, eine Elektroheizung und eine 12-Volt-Pufferbatterie. Die Akkus hatten eine Kapazität von 100 kWh und passen unter die hintere Sitzbank und ins Heck. Eine Kilowattstunde der Batterie kostet bis zu 5.000 Euro. (update 29.10.10) Die ams ergänzt, dass zwar DBM Energy behauptet hat, dass die Technologie funktioniert und serienreif ist und lekker Energie betont hat, dass die Forschung abgeschlossen ist und jetzt das Verkaufen losgeht. Aber die Technik hinter der Langstreckenfahrt ist eine Lithium-Metall-Polymer-Batterie und diese Technologie steckt noch im Forschungsstadium. Mit einem Serieneinsatz ist laut Experten der Autohersteller nicht in den nächsten fünf Jahren zu rechnen. Die DBM-Batterie hat Zellen mit 3,5 Volt und eine Energiedichte von 250 bis 285 Wh, aber momentane gute Batterien haben nur 120 Wh und die Forschung, mitfinanziert von der Bundesregierung strebt eine Leistung von rund 200 Wh an. Hat da einer eine Wunderbatterie gebaut? Haben alle großen Batteriehersteller wichtige Entwicklungen verschlafen? Nach Ansicht von Experten aus dem Automobilbereich ist die DBM-Batterie eine Batterie, die ganz auf Leistungsdichte getrimmt ist, aber was Ladezyklen, Lebensdauer und Sicherheit betrifft, bei weitem nicht dem automobilen Standard entspricht. Man wolle eine solche Batterie nicht einmal mit spitzen Fingern anfassen und schüttelt den Kopf über die Politiker, die auf die einfachsten Botschaften abfahren und sich womöglich vor einen PR-Zug haben spannen lassen. Erst wenn die offenen Fragen nach Preis, Ladezyklen, Lebensdauer und vor allem Sicherheit gefunden sind, kann man von einem Durchbruch sprechen. (update 05.11.10) Wie die FAZ schreibt, gibt es Zweifel an der 600-Kilometer-Elektro-Rekordfahrt. Der Erfinder der Akkus nennt wichtige Details nicht wie z. B. wo die Akkus gebaut werden, wie genau sie funktionieren und wie man sich eine Serienfertigung vorstellen soll. Der ADAC kritisiert, dass es keine detaillierte technische Abnahme gegeben habe. Außerdem habe ein zur Beglaubigung der Rekordfahrt bestellter Notar kurzfristig abgesagt. Während der Tour war der A2 mehrmals für 20 bis 30 Minuten aus dem Sichtfeld mitfahrender Journalisten verschwunden. Zur Entkräftung der Vorwürfe hat der ADAC dem Erfinder einen Reichweitencheck angeboten, was von diesem bisher abgelehnt wurde. Das Auto soll angeblich von der Dekra abgenommen und für den Straßenverkehr zugelassen worden sein. Außerdem gäbe es ein digitales Protokoll der Fahrt, das von einer Blackbox im Fahrzeug aufgezeichnet wurde. Die zögerliche Preisgabe der technischen Details seien ein Schutz der Firmengeheimnisse der beteiligten Unternehmen und für die sinnvolle Verwertung der Innovationen. Jetzt erklärt sich der Erfinder zu einem Test bereit, wenn objektive Bedingungen gewährleistet sind und ihm genügend Vorlauf bleibt. (update 08.12.10) T-Online informiert über eine Meldung des ADAC, dass das Elektroauto "lekker Mobil" der Firma DBM Energy abgebrannt ist, wodurch sich die weitverbreiteten Zweifel an der Rekordfahrt nochmals vergrößern. DBM Energy hat den Brand gegenüber einem Online-Wissenschaftsmagazin mittlerweile bestätigt. Allerdings soll der Akku des umgebauten A2 bereits vor dem Brand ausgebaut worden sein. Die Meldung siehe: http://auto.t-online.de/elektroauto-rekordwagen-lekker-mobil-abgebrannt/id_44052774/index (update 18.01.11)
18. Januar 201115 J. Einerseits hat man schon in Japan miteinem Elektroauto die 1.000 km-Marke geknackt. DAS find ich interessant.
19. Januar 201115 J. Ersteller Die Saarbrücker Zeitung ergänzt, dass die Firma DBM Energy eine Brandstiftung vermutet. Der Brand ereignete sich schon am 12. Dezember 2010, aber um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden, durfte bisher dazu keine Auskunft erteilt werden. Laut DBM Energy hätte man für Ende Februar schon angefragt, mit der Dekra einen unabhängigen Reichweitencheck durchzuführen. Zudem führe die Bundesanstalt für Materialsicherheit und -forschung (BAM) seit dem 17. Januar ein Testprogramm zur Überprüfung der Sicherheit der Lithium-Polymer-Technik durch. DBM hatte von der Bundesregierung 275.000 Euro an Fördermitteln bekommen.
8. April 201115 J. Ersteller Wie die autobild schreibt, konnten jetzt auch zwei Gutachten die Zweifel an der Rekordfahrt nicht ausräumen. Der von der Bundesanstalt für Materialforschung (BAM) durchgeführte Sicherheitstest ist der Basistest, um Batterien überhaupt transportieren zu dürfen. Er enthält keine Untersuchungen zur Dauerhaltbarkeit. Und der Reichweitentest der DEKRA wurde, weil das Rekordauto Ende 2010 unter ungeklärten Umständen ausgebrannt war, mit einem neuen Versuchsträger gefahren. Der ist etwa 80 Kilogramm schwerer als das Rekordauto (Batterie dann entsprechend größer?) und verfügt über eine (Batterie mit einer) um ein Drittel reduzierten Kapazität (Anmerkung der acc-intern-Redaktion: nach dem Brand teilte die Firma damals mit, dass nur das Auto abgebrannt ist, aber die Batterie vorher ausgebaut war (siehe oben), jetzt wird aber doch eine andere Batterie eingesetzt), so dass die Dekra jetzt rund 450 Kilometer Reichweite ermittelte, woraus man dann mit dem fehlenden Drittel der Kapazität auf die damals angegebene Reichweite schließen könnte. Die genaue Energiedichte der Stromspeicher lässt sich aber nicht einschätzen. Denn DBM verrät weder Gewicht noch Volumen des geprüften Akkus. "Aus den Werten lassen sich Energiedichten mutmaßen, die sehr ordentlich sind, aber sie scheinen keinen Durchbruch zu markieren", sagt Professor Dirk Uwe Sauer, Experte für elektrische Speichersysteme an der RWTH Aachen. Die Tests hatte das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben, nachdem Zweifel an der mit 275.000 Euro Steuergeld geförderten Rekordfahrt aufgekommen waren. Die Meldung siehe:http://www.autobild.de/artikel/lekker-mobil-zweifel-bleiben-1600708.html
Erstelle ein Konto, um zu kommentieren