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Gerald Hüther: "Was wir sind und was wir sein könnten"


Auto nom
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http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1589928/

"Jede Form von Routine gräbt Spuren ins Hirn und bringt den Menschen letztlich um das, was ihn zum Menschen gemacht hat. Denn der gravierende Unterschied zum Tierreich besteht in der Freiheit, Dinge für wichtig erachten zu können, die für die eigene Reproduktion keinerlei Bedeutung haben. Im Charakter der gegenwärtigen Erwerbsarbeit, die einen Großteil der menschlichen Existenz ausmacht, steht aber aus der Perspektive des Hirnforschers Routine und Reproduktion im Mittelpunkt."

"Jeder kann den neurobiologischen Mutmacher - so der Untertitel - lesen. Und sollte es tun, damit dem ökonomischen Diktat in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrisen ein wiedererwachender Möglichkeitshorizont menschlicher Kreativität entgegenleuchtet. Denn Menschen haben sich nicht durch den braven Vollzug der Erwerbsarbeit, sondern durch die Arbeit an sich selbst aus dem Tierreich erhoben. Ein Gedanke, den Hüther übrigens von niemand anderem als Friedrich Engels entlehnt hat."

Edited by Auto nom
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"Jede Form von Routine gräbt Spuren ins Hirn und bringt den Menschen letztlich um das, was ihn zum Menschen gemacht hat."

Sehr interessant.

Mir hat sich diese Frage häufig bei den Erziehungsratgebern gestellt. Die meisten fordern für die Kleinen ja 'Rituale', was ich immer für die absolut richtige, falsch verstandene Absicht zur Schaffung von Urvertrauen hielt, und dementsprechend auch nicht so handele. Urvertrauen sollte sich durch das verlässliche Handeln der Vertrauenspersonen und nicht durch einen ritualisierten Alltag einstellen. Überspitzt gesprochen, ist das für mich die 'Erziehung zum perfekten Arbeitnehmer'.

Ausdrücklich ausnehmen möchte ich natürlich die liebgewonnene Angewohnheit. :)

_R_

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Überspitzt gesprochen, ist das für mich die 'Erziehung zum perfekten Arbeitnehmer'.

In einer hierarchischen Gesellschaft ist das ja wohl das Ziel. Wenn es nur freie Unternehmer oder Selbstständige gäbe, alle gleichberechtigt und sich nur aus ihrem Schaffen definierend, dann wäre das anders.

Nur wer stellte dann einem anderen einen Pass aus oder ein Visum. Wer wäre für die Verteilung der eingenommen Steuern verantwortlich? Oder für deren Eintreiben? Das geht nur mit Hierarchie, Befehl und Gehorsam, wenn die Gruppe der Menschen eine gewisse Größe überschreitet.

Ansonsten: Alaska oder Sibirien, in der Wildnis (auch anderswo): keine Pässe, keine Steuern, keine Zivilisation, ... keine Hierarchien.

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Nur wer stellte dann einem anderen einen Pass aus oder ein Visum. Wer wäre für die Verteilung der eingenommen Steuern verantwortlich? Oder für deren Eintreiben? Das geht nur mit Hierarchie, Befehl und Gehorsam, wenn die Gruppe der Menschen eine gewisse Größe überschreitet.

Könnts mir auch anders vorstellen. Pässe brauchts nur wg. Konkurrenzdenken. Hierarchie ebenfalls. Diese ruft wiederrum Neid und Mißgunst hervor usw. usf. Das dreht sich im Kreise. Ohne Hierarchie würde es evtl. viele andere Probleme gar nicht geben und damit brauchts dann auch kein Finanzamt. Zur Sicherheit: Ich weiß selber, dass ich von Utopien rede.

Nur warum werden Hierarchien so häufig von Dummen und Lügnern angeführt?

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ACCM Gerhard Trosien
... Die meisten fordern für die Kleinen ja 'Rituale', ...
Ich habe die Entwicklung von Kindern verfolgt, die durchaus total scharf auf Rituale waren, die es als kleine Kinder gar nicht witzig fanden, wenn Weihnachten einmal anders ablief als in den Vorjahren. Aus denen sind trotz weit verbreiteter Vorurteile keine willenlosen Abnicker und "perfekten Arbeitnehmer" geworden, im Gegenteil. Witzigerweise ist die Schwester eines dieser Ritualliebhaber ganz anders. Früher als Kind, und jetzt als Jugendliche.
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Nur warum werden Hierarchien so häufig von Dummen und Lügnern angeführt?

Erstens gibt es ja den Spruch: "Der Klügere gibt nach." Wenn die Klügeren immer nachgeben, kommen eben die ausgesprochenen Machtmenschen nach vorne. Die wenigsten sind dumm, nur häufig gewissenlos und eine Portion Draufgängertum gehört eben auch dazu. Das erscheint dann in der Nachschau häufig als dumm, resultiert aber meistens nur aus Rücksichtslosigkeit anderen und sich selbst gegenüber und anderen Wertvorstellungen.

Und Lügen ist natürlich das Mittel erster Wahl, solange es noch genug Naive gibt und die Lügen nicht auf einen selbst zurückfallen. Es gibt ja den Spruch: "Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me."

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Ich habe die Entwicklung von Kindern verfolgt, die durchaus total scharf auf Rituale waren, die es als kleine Kinder gar nicht witzig fanden, wenn Weihnachten einmal anders ablief als in den Vorjahren. Aus denen sind trotz weit verbreiteter Vorurteile keine willenlosen Abnicker und "perfekten Arbeitnehmer" geworden, im Gegenteil. Witzigerweise ist die Schwester eines dieser Ritualliebhaber ganz anders. Früher als Kind, und jetzt als Jugendliche.

