Vermutlich interessiert's keinen und ein großartiger Beitrag zum Thema ist's eh nicht, doch möchte ich kurz anmerken, dass meine für mich optimale Reisegeschwindigkeit bei ziemlich genau einhundertundzehn Kilometer pro Stunde liegt.
In Italienien schrumpft's erheblich: Die LKWs, die ich in den letzten Jahren auf dem Weg von und nach Ancona überholt hab, lassen sich an den Fingern beider Hände abzählen (bei "elf" kann ich immer noch die Hose runter lassen).
Der Vorteil von »la flânerie« liegt klar auf der Hand! Egal was passiert, das meiste »je m'en contrefous«!
Stau? Kaffee kochen auf'm nächsten Parkplatz, kleine Jause, vielleicht ein wenig in der Sonne liegen, Fernglas raus und Landschaft beglotzen, Routenplanung überprüfen — dazu möchte ich anmerken, dass ich zwar ein Navi in der Scheibe hab, aber grundsätzlich meinem Sohn (jetzt 11) seit etwa drei Jahren mit der Karte in der Hand die Führung überlasse, auch wenn das bedeutet, sich verfahren wollen zu müssen. Mittlerweile hilft seine Schwester (6) mit, und den beiden macht das richtig Spaß. Lernen tun sie dabei nebenher auch noch so einiges.
Einer meiner Kollegen und zwei befreundete Familien fahren, wie so viele Stuttgarter Griechen, direkt und in einem Zug durch nach Ancona, um dort die Fähre nach Igoumenitsa oder Patras zu nehmen. Dabei berücksichtigen sie die eintausend zu fahrenden Kilometer, einen eventuellen Stau, oder zwei, und drei Pinkelpausen. Zwei Stunden vor Abfahrt soll man zum Einchecken vor Ort sein, das heißt: Achtzehn Stunden vor'm Ablegen des Schiffs, geht's hier auf die Gass'.
Einer meiner Kollegen und zwei befreundete Familien haben genau so schon mindestens ein mal die Fähre verpasst.
Ich geb's zu: Ich bin ziemlich entschleunigt und somit nicht der Maßstab, darum ist 'ne Diskussion um zwanzig Stundenkilometer hin oder her bei 'nem Tempolimit für mich nicht nachvollziehbar. Wegen mir Tempo 100.
Goethe war Wochen unterwegs, um zur italienischen Grenze zu kommen und meinte mal: »Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.«
Abschließend möchte ich noch behaupten, dass Güter auf die Schiene gehören und nicht auf die Autobahn. Und den ICE sollte man verschrotten. Ich hätte gerne wieder ein Bordrestaurant mit Tischdeckchen und Polsterstühlen, Wagen mit Platz für Gepäck und selbstverständlich einen Gepäckschalter an (fast) jedem Bahnhof, Gepäckträger sowieso und Schlafwagen. Eine Fahrt von Stuttgart nach Paris sollte nicht drei, sondern elf Stunden dauern. Das lässt Zeit zum Duschen und Frühstücken oder auch zur Betrachtung der Landschaft.
Mit dreihundert durch alle Eisenbahntunnel dieser Welt oder mit hundertachtzig über die A7? Nicht mein Ding.
Wer's braucht, kann ja für eine Hand voll €uronen über'n Nürburgring blasen und zur Freude der Außenstehenden seinen Boliden in die Rabatten versenken.
Schönen Sonntag, Euch allen!