1.) Als Baujahr wurde damals in Deutschland teilweise das Modelljahr eingetragen - keine Ahnung, warum, das findet sich aber auch in dt. KFZ-Briefen aus der Zeit. Die Fgst.nummer verweist jedenfalls eindeutig auf Baujahr 1960. 10... Baujahr 1960, ...3 = AZS, ab 1961 hat die AZS Nummern, die mit 13....beginnen. Auch die Türverkleidungen sprechen für 1960 (ab 61 zweifarbig).
2) Ja, das Typenschild ist echt.
3) Das mit den Kotflügeln glaube ich Dir jetzt einfach, weil ich es bei der Auflösung der Bilder nicht sicher beurteilen können. Besagt aber bei einem Auto, das offensichtlich über Jahrzehnte hinweg auf der Straße war und am Leben erhalten wurde, recht wenig. Nicht wenige Enten mit alter Haube fuhren schon in den 60ern mit falschen vorderen Kotflügeln von der 16PS-Ente (eckige Blinker) rum. Definitiv auch sekundär, da Baujahr 1960 ja durch FIN gesichert,
4) Der Lampenträger ist von einer 16PS-Ente (dito der Batterieregler). Insofern aber auch nicht Baujahr 1961. Besagt deshalb auch nur, dass der mal gewechselt wurde,
5) Um die "Mängelliste" für Originalitätsfetischisten mal etwas detaillierter zu komplettieren ;-) : Die Rückleuchten sind nicht original, es gehören rote Sabel drauf. Die Hella-Blinker vorne gehören auf ein dt. Export-Modell aus frz. Position, die korrekten Blinker wäre belg. AEB, Typ 44 (orange), die Seitenblinker müssten Scintex V55 (orange) sein, die Radkappen sind nach Okt. 61 etc.. Auf der originalen Heckklappe befand sich ein Citroen-Schriftzug, der nun fehlt. So what! - so sahen Enten in Deutschland bereits in den 60ern aus, weil kein Mensch, der 1965 einen Blinker oder ein Rücklicht gekauft hat (gebraucht oder neu), gezielt nach Auslieferungszustand belg. AZS, Baujahr 1960 gesucht hat. Damit ist sie typisch für eine dt. Ente aus dieser Epoche und insofern auch erhaltenswert. WIe eine Ente im Katalog aussah, zeigt jedes Werksfoto, Und sorry, ich weiß nicht, wie viele Originalitätsfanatiker diese Details selbst heute überhaupt bemerken...
6) Eine Restaurierung bedeutet nicht zwangsläufig die Herstellung eines vermeintlichen Originalzustandes - zumindest nicht, wenn es um den Erhalt eines historisch wertvollen Fahrzeuges geht, das erhalten werden soll. Das Auto könnte auch im "Ist-Zustand" konserviert werden, weil es auch so einen Aussagewert besitzt. Citroen hat die gefundenen Vorserien 2CV ja auch nicht restauriert, obwohl durchaus nicht nur Teile von 1939 montiert sind. Und alle, die Orginalität dogmatisch mit Auslieferungszustand gleichsetzen und jede Unterlegscheibe auf Originalität untersuchen, müssten konsequenterweise auch den bei der Restaurierung zumeist verwendeten 2K-LAck von ihren Wellblechenten schleifen...
7) Die Wirtschaftlichkeit einer Restaurierung definiert sich letztlich auch über den historischen Wert eines Fahrzeug auch für die Firmengeschichte (da ist die historisch korrekte Profilierung eines Innenkotflügels eher von untergeordneter Bedeutung) . Letztlich sollte bei einem Auto, von dem meines Wissens keine 10 Exemplare überlebt haben, zumindest die Konservierung! eine Pflicht sein. Mit der Argumentation, dass es in Südfrankreich doch viel bessere Enten gibt, die nicht geschweißt und verbastelt sind, wurden frühe deutsche Enten sowieso bis in die Nuller-Jahre gnadenlos entsorgt - mit dem Effekt, dass es heute in D mehr "Saharas" gibt als 2CV mit dt. Originalzulassung vor 1965.