Wenn Leidenschaften ins Spiel kommen, finden sich die kuriosesten Phänomene. Mehrfach begegnete mir vor Jahren ein XM-Freak, der schwärmte von seinem V6. Die letzten acht Jahre habe dieser nie etwas gehabt. Irgendwann kam dann heraus, der Wagen stand ununterbrochen angemeldet in der Tiefgarage und wurde nur für den Tüv zu einer Werkstatt gefahren.
Irgendwann gab der Besitzer sein Hobby auf.
Dieses „alles Hinschmeißen“ wollen wir uns näher betrachten. Die „Religiösen unter uns, die nie, nie, niemals die Marke oder das Modell wechseln würden, für die muss ich das hier nicht schreiben, bei denen geht es einfach immer weiter. Nein, ich rede von ganz normalen Menschen, also nicht solchen, die unter einem Auto zu liegen spaßig finden, noch von denen die im Schrauben sich oder anderen etwas beweisen wollen, die nicht irregeleitet und ferngesteuert sind von einem letzten Aufbegehren oder dem Verlangen nach einem „Kick“.
Bei der Gelegenheit – ich bin kein „Liebhaber“ (eines XM), das schreibe ich nur, um zu provozieren. Ich hatte mit Autos jahrzehntelang nichts am Hut. Wenn ich repariere, habe ich in den meisten Fällen zunächst null Peilung. Schrauben ist so einfach, das es mein Gehirn einlullt. Also muss ich es vom Denken trennen. Gucken, fühlen und hören verträgt sich aber gut mit denken, also sich in der Nähe des Objekts aufzuhalten, inspiriert mich durchaus. Ich darf nur nicht den Fehler machen, in dieser wichtigen Vorstufe etwas zu tun. Wenn es dann aber nach Tagen oder Wochen zu Sache geht, bin ich der Beste. Frag' mein Auto, wie es mich anschaut, als wolle es sagen:
„Tu du es!“
Wenn ich es positiv benennen will, warum ich meinen Citroen selbst warte und repariere, so lässt sich nicht mehr sagen als: es geschah, dass der XM zufällig neben mir stand und weit und breit niemand zu sehen ist, der sich um ihn hätte kümmern können. Also ich erledige den Job aus einer unausweichlichen Situation heraus, oder um es auf den Begriff zu bringen: aus Anstand.
Über einen bin ich gestolpert, da deckt sich alles mit meinem Schicksal, Gjert Ingebrigtsen*, der hat seine drei Söhne zu den besten europäischen Läufern gemacht, weil die standen auch zufällig neben ihm und haben ihn auch so mitleidig angeschaut, ob er sie nicht trainieren könnte. Gjert hatte nie etwas mit Sport zu tun und trainiert, wo ich schraube. Er weiß, wie mir zu Mute ist.
„Schrauben ist so ungerecht!“ Ein von mir mit Absicht unsinnig formulierte Satz, der auf eine grundsätzlich falsche Einstellung verweist. An 20 – 30 Jahre alten Autos kann zu jeder Zeit etwas kaputt gehen, auch wenn ich es immer warte und alle Fehler zeitnah beseitige. Manchmal hat man ein Jahr Ruhe, dann kommt es aber in wenigen Monaten knüppeldick hintereinander. Das sollte man als erstes akzeptieren, und in seinem Kopf ein Häkchen machen. Das als Grundvoraussetzung bevor wir zu der grundlegenden Absicht dieses Beitrag kommen:
Ein großes Thema der Psychologie - der Motivation.
Coaching breitete sich zu einer „Industrie“ aus. Im allgemeinen schläft man schnell ein, wenn einer in der Hinsicht einem etwas erzählen will. Slogans sind in dem Zusammenhang, obwohl gerne geschrieben, ein großer Mist, das wird von mir nicht kommen.
Wenn mein Antrieb sich aus nichts als Zufälligkeit und Anstand nährt, Steinkul aber den Arsch hoch bekommt, während andere das Handtuch werfen, falls es „knüppeldick kommt“, dann ist die Frage:
„Wie macht er das?“
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https://www.spiegel.de/sport/sonst/leichtathletik-wm-die-erfolgsstory-der-familie-ingebrigtsen-a-1289334.html