Die FAZ kommentiert in ihrem Technikteil vom 17.09.19 zur diesjährigen IAA und der Elektroauto-Strategie der Politik:Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel oder der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck nachfragen, versiegen die Marketingmaschinen. Während ihrer Rundgänge über die IAA in Frankfurt stellten sie immer wieder die Frage nach Reichweite und Kosten von Elektrofahrzeugen.Das ist kein Wunder, denn die europäische Politik, auch die deutsche mit Umweltministerin Svenja Schulze an der Spitze, hat der Autoindustrie ein CO2-Minderungsziel von 37,5 Prozent bis zum Jahr 2030 eingebrockt, und nun dünkt jedem, was die Branche von Anfang an sagte: Das schaffen wir nicht. Einziger Ausweg: Es müssen Elektroautos her, Millionen davon, obwohl weder die Konzerne noch der Kunde Lust darauf haben.Wenn Merkel oder Habeck also nachfragen, sprechen VW-Chef Diess, der Daimler-Vorsitzende Källenius oder BMW-Chef Zipse unangenehme Wahrheiten aus, die sonst gern überdeckt werden. Ein Elektroauto ist in der Anschaffung wegen der kostspieligen Batterie viel teurer als eines mit Verbrennungsmotor. Das wird, geschieht kein Wunder, auf Jahre so bleiben. Der Massenmarkt lässt sich mit Elektroautos ä la Golf für 30 000 Euro nicht ausreichend erschließen - und da reden wir von Basisversionen mit etwa 250 Kilometern Alltagsreichweite.Bei Stromkosten von 30 Cent je Kilowattstunde hakt auch die Rechnung für den laufenden Betrieb. Und stammen weiterhin 60 Prozent des Stroms aus fossilen Quellen, ist für das Klima nichts gewonnen.Dieser toxische Mix wird wahrscheinlich stärker sein als die Anziehungskraft des elektrischen Fahrens, das Elektroauto ist vermutlich noch lange Zeit nicht wettbewerbsfähig. Folglich müssen Subventionen her, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier gern großzügig ausschütten will. Weil die Prämie für Neuwagen bislang nicht zieht, sollen noch Prämien für Gebrauchtwagen und kostenloses Laden her.Wer kürzlich mal im Krankenhaus war, hat das Gefühl, dort wären Investitionen in Personal und Gebäude womöglich dringlicher. Und in den Schulen fehlen scharenweise Lehrer. Aber die haben keine Generation Greta, denn die geht da ja nicht mehr hin.