Nachtrag, da ich das Simpelste und Naheliegenste schlicht naiv ausgeblendet hatte; wie dumm von mir.
Die Pflege ist ein gigantisches Geschäft mit 100.000en Arbeitsplatzen, unser mit zu den teuersten der Welt gehörendem Gesundheitssystem läßt fröhlich grüßen.
Zahlte ich vom Bruttolohn Mitte der 80er 8% an die Krankenkassen, sind's jetzt 15,5 %. Nahezu eine Verdoppelung, wobei die Leistugen, z. B. für Brille, Zähne usw. immer weiter gestrichen wurden. Es reichte immer noch nicht, also mußte die Pflegekasse her. Dafür bekam ich dann zur Zeit der Praxisgebühr mit, dass der Funktionär x der Krankenkasse Y sich mal eben sein Gehalt von 200.000 € auf 350.000 pro Jahr erhöhte.
In D werden mehr künstliche Kniee u mehr künstl Hüften (prozentual gesehen) vertickt, wie sonst nirgens. Auch Ausschabungen treten bei uns ungewöhnlich häufig auf, und dass Krebs super teure Behandlung erfordert, weiß jedes Kind. Würde dieses Geld in die Forschung gesteckt u deren Ergebnisse umgesetzt, wäre das heutige big business vielleicht nur noch a very small one. Vor 15 Jahren oder so wurde die Gefährdungsgrenze beim Blutdruck von 160 auf 140 gesenkt. Auf einmal gabs vielmehr Bluthochdruck Patienten, wurden die Praxen volle und wesentlich mehr Pillen verschrieben. Ein Husarenstück der Pharmaindustrie.
So revidiere ich meine obige Aussage, dahingehend, dass der für die Produktion nicht mehr zu gebrauchende, der verschlissene, körperlich fertige und ausgezehrte Malocher bzw. Rentner für die Generierung von Profit durch seine Arbeitskraft sicherlich ausgedient hat, aber aus seinem zwar schmalen Portemonai noch enorme Umverteilung von ganz unten nach ganz oben machbar ist, und wenn es die Gesellschaft trägt erst recht, Hauptsache nicht die Reichen.
Vor 30 Jahren wuselten noch keine 10.000e Kleinwagen mit irgendwelchen Pflegeslogans versehen durch die inzwischen völlig überforderte Verkehrsinfrastruktur und parkten diskriminierend auf Gehwegen vor den Wohnungen ihrer Opfer: "Ach der Z, der schafft's auch nicht mehr, da kommt jetzt die Diakonie zum Hinternwaschen." Kommt dann die resolute, geschulte Halbgöttin in steril unschuldigem Weiß (könnte auch kackbraun uniformiert sein oder rosa, aber nee) in den intimsten Ort einer nicht mehr geschützten Privatshäre in der bescheidenen Whg und trällert ihr "Soo, Frau A, wie geht's Ihnen heute!" (ohne Pause weiter) "Jetzt nehmen wir mal unser Dope und..." Welche Chance hätte das Ömmaken, ein Lebenlang gewohnt sich zu unterwerfen, "Raus!" zu schrein? Zuvor hatte ja das feine Netzwerk aus Klinik mit Sozialarbeiter, Arzt Praxis, Apotheke und Kranken-, bzw. Pflegekasse Ömmaken schon überzeugt, mürbe gemacht.
Es werden blitzende Dosetten, funkelnde Gerätschaften und sterile Handschuhe zur Aufrechthaltung der Distanz und der Überlegenheit des Akteurs präsentiert. Es wird natürlich keine Seelsorge betrieben, die läßt sich in der Produktion nicht in klingende Münze umwandeln. Es werden Unmengen an schädlichstem Plastikmüll hergestellt, an Energie verschwendet, an Zeit (Fahrweg) verbraten, es wird Verachtung und Unwürde gelebt.
Keine Woche ohne TV Gehirnwäsche über Pflegenotstand, Altersheimmissstände, explodierende Gesundheitskosten; diese Woche Angie im Pflegeheim, nur damit der mündige Bürger seine ohnehin spärlichen Flöhe weiter in die Taschen der Gesundheitsbonzen steckt.
Ginge es wirklich um den Patienten wären ausreichende (und damit teurere als das Pflegegeld) Mittel für Angehörigenpfelge und Freistellung vom Beruf bei vollem Lohnausgleich sicherlich wirtschaftlicher und effizienter als dieser Schlag in den Demokratiekontor. Gesundheitsindustrie, that's it.
Liebe Susi u sonstige Pflegekräfte, die Ihr einen anstrengenden unter enormen Druck stehenden, verantwortungsvollen u schlecht bezahlten Arbeitsplatz habt, der Euch ständig an die Grenze physischer und psychischer Leistungsfähigkeit bringt, Euch meine ich nicht, im Gegenteil, Hut ab vor Eurem Engagement.
So, darum und das in erster Linie werden wir trotz ständig verbesserter Medizin und Versorgung immer pflegebedürftiger: Habgier...
Manson: Dir wünsche ich viel Erfolg bei Der Umsetzung Deiner Pläne, aber...lass langsam gehen. wegen Herzinfarkt und so. Ich bin 59 und sehe an lebensverlängernden Maßnahmen gerne das Soffa, den Gammel und ein lecker Tässchen Bier am Sommerabend blinzelnd im Garten.
Gruß
Wolfgang