Ich lehne synthetische Kraftstoffe/E-Fuels oder Kraftstoffe mit höherem Bioanteil nicht kategorisch ab. Die Steigerung des Bio-Anteils könnte tatsächlich eine unmittelbarere Reduktion des CO2-Ausstoßes bewirken, als der Marktaufbau der E-Mobilität. Woran ich mich bei der Thematik aber stoße, ist dass hier in aller Regel plötzlich kein Wort mehr von Energie- und Ressourcenbedarf ist und so getan wird, als entstünden E-Fuels und Biotreibstoffe aus Luft und Liebe. Auch bei E-Fuels und Biotreibstoffen kommen letzten Endes Schadstoffe und Kohlendioxid hinten raus. Nur stammen sie eben im Idealfall aus erneuerbaren Quellen.
Aber selbst bei sehr optimistischen Annahmen, könnten nur wenige Prozent der Fahrzeugflotte tatsächlich auf Treibstoffe aus biogenen Abfällen umsteigen und das zum Preis der Verdrängung, weil diese biogenen Abfälle dann in der Wärme- und Stromerzeugung wiederum fehlen oder im schlimmsten Fall überhaupt aus anderen Quellen (Palmöl etc.) stammen.
Ich bin grundsätzlich ein Freund davon, Rohstoffe dort einzusetzen, wo es keine gleichwertigen Alternativen gibt. Und nun kann man die E-Mobilität mit besserer oder schlechterer Ökobilanz rechnen, aber mittlerweile ist glaub ich auch bei den Skeptikern weitgehend unbestritten, dass der E-Antrieb als solcher so ziemlich die effizienteste bekannte Form ist, Energie im motorisierten Individualverkehr einzusetzen. Die Rohstoffthematik beim Akku bietet sicher noch viel Potenzial zur Verbesserung, die E-Mobilität ist aber aus meiner Sicht dennoch mittelfristig das beste Szenario, wie wir mit den wenigen Ressourcen, auf die wir angewiesen sind, bestmöglich umgehen können.
Und es kommt für mich noch ein Punkt bei Biotreibstoffen und E-Fuels dazu: Unsere Bequemlichkeit. Wenn wir so tun, als könnten wir mit etwas Bio-Beimischung das fossile Zeitalter langfristig beenden, dann ist das ein gefährlicher Trugschluss, denn alle fossilen Strukturen werden dadurch am Leben gehalten. Da bin ich lieber möglichst konsequent und verzichte von Vornherein darauf.
Mal ganz abgesehen vom Kostenfaktor, denn Biotreibstoffe und E-Fuels bewegen sich aktuell noch in preislichen Höhen, die keinem den Umstieg schmackhaft machen könnten. Es fehlt zudem jeglicher Ansatz, wie damit eine Marktdurchdringung oder ein Aufbau der notwendigen Produktionskapazitäten erreicht werden könnte. Wenn man sich also schon erbost darüber zeigt, dass die Kosten für Öltreibstoffe an der Tankstelle möglicherweise um ein paar Cent durch eine CO2-Steuer steigen könnten, dann glaube ich nicht, dass man mit der Alternative E-Fuels oder Biotreibstoffe wirklich so glücklich werden kann.