Deswegen gibt es auch in den sozialen Wissenschaften mehr Lehrmeinungen als Lehrer und einen ständigen sogenannten "Paradigmenwechsel", d.h. alte Lehrmeinungen werden durch neue ersetzt.

Ich lese gerne auch die "alten", angeblich widerlegten Lehrmeinungen. Z.B. gefällt mir "Sprache Denken Wirklichkeit" von Benjamin Lee Whorf. Allein schon deshalb, weil er 1) diplomierter Chemiker war, 2) zeit seines Lebens als Sachverständiger in einer Feuerversicherung gearbeitet hat, 3) auch etwas von Quantenchemie verstand und 4) seine Professur für Linguistik als freier Professor, unabhängig von einem Gehalt an der Uni, ausgeführt hat.

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Da muß ich Gerhard nun aber recht geben.

Wer behauptet, daß Kinder keine Rituale brauchen, der hat noch nie versucht so einen Zwerg ins Bett zu bringen.

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Heute konnte ich das Buch abholen. Zusammen mit Pier Paolo Pasolinis Freibeuterschriften - Die Zerstörung der Kultur des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft von 1975. Der Buchhändler verriet mir noch, es sei eines seiner Lieblingsbücher.

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/buechermarkt/1589907/

>> Seine Kritik an der Konsumgesellschaft, an einem konformistischen Verhalten wird auch in der Freibeuterschrift "Alte und neue Kulturpolitik" deutlich. Er schreibt dort über die "Revolution im Informationswesen", insbesondere über das Fernsehen.

"Mit Hilfe des Fernsehens hat das Zentrum das Ganze Land, das historisch außerordentlich vielfältig und reich an originären Kulturen war, seinem Bilde angeglichen. Ein Prozess der Nivellierung hat begonnen, der alles Authentische und Besondere vernichtet. Das Zentrum erhob seine Modelle zu Normen der Industrialisierung, die sich nicht mehr damit zufrieden geben, dass der 'Mensch konsumiert', sondern mit dem Anspruch auftreten, es dürfe keine andere Ideologie als die des Konsums geben."

"Pasolini hat ja als einer der ersten gesagt, in unserer Gesellschaft, in Italien und in Deutschland natürlich auch, gebe es keine Bürger mehr, sondern nur noch Konsumenten." <<

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Erstens gibt es ja den Spruch: "Der Klügere gibt nach." Wenn die Klügeren immer nachgeben, kommen eben die ausgesprochenen Machtmenschen nach vorne. Die wenigsten sind dumm, nur häufig gewissenlos und eine Portion Draufgängertum gehört eben auch dazu. Das erscheint dann in der Nachschau häufig als dumm, resultiert aber meistens nur aus Rücksichtslosigkeit anderen und sich selbst gegenüber und anderen Wertvorstellungen.

Jo, der Klügere gibt so lange nach, bis er der Dumme ist. ;)

Dumm ist auch ein schwieriges Wort, sowas gibts eigentlich gar nicht. Aber wenn einer Bildungsdefizite in einem Bereich hat, dort aber arbeitet und Verantwortung trägt und sich da durchlügt, ist er ja eigentlich nicht dumm, nur schlecht oder verlogen. Und wenn einer etwas nicht versteht, dann weil er es nicht will oder keine Lust/kein Interesse dran hat.

Und Lügen ist natürlich das Mittel erster Wahl, solange es noch genug Naive gibt und die Lügen nicht auf einen selbst zurückfallen. Es gibt ja den Spruch: "Fool me once, shame on you. Fool me twice, shame on me."

Zum Lügen darf man auch nicht dumm sein, wobei ich das schon gerne provoziere, um zu sehen, wen ich vor mir habe. Wenn der so doof ist und mich auf eine vermeindliche Vertrauensseligkeit von mir anlügt, obwohl ich das merke, kann ich mich gleich von dem trennen. Wäre dann also doch dumm von demjenigen. Beim nächsten lügt er dann wohl besser oder er gewöhnt sichs ab. Hab beides schon erlebt.

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In einer hierarchischen Gesellschaft ist das ja wohl das Ziel.

Möchtest Du für andere als Deine eigenen Kinder entscheiden wer das Gelee Royal erhält?

Oder es Deinen vorenthalten?

Ich habe die Entwicklung von Kindern verfolgt, die durchaus total scharf auf Rituale waren, die es als kleine Kinder gar nicht witzig fanden, wenn Weihnachten einmal anders ablief als in den Vorjahren.

Naja, sie müssen es ja die ersten beiden Male erlebt haben, um es beim dritten Mal wieder so haben zu wollen...

Allerdings hast Du Dir mit Weihnachten auch DEN deutschen Überklopper in Sachen Rituale ausgesucht. :)

Da spielt soviel rein, zwei Familientraditionen im sanften Kampf um eine neue...

Da muß ich Gerhard nun aber recht geben.

Wer behauptet, daß Kinder keine Rituale brauchen, der hat noch nie versucht so einen Zwerg ins Bett zu bringen.

Ich denke, Du hast da eher die Ergebnisse einer ritualisierenden Erziehung 'genossen'. Ich mache das seit gut neun Jahren und seit gut 6 mit Zweien - kein Gehampel wie ich es von vielen Anderen auch kenne. Wirklich völlig easy; nur ein Beispiel.

_R_

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Möchtest Du für andere als Deine eigenen Kinder entscheiden wer das Gelee Royal erhält?

Oder es Deinen vorenthalten?

War nur eine Feststellung. Irgendwie stellt jedes Handeln oder Nicht-Handeln zwar immer eine Entscheidung dar. Ich versuche aber, nur meine Sichtweise zu erläutern. Entscheidungen für andere will ich vermeiden.

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