Dass ein Automotor auch nicht dauernd auf Nennleistung läuft, weisst Du, und nimmst es als gegeben hin. Bei der Bahn ist es dann auf einmal alles völlig anders oder wie?
Ein Automotor wird zu etwa 10 bis 20% ausgelastet, bei Kleinwagen naturgemäss etwas mehr, weil die ja nicht wesentlich langsamer fahren...
So ein Hochgeschwindigkeitszug braucht die Installierte Leistung nur zur Beschleunigung. Danach ist die Auslastung des Antriebs irgendwo zwischen 0 und 30%, bis es wieder ans Bremsen geht. Dann ist sie wieder ähnlich hoch wie beim Beschleunigen, und selbst da sind das nicht immer auch nur annähernd 100%, je nach Steigung und Streckengeschwindigkeit.
Wenn man bei Deinen Energieverbräuchen real auf die Hälfte kommt, ist es viel. Und dann muss man noch wissen, dass runde 30% der verbrauchten Energie mit der Fortbewegung kaum zu tun hat. Das sind Dinge wie Luftfederung, Bremse, Türantriebe, Heizung/Klimaanlage, Toiletten...
Von diesem Anteil müsste man dann noch wissen, ob er in der genannten Dauerleistung auch mit drin ist. Sprich: Ist die Leistungsaufnahme Trafoseitig angegeben, die alle Hilfsbetriebe auch noch mit umfasst (1000V-Zugsammelschine mit bis zu 1000A Maximalstrom, nebst allem, was die Lok sonst noch so braucht, etwa Kompressor, Steuerstrom, Zugsicherung, Beleuchtung) oder ist das die Motorleistung?
Nebenbei bemerkt: Die Dauerleistung sagt umso weniger über den tatsächlichen Verbrauch, als die Maximal- oder Stundenleistung, die für die beim Beschleunigen verfügbare Antriebsleistung eigentlich eher wichtig ist, erheblich höher sein kann, weil, anders als bei Verbrennungsmotoren, die Leistungsgrenze elektrischer Systeme flexibler ist. Man kann gerade Motoren oder Trafos überlasten, solange die Isolation das aushält. Es gibt dann für kritische Systeme (Fahrmotoren, Stromrichter, denn ein Trafo hat in der Regel einiges an thermischer Reserve, allein schon wegen der Masse) in der Regel Maximaltemperaturen, die nicht überschritten werden dürfen. Anders als bei Strassenfahrzeugen kann der Lokführer aber auch da hilfreich eingreifen: Er kann die Kühlung der Motoren zum Beispiel vorauseilend manuell auf "stark" stellen, so dass sie eine anstehende Berg- oder Hochgeschwindigkeitsetappe oder die Fahrt durch einen warmen Tunnel schon gut vorgekühlt antreten, und er kann umgekehrt, etwa, weil der Zug im Bahnhof steht, die Ventilation drosseln, obschon die Temperatur recht hoch ist, um die Lärmemission im Bahnhof tief zu halten...) Elektrischer Schienenfahrzeuge.
Langer Rede kurzer Sinn: Von der installierten Leistung auf den Verbrauch zu schliessen, ist bei Elektrofahrzeugen schlicht und einfach Müll. Die laufen eben nicht im Standgas, und die müssen auch keinen Hubraum mit zündfähigem Gemisch füllen, unabhängig davon, wie viel Leistung gebraucht wird.
Ein Tesla hat hunderte PS, und kommt mit um die 20kWh dennoch 100km weit. Deiner Lesart nach müsste das, ausgehend von der installierten Dauerleistung (die mir nicht mal bekannt ist, denn bei PKW wird immer die Maximalleistung angegeben, und die kann schon mal wesentlich höher sein als die Dauerleistung, bei einem Elektroantrieb) müsste ein Tesla 100kw oder mehr verbrauchen, denn darunter wird die Stundenleistung kaum liegen, wenn die Maximalleistung mit je nach Modell knapp oder deutlich mehr als 500PS angegeben wird. (1kW sind rund 1.36PS, wobei das auch abweichen kann, da es auch noch sog. bhp (british horse Power) gibt, die etwas weniger ausmachen...
Nun ist aber der Rollwiderstand auf der Schiene viel, viel geringer als auf der Strasse, und die Tonnagen, die, einmal beschleunigt, die Fuhre in Schwung halten (Vorrat an kinetischer Energie) ist auch viel grösser... Heisst, man kann nicht selten nach Erreichen der Streckengeschwindigkeit die Antriebsleistung fast gen null drosseln, und hat dennoch genug mit Bremsen zu tun, wenn das nächste Signal es verlangt. Nicht zu vergessen, dass in der Regel soviel wie möglich rekuperiert wird, was den Energieverbrauch weiter verringert. Denn im Gegensatz zum Auto kostet die mechanische Bremserei nicht nur vier Radbremsen, sondern es gibt an jeder Achse eine oder zwei Scheibenbremsen... Teuer, die zu oft auswechseln zu müssen, und laut ists auch noch, verglichen mit der quasi verschleissfreien Bremse, die bei Hochgeschwindigkeitszügen allenfalls noch durch eine Wirbelstrombremse (sog. Magnetschienenbremse) unterstützt wird, weil sich aufgrund der geringen Adhäsion (das Geheimnis hinter dem niedrigen Rollwiderstand) über die Räder nur begrenzte Kräfte übertragen lassen. Daher beschleunigen und bremsen Züge langsamer als Strassenfahrzeuge. Die rekuperiert auch nicht, wirkt aber über die Reibwerte zwischen Rad und Schiene hinaus...
Sprich: Die Installierte Leistung (und zwar die Maximalleistung, in der Regel wesentlich grösser als die Dauerleistung) wird zum Beschleunigen gebraucht. Hochgeschwindigkeitsfahrten brauchen dann zwar mehr Saft, aber eben auch nicht annähernd Dauervollgas, es sei denn, es geht sehr kräftig bergan... Man kann da von 50 bis 60% Auslastung ausgehen, wenns auch nur halbwegs eben ist. Mehr ist das nicht.
Für die Anfahrt kann durchaus auch mal 30% mehr als die Dauerleistung aus dem Netz gezogen werden. Das allerdings für kaum mehr als Sekunden... ähnlich, wie beim Auto auch... Insgesamt dauert es kaum mehr als 2min. freie Strecke vorausgesetzt, bis die Endgeschwindigkeit erreicht wird.
Das ist beim Diesel anders... da müssen in der Regel <2000kW für einen ganzen Zug samt Komfortenergie reichen. (Hochgeschwindigkeit ist aber anders (Hochgeschwindigkeit ist bei der Bahn übrigens ein klarer Begriff. Alles über 160km/h ist Hochgeschwindigkeit.) Die Maschine läuft dann länger auf Volllast, bis die Streckengeschwindigkeit erreicht ist... und es gibt keine Rekuperation... Bestenfalls (dieselelektrischer Antrieb vorausgesetzt, der in D nicht so üblich ist, wie in CH...) eine elektrische Widerstandsbremse. Schont ebenfalls die mechanische Bremse, bringt aber für die Effizienz des Systems in energetischer Hinsicht nichts bis fast nichts, je nach Auslegung.