Gerhard, bist du aus der Branche? Oder woher nimmst du die Aussage, regenerative Kraftstoffe sind energieintensiver als konventionelle Mineralölkraftstoffe, und würden nahezu ausschließlich in direkter Konkurrenz zu Lebensmittel- und Futterpflanzen stehen?
Du hast Recht, Subventionen verzerren und verfälschen die Verhältnisse, und das oft zum Negativen. Ich wäre froh über eine gravierende Änderung. Merkwürdigerweise aber ist der Anteil an regenerativen "Bio-"Kraftstoffen in einigen Ländern, die sich teure Subventionen gar nicht leisten können, deutlich höher als in unserem reichen Europa. Also kann es nicht nur und nicht zuerst an den Subventionen liegen.
Es stellt sich schon die Frage, ob bei aller berechtigten Kritik am Lobbyismus in Wirtschaft und Politik nicht das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wird, wenn regenerative Kraftstoffe pauschal und insgesamt verdammt werden. Verfehlte und schädliche Wirtschafts- und Politiklobby gibt es auch bei fossilen Energieträgern mehr als genug.
Aber hier driften wir vom Ursprungsthema zu weit ab. Bei Bedarf besser einen eigenen thread aufmachen?
Meine Erfahrung zur Eingangsfrage: Vom ersten Moment an, als E10 verfügbar war, habe ich den Kraftstoff in allen Benzinern eingesetzt. Ohne irgendwelche Änderungen vorzunehmen. Weder Defekte, noch Leistungseinbußen oder Mehrverbrauch konnte ich feststellen, obwohl ich das alles recht genau überwache. Einzelne Fahrzeuge hatten sogar einen leicht geringeren Verbrauch mit E10 als mit E5.
Wie hoch der tatsächliche Ethanolgehalt im Sprit jeweils war, kann ich natürlich nicht sagen. Die Spezifikationen begrenzen den Ethanolgehalt auf maximal 10% bzw. 5%, es kann also auch geringer sein. Mehrere Untersuchungen von Screening-Unternehmen haben gezeigt, dass die Grenzen häufig deutlich unterschritten werden, bis unter 1% Ethanolanteil (meist 2-3%). In der Anfangszeit haben etliche Tankstellenbetreiber den Aufwand betrieben, tatsächlich für E5 und E10 unterschiedliche Tanks zu betreiben. Nachdem aber klar war, dass so oder so der staatlich vorgeschriebene Pflichtanteil an regenerativen Kraftstoffen erreicht wird, haben viele die teure doppelte Logistik aufgegeben und an E5-Säulen wie an E10-Säulen den gleichen Sprit aus dem gleichen Tank ausgegeben. Vor dem Hintergrund wird es besonders amüsant, wenn von den gravierenden Horrorauswirkungen von E10 berichtet wird...