Hier ein guter (wenn auch nicht allzu detaillierter) Beitrag von Prof. Doppelbauer vom Karlsruher Institut für Technologie: http://www.eti.kit.edu/img/content/Strategiepapier Elektroautos Stand 2019-10 V1.5.pdf bzw. https://www.electrive.net/2019/11/03/kit-professor-doppelbauer-fordert-fokus-auf-elektroautos/
Darin geht er auch auf alle Themen rund um Rohstoffe, CO2-Rucksack etc. ein - vor allem im Vergleich zur Brennstoffzelle.
Kommt drauf an, was der Kumpel vor hat - für eigentlich alle relevanten Anwendungsfälle (mit Ausnahme vielleicht von Vertretern) reicht ein Akku in der Größe von 50-70kWh. Damit sind alle aktuellen E-Autos dabei. Der CO2-Rucksack ist überaus schwierig zu berechnen, das geht von wenigen tausend Kilometern bis ca. 100.000km "Vorsprung" eines Diesels, je nach Nutzungsverhalten, Produktionsprozess, Second Life Nutzung etc. - Ich glaube (und lese das in fast allen Studien heraus), dass man heute mit ruhigem Gewissen davon ausgehen darf, dass ein modernes E-Auto nach 2-3 Jahren den Produktionsrucksack "hereingefahren" hat, verglichen mit der durchschnittlichen Nutzung in der jeweiligen Fahrzeugklasse. Wenn man aber natürlich ein Model S mit 100kWh-Akku kauft und dann 10.000km im Jahr Laufleistung hat, wird man wohl über die Lebensdauer nicht an den Diesel herankommen.
Ich gebe aber zu bedenken, dass wir auch endlich wegkommen sollten von der reinen Produktionsbetrachtung. E-Autos leisten ja wesentlich mehr - sie sind lokal bis auf wenig Feinstaub emissionsfrei, sind leiser, können den Eigenverbrauch von PV-Anlagen wesentlich erhöhen, haben einen deutlich geringeren Wartungsaufwand, wesentlich weniger Einzelkomponenten (schon allein das lässt mich an der CO2-Bilanz der Produktion im Vergleich zum Verbrenner zweifeln, denn es macht natürlich einen erheblichen Unterschied, ob eine 2-Tonnen-Skulptur aus hunderten oder tausenden Einzelteilen besteht, die rund um die Welt produziert und transportiert werden müssen), lassen mehr Wertschöpfung der Energiekette im Land, benötigen für den Energietransport keine aufwändige LKW-/Schiffs-/Pipelinelogistik etc.
Was das Killerargument der ökologischen Bedenken bezüglich Lithium und Kobalt anbelangt - auch hier schreibt Doppelbauer einiges Interessantes dazu, was auch ich hier immer wieder schreibe: Verglichen mit der ökologischen Zerstörung durch die Ölförderung, ist das E-Auto geradezu ein Saubermeister. Und es ist auch bei weitem nicht der einzige Profiteur dieser Abbaustätten. Sowohl Lithium, als auch Kobalt wird seit Jahrzehnten gewonnen - unter anderem, weil der Bedarf in der Automobilindustrie für Schmierstoffe, gehärteten Stahl, Glas, Keramik, Katalysatoren etc. da ist. Kobalt aus dem Kongo kommt zu 80-90% aus industriellem Abbau, nicht aus den zum Teil problematischen Kleinstminen. Berücksichtigt man die Kobaltgewinnung in anderen Erdteilen, stammt vermutlich nur ca. 3-5% oder weniger des weltweiten Kobalts aus kongolesischem Kleinbergbau - dort findet man zu einem kleinen Teil Kinderarbeit. Es ist wesentlich wahrscheinlicher, dass im Smartphone des Kumpels Kobalt aus dem Kongo steckt, als in einem Tesla, den er sich kaufen würde.
Beim Lithium dasselbe - die Sole, die dort verdunstet, wird vorrangig zur Gewinnung für andere Prozesse benötigt, nur rund ein Drittel landet in Akkus, davon ein kleiner Teil (Tendenz steigend) in E-Autos. Von dem Abbau sind sehr wenige Menschen in einem äußerst dünnbesiedelten Gebiet betroffen und auch hier ist der Einfluss des Lithiumabbaus auf den Grundwasserspiegel zumindest in der Wissenschaft umstritten - im Vergleich zu Ölfeldern, wo ganze Flusssysteme in Amerika, Asien, Afrika dauerhaft vernichtet werden. Und: Auch bei Lithium findet ein großer Teil des Abbaus eben nicht in den Salzseen Südamerikas, sondern in Bergbauminen Australiens und Co. statt. Selbst in Europa (Erzgebirge, Kärnten) gibt es große Vorkommen, die zukünftig genutzt werden sollen. Wenn man schon den Kohleausstieg plant, hätte man das eigentlich gleich angehen können: https://www.focus.de/finanzen/news/lithium-abbau-im-erzgebirge-liegt-ein-milliarden-schatz-doch-das-lithium-maerchen-ist-in-gefahr_id_10791542.html