Ich finde es grundsätzlich kontraproduktiv, wenn man die Diskussionen über die Wirtschaftlichkeit der E-Mobilität mit den Umwelt-/Klimaeffekten vermischt. Das findet ja einzig und allein deshalb statt, weil der Preis der relevante Hebel ist, um die Leute dazu bringen zu können, auf eine andere Technologie umzusteigen.
Die Aussagen des Samariterbund-Managers kann ich als Betreiber einer E-Carsharing-Flotte aber nicht nachvollziehen. Die Betriebskosten für einen Verbrenner wären in unserem Fall deutlich höher und ich gehe davon aus, dass es dort nicht anders ist. Wir haben bei mittlerweile knapp 20 E-Autos (18 Zoe, 1 NV-e200, 1 i3) defacto zweimal im Jahr Kosten für Reifenwechsel und sonst nichts. Ich wüsste nicht, inwiefern uns da ein Dieselauto fürs Carsharing günstiger kommen sollte. Der Kaufpreis ist höher, lässt sich aber durch die steuerliche Begünstigung und vor allem durch den höheren Restwert am Laufzeitende beim Leasing sehr gut betriebswirtschaftlich darstellen. Durch den Wegfall der motorbezogenen Versicherungssteuer und die Vorsteuerabzugsberechtigung und die Sachbezugsbefreiung für Dienstwägen ist jeder (österreichische) Unternehmer verschwenderisch, der aktuell kein Elektroauto kauft.
Was den Strompreis an der Ladestation betrifft, so sehe ich die aktuelle Entwicklung mit einiger Sorge, aber auch mit Verständnis für die Betreiber. Die Infrastrukturkosten in den Ladestrom einzupreisen führt eben vor allem bei der aktuell noch niedrigen Nutzungszahl zu vergleichsweise hohen Kosten und je schneller wir das einpreisen, umso schneller endet die Mär vom kostenlosen Strom für E-Autos - was ich gut finde, weil es ein verzerrtes Bild erzeugt. Aber wie weiter oben schon geschrieben, ist das ohnehin nur für das Laden unterwegs relevant, nicht für das Laden zuhause. Da wird man dann wohl einkalkulieren müssen, dass Schnellladen an der Autobahn wohl genauso wie heute Tanken an der Autobahn teurer sein wird, wie wenn ich daheim in der Garage, am Supermarktparkplatz oder an der Arbeitsstätte lade.
Grundsätzlich ist aber hier relevant, dass Strom bezogen auf den Energiegehalt höher besteuert ist, als Diesel und Benzin. Davon werden wir wegkommen müssen, wenn wir wirklich an einem transparenten Energiepreis interessiert sind. Der Weg dorthin führt über eine CO2-Bepreisung.
Noch eklatanter wird das Bild, wenn man sich ansieht, was alles an Nebenkosten im Sprit noch gar nicht entsprechend des Energieaufwandes korrekt eingepreist ist, oder massiv subventioniert wird: https://www.springerprofessional.de/elektromobilitaet/dieselmotor/endenergiebezogene-analyse-diesel-versus-elektromobilitaet/16673694