Mir ist es im Grunde auch egal, ich ärgere mich aber darüber, dass die landläufige Meinung offenbar vor allem auch unter Politikern ist, dass wenn man bloß ein anderes Tankprodukt einführt, wo angeblich nur "Wasser" aus dem Endrohr kommt, alles gut ist. Der neueste Schmäh zumindest hier bei uns in Österreich ist das Zauberwort "E-Fuels", also synthetischer Treibstoff. Eine weitere Sackgasse.
Ich ärgere mich deshalb, weil dabei immer nur das Endprodukt gesehen wird, aber nicht mit welcher abenteuerlich schlechten Effizienz es zustande kommt. Benzin und Diesel sind aktuell wesentlich besser in punkto Effizienz und Umweltverträglichkeit als Wasserstoff. Und während bei Akku-Mobilität alle jammern, wo denn der ganze Strom herkommen soll, heißt es beim Wasserstoff plötzlich, das sei kein Problem, es gäbe ja genug Überschuss. Die Wahrheit wird sein, dass wenn wir jetzt das H2-Auto pushen, dann wird Wasserstoff auch in 30 Jahren noch zu einem überwiegenden Teil aus Erdgas hergestellt werden, weil es einfach diese großen Überschüsse an Erneuerbaren Energien nicht gibt bzw. der Ausbau nicht so schnell erfolgt, weil wenn mal das H2-Auto da ist, sich alle zurücklehnen und meinen, damit hat sich das Thema der Emissionen jetzt ein für alle Mal.
Und ja, wenn man schon mal im Alltag erlebt hat, wie komfortabel es ist, einfach in der Garage den Stecker anzuschließen und nur mehr wenn man wirklich auf weitere Reisen geht irgendwo zwischenladen zu müssen, dann will man einfach kein Tanksystem mehr, das hochaufwändig, hochexplosiv, teuer und hochineffizient ist.
Wir werden für die Energiewende Wasserstoff genug brauchen (als Ersatz für Kohle und Koks in der Industrie, als Beimischung oder Ersatz zu Erdgas, für Power2Gas-Anwendungen etc.), da müssen wir wirklich nicht ein maximal simples System (E-Motor + Akku + Ladegerät) unnötig verkomplizieren bei dem vergleichsweise geringe Energiemengen benötigt werden.
Ja, nicht jeder hat ein Eigenheim mit PV-Anlage - aber die die eines haben, oder die Betriebe, die große Dachflächen haben, können durch diese Kombination mit E-Autos einen erheblichen Vorteil erzielen und sich ein Stück weit unabhängig von Energiepreisschwankungen und Versorgung machen. Beim Wasserstoff profitieren vorerst nur die Mineralölkonzerne und jene Stromkonzerne, die ihre Kohle- und Atomkraftwerke nicht schließen müssen, weil der Strombedarf überproportional steigt.
Und wenn es in manchen Gegenden schlechte Stromnetze gibt, dann ist das keine Ausrede. Die Zukunft liegt in dezentralen/autarken Stromnetzen/Inselsystemen. Hier wird es Anstrengungen brauchen, aber davon profitieren nicht nur E-Autos, sondern alle Endverbraucher. E-Autos sind sogar eine gute Ergänzung dafür.
Ich fürchte einfach, dass mit dem Wechsel auf H2 der motorisierte Individualverkehr in seiner heutigen Form mehr oder weniger fortgeschrieben würde und das wäre eine fatale vergebene Chance. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, dass es gar nicht erst dazu kommt.