Es war eine langwierige Suche nach dem richtigen Exemplar. Zum einen ist natürlich 15 Jahre nach Produktionsende ziemlich viel Gammel auf dem Markt, leider auch bei diesem Modell, dem schon seit Jahren Sammlerpotential nachgesagt wird. Da wurde oft nicht mehr in technischen und optischen Werterhalt, sondern nur noch in Bassboxen, Tönungsfolie und schwarze Alus investiert.
Zum anderen hatte ich ganz bestimmte Vorstellungen:
Es sollte ein Modell aus der letzten Serie sein, mit der Facelift-Frontschürze, die mir einfach besser gefällt. (Auch wenn sie bei Peugeot die Ära der übergroßen Kühlergrill-Mäuler à la 407 einläutete.) Zugleich mit der geänderten Schürze kamen noch ein paar Ausstattungsverfeinerungen im Innenraum. Dieses letzte Facelift wurde aber nur noch etwa 1,5 Jahre, von Mai 2003 bis Ende 2004, und in entsprechend geringer Stückzahl produziert. Es gab in der Zeit auch noch gut 2000 Modelle einer letzten, limitierten Serie "ultima edizione" (ja italienisch, nicht französisch!). Mein Auto hat bereits die komplettierte Ausstattung dieser letzten Modelle, gehört aber nicht zur ultima edizione mit einer durchnumerierten Plakette am Armaturenbrett.
Dann sollte es unbedingt FARBE haben. Ich wollte auf keinen Fall ein farbenloses Äußeres in Stützstrumpf-metallic und ich will mich niemals im Sommer auf schwarzes Leder setzen. Leider sind aber gefühlt 95% der angebotenen Coupés silbern mit schwarzem Leder, das schränkte also die Auswahl nochmals extrem ein. Zum Start der Modellreihe ab 1997 gab es noch pastellige und auch knallige Farbtöne, später wurde das - dem Zeitgeist folgend - mehr und mehr durch abgestufte Grautöne ersetzt. Außen wären auch noch andere Farbtöne in Frage gekommen, aber ich hatte mich auf das cognacfarbene Leder "Alezan" festgelegt, das ebenfalls selten bestellt wurde.
Und natürlich sollte das Auto technisch und optisch in passablem Zustand sein, so dass Instandhaltung, Pflege und Aufbereitung noch Spaß machen können.
Beim Motor war ich dann nicht mehr wählerisch. Natürlich wäre ein V6-Schalter das Sahnehäubchen gewesen. Ein solcher in gleicher Farbkombination und wirklich sehr gutem Zustand ging mir duch die Lappen und wurde einem niederländischen Händler von einem Polen entrissen. Hätte ich mich darauf festgelegt, wäre ich wohl bei einer zweistelligen Anzahl in Frage kommender Autos gelandet. Wohlgemerkt, geschätzt weniger als 100 noch existente Coupés, nicht aktuell zum Verkauf stehende!
Der schwächste Motor, der 2-Liter, sollte es auch nicht unbedingt sein, mit dem für die damalige Zeit famosen 2,2 l HDI mit Partikelfilter habe ich sogar geliebäugelt, der wurde relativ oft geordert und auch heute noch angeboten.
Geworden ist es schließlich der total seltene 2,2 Liter Einspritzer (158 PS, 217 Nm). Aus dem heutigen Downsizing-Zeitalter betrachtet natürlich ein Fossil, quasi ein noch lebender Dinosaurier:
2,2 Liter auf nur 4 Zylinder verteilt, Vierventiler, ein Langhuber mit 96 mm Hub, verfeinert mit einer Verstellung der Einlassnockenwelle, einer großen Airbox, einem Fächerkrümmer und 2 Ausgleichswellen im Untergeschoss. Irgendwo stand mal geschrieben, dieser Motor sei als Ablösung des TCT-Motors gedacht gewesen. Er hat natürlich nicht den Turbobums, ist aber wunderbar elastisch und läuft ausgesprochen weich und ruhig. Besonders sparsam ist das Fossil freilich nