Selbstverständlich ist das Wesentliche daß es meinem Freund halbwegs gut geht, das ist doch jedem klar. Doch dafür brauche ich hier nicht die Bilder zu posten, und den Unfall öffentlich zu machen.
Mir ging es im Posting darum erstens durch so eindrückliche Photos nochmals einem jeden 2CV Fahrer in Erinnerung zu rufen wie wenig Schutzzone eine 2CV bietet und zweitens als Entenfahrer beständig volle Aufmerksamkeit den anderen Autofahrern vor, hinter und neben einem zu widmen um notfalls die Folgen derer Fehler vermeiden zu können, und drittens darauf hinzuweisen wie schnell durch kleine Unaufmerksamkeiten fatale Folgen die Konsequenz sein können.
Je moderner, geräuschgedämmter, mit allen möglichen Assistenten und Unterhaltungselektronik, einem supereffektivem ABS und Fahrwerkassistenten, Sitzheizung und elektronischen Abstandswarnern ausgestattet um so mehr verliert der Fahrer den Kontakt zur realen Umwelt, fühlt sich in seinem Auto wie in einer anderen abgekapselten Welt in der er sicher ist. Je mehr Leistung so ein modernes Auto hat umso weniger kann sich dessen Fahrer vorstellen daß es Fahrzeuge gibt welche am Berg langsamer werden oder überhaupt nur langsam fahren (können).
Ich bin ja auch so einer wie meine französischen Freunde, der nur mit so langsamen Gurken im Alltgasverkehr unterwegs ist und der auch längere Strecken damit zurücklegt. Zudem habe ich meist auf längeren Fahrten noch meinen Hänger hinten dran. Was mir in den letzten Jahren für Situationen, hauptsächlich auf Autobahnen und Schnellstraßen, vorgekommen sind, ist atemberaubend.
Ich habe mir wirklich angewöhnt laufend, und damit meine ich wirklich beständig, das ganze Geschehen rings um mein Fahrzeug im Blick zu haben. Meine Augen wandern konstant vom Rückspiegel zu den beiden Seitenspiegeln, nach vorne zur Seite. Ich versuche wirklich das gésamte Verkehrsgeschehen laufend im Blick zu haben, das Hirn kalkuliert laufend Geschwindigkeiten der anderen Fahrzeuge, berechnet Kreuzungspunkte von Fahrzeugen verschiedener Geschwindigkeiten, registriert alle möglichen von anderen abgegebene Signale wie Bremslichter, Blinker, schwankende Fahrweise, ob jemand 'ne Fluppe in der Hand hat, sich mit seinem Beifahrer unterhält, mit Händen redet, wie er vor dem Steuer hockt, ob entspannt oder dicht vor die Scheibe geklemmt, ob jemand im parkenden Auto sitzt etc. ..
Oft können einem kleine Details schon vorab kommende Probleme erkennen lassen.
Und oft hat mich wirklich nur ein im letzten Moment auf den Seitenstreifen ausweichen vor dem Aufprall von hinten bewahrt. Einmal hat mich wiederum jemand im letzten Moment noch rechts, mit geschätzen 160 Km/h, überholt, weil ein Ausweichen seinerseits auf die Überholspur wegen dort befindlicher Fahrzeuge nicht möglich war. Wenn ich in diesem Moment dann auch auf den Seitenstreifen ausgewichen wäre.....
An den Reaktionen derjenigen welche kurz vor einem Aufprall mit meinem Fahrzeug standen kann ich manchmal erkennen was der Grund dafür war.
Manche fahren auf der rechten Spur, in ihren Augen relativ langsam, weil sie z.B. ein älters Wohnmobil oder einen LKW fahren und fühlen sich dort auf der Spur wo sie dann vielleicht mit 90-100 konstant fahren sicher. Da sie sich selber als langsamstes Fahrzeug einschätzen sind sie nicht sehr konzentriert weil in der Regel ja die anderen sie überholen müssen. Mit noch langsameren Fahrzeugen rechnen sie nicht und daher kalkulieren sie auch nicht die Geschwindigkeit der vor ihnen fahrenden Fahrzeuge.
Andere fahren zwar relativ zügig (so 120), sind in Wirklichkeit aber unsichere Fahrer, sie bleiben meist auf der rechten Spur und sind mit der Situation eines vor ihnen langsameren Fahrzeuges völlig überfordert. Sie sind nicht in der Lage Lücken hinter ihnen auf der Überholspur einzuschätzen und rechtzeitig zu überholen. Sie fahren so lange dann rechts in ihrem Tempo weiter bis sie dann plötzlich hinter mir voll auf die Bremse treten müssen. Oft beobachte ich solche Fahrer schon eingige Zeit hinter mir sich unaufhörlich nähern, entdecke Lücken welche sie zum überholen nutzen könnten, und was passiert - nichts. Sie trauen sich nicht weil sie selber die Geschwindigkeit und Entfernung der anderen nicht einschätzen können, - aber sie fahren trotzdem erstmal mit unverminderter Geschwindigkeit weiter. Einmal dann hinter mir mit gleichem Tempo, trauen sie sich gar nicht mehr zu Überholen.
Dann die mit sportlichen Autos welche von hinten auf mich zuschießen, m.E. ganz bewußt erst im letzten Moment aprupt auf die Überholspur ausweichen um mir einem Schrecken einzujagen und mich mit einem Hupkonzert und wilden Handzeichen und Kopfschütteln darauf hinweisen daß ich nichts auf der Straße mit so einem "Steh"Zeug zu suchen habe.
Dann die Lastwagenfahrer welche sich unaufhörlich nähern und einen ganz bewußt von hinten nötigen, erst mit Lichthupe, dann durch extremes Verkürzen des Abstandes, aufgefahren sind auch schon welche. Was die sich dabei denken, daß ich meinen Turbo einschalten soll? Es haben mich auch schon Lastwagenfahrer die beim Überholen waren ganz bewußt einfach auf den Seitenstreifen gedrückt, ganz egal daß dort Baustellenpfosten waren.
Eine weiter Gruppe sind eigentlich relativ sichere Fahrer welche aber abgelenkt sind weil sie entweder telephonieren aber trotzdem mit unvermindert hoher Geschwindigkeit weiterfahren oder sich unterhalten - viele Geschäftsleute mit Jackett am Haken.
Solche Vorfälle sind in den letzten Jahren eklatant häufiger als früher, eine Folge daß immer weniger langsame Fahrzeuge unterwegs sind und daher dann solche immer ungewohnter für die Anderen sind, eine Folge der immer mehr um sich greifenden Immer- Erreichbarkeit und -Kommunikation, eine Folge daß immer mehr unsichere Fahrer sich aufgrund der ihnen von den Herstellern versprochenen Sicherheitsassistenten in der Lage sehen trotzdem oder auch durch den schlechten Personenenahverkehr gezwungen sind Auto zu fahren, eine Folge daß auch immer mehr Leute im hohen Alter weiter Auto fahren und sich gar nicht bewußt werden daß ihr Fahrvermögen gelitten hat und nicht bereit sind ihre Mobilität aufzugeben, eine Folge des brutalen Zeit und Preiskampfes der LKW Speditionen, eine Folge von Selbstüberschätzung Jugendlicher (gabs früher auch), eine Folge der oben angeführten Eigenschaften moderner Autos und die Gewöhnung daran,
Autobahnen meiden ist oft auch nicht wirklich sinnvoll oder praktikabel. Wenn ich mit meinen 16PS und Hänger quer durch die Eifel, hoch runter, hoch runter, immer wieder bremsen, anfahren, beschleunigen, bremsen, abbiegen muß benötige ich trotz kürzerer Entfernung für die Strecke Bonn-Luxembourg rund dreimal so lange und das mit erheblich höherem Spritverbrauch und Verscheiß des Fahrzeuges. Auch sind die Steigungen außerhalb der Autobahnen auf dem Land noch erheblich stärker so daß ich dann dort oft im ersten Gang mit 18 Km/h hänge, womit dann auch keiner mehr rechnet und das Unfallrisiko gleich ist, zumal auf dem Lande dann auch unübersichtliche Kurven existieren.
Meine Konsequenz ist nicht, nicht mehr Ente zu fahren sondern noch mehr zu versuchen diese Faktoren zu kennen und durch kontinuierliche Auswertung der mich umgebenden Signale Situationen vorraus kommen zu sehen. Wenn ich auf Autobahnen langsamer als 50 bin, ja das darf man durchaus in D, schalte ich obligatorisch die Warnblinklichtanlage ein - dank LEDs gut auch im Hellen sichtbar.
Wir Entenfahrer müssen genauso wie Fahrradfahrer und auch Motorradfahrer überall die Gefahr lauern sehen, als Motorradfahrer wird das einem ab der ersten Fahrstunde eingebläut.
Aber gegen abgelenkte Fahrer die, wenn überhaupt, erst im letzten Moment das Problem bemerken, und dann deren Reaktion ja auch nicht kalkulierbar ist, hilft nichts. Solche Unfälle egal wie aufmerksam man ist kann man nicht ausschließen. Und - nicht zu vergessen- man selber ist ja auch nicht fei davon Fehler zu machen.
Erst Gestern hat mir als Radfahrer ein Auto im Kreisel die Vorfahrt genommen und umgenietet und ich lag unter seiner vorderen Stoßstange.
Traurig daß die Welt so ist, ist irgendwie nicht die Meine.
Roland