In der Realität wird es so laufen, dass der Energieversorger grojoh einfach Strom liefert. Das wird im Jahresmittel bei den 40% oder wie viels dann sind Ökostrom sein müssen, und dementsprechend fällt die Rechnung aus.
Wenn also Grojoh soundsoviel Strom bezieht, muss der Versorger davon 40% als ökostrom liefern. Die kann er einkaufen (EEG) oder er kann sie selber produzieren. Da keiner, auch nicht Grojoh selber, sagen kann, wann er genau wieviel Strom abnehmen wird, einigt man sich auf einen Zeitraum, in dem die Bilanz dann stimmen muss.
Es läuft auch nicht so, dass Grojoh anruft und Strom anfordert. Das machen nur Grossverbraucher so. Aluhütten, Stahlwerke, Raffinerien, etc.
Praktisch läuft das so, dass Grojoh sein Auto anschliesst, und dann erstmal die Netzfrequenz um ein kleinwenig sinkt, oder das Spannungsniveau. Die Netzleitstelle merkt das, und überlegt sich, was zu tun ist. Wenn noch Ökostrom zur Verfügung steht, kann es solcher sein, wenn nicht, wird man sehen, was man machen kann. Wenn man davon ausgeht, dass es eine kurzfristige Verbrauchsspitze ist, wird man versuchen, ein Pumpspeicherwerk anzuschalten. Oder, wenn man nichts anderes machen kann, wird man auch ein Kohlekraftwerk hochfahren. Erstmal nur, indem ein Dampfventil aufgeht. Erst, wenn die Leistungsanforderung bleibt, und folglich der Kesseldruck sinkt, wird man die Feuerung aufdrehen, oder, wenn es noch geht und man von einem längerfristigen Bedarf ausgeht, weitere Kessel anfahren.
Oder man zieht die Regelstäbe des nächsten AKW etwas weiter heraus. Oder, man sieht, dass eins der Nachbarländer lieferpflichtig ist (wer wann in welchem Umfang zu einer stabilen Netzfrequenz beizutragen hat, ist festgelegt.) und hat die Zusicherung, dass der Strom auch geliefert wird.
Das hat im letzten Jahr Schlagzeilen gemacht. Da hatte ich weiss nicht mehr welcher der Balkanstaaten verabsäumt, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Somit, und weil kein anderer Beteiligter im Europäischen Verbundnetz einspringen wollte, war die Netzfrequenz über Wochen und Monate unter dem Nennwert, und damit gingen dann auch Millionen von Uhren an Küchengeräten letztlich um mehr als 5min. nach.
Ob der Strom Ökostrom ist oder nicht, interessiert auf Netzebene keinen mehr. Das ist eine Entscheidung, die situativ getroffen wird.
Und genau deshalb geht es gar nicht anders, als die Klimaschädigung anhand von Mittelwerten zu bestimmen, und genau deshalb stimmts auch nicht, dass E-Mobile jedenfalls mit Kohlestrom oder Atomstrom fahren.
Erstens, weil auch Du nicht sagen kannst, ob nicht in dem Moment, in dem grojoh sein E-Mobil anschliesst, doch noch der Wind auffrischt, oder die Sonne ein wenig mehr scheint, oder der Wasserstand am nächsten Kraftwerk um 2cm zunimmt, so dass die Fallhöhe und damit die Turbinenleistung ansteigen kann.
Dann aber auch, weil Du nicht weisst, ob Grojoh nicht doch seinen Strom selber macht. Dazu ein Beispiel ohne EEG, aus der Schweiz. Mein Schwager hat vor ungefähr zwei Jahren ein neues Haus gebaut. Minergie, gut isoliert, aktiv belüftet und mit Wärmepumpe beheizt. Vor ein paar Monaten war dann der Kredit soweit abbezahlt, dass die von Anfang an eingeplante Photovoltaikanlage mit Akku im Keller nachgelegt werden konnte.
Für ein Einfamilienhaus sind da 15kW peak installiert, und an einen Akku mit 15kWh im Keller angeschlossen.
Im Jahresmittel produziert dieses Haus gegenwärtig deutlich mehr Solarstrom, als ebendort verbraucht wird. Weil noch zwei Verbrennerfahrzeuge in der Doppelgarage stehen. In wenigen Jahren werden es erst eins, dann zwei E-Mobile sein. Dann wird im Jahresmittel ungefähr soviel Strom verbraucht werden, wie die eigene Photovoltaik liefert. Im Winter wenn der Himmel gewitterschwarz ist, kommen da nur ein paar hundert Watt raus, bei Tage.
An einem schönen Sommertag ist der Akku im Keller in etwas mehr als einer Stunde voll, und wenn dann noch eins der beiden E-Mobile, die es gegenwärtig noch nicht gibt, in der Garage steht, wird dessen Akku auch noch gefüllt, und eben nicht mit fossiler Energie, sondern mit Solarstrom vom eigenen Dach. Und an solchen Tagen reicht der Akku im Keller dann auch spielend durch die Nacht. Der Arbeitsweg dieses Schwagers beträgt <15km einfach. Das kann er sich dann auch noch aus dem Akku ziehen. Das andere Auto ist das seiner Frau, und das steht die meiste Zeit des Tages in der Garage, kann also, sobald genug Licht da ist, direkt mit Solarstrom geladen werden.
Heisst: Der Strommix ist eben doch die richtige Referenz für Umweltschutzargumente. Entweder der nationale, oder, so er bekannt ist, der individuelle. Den kann mein Schwager in Echtzeit per App oder am Wechselrichter im Keller abfragen. Man kann den momentanen Strommix also auch in die Entscheidung einfliessen lassen, wann die Waschmaschine oder der Geschirrspühler angeworfen werden. Die Haustechnik ist ohnehin vernetzt... Warmwasseraufbereitung zum Beispiel, oder auch die Heizung kann man ja innnerhalb gewisser Grenzen flexibel handhaben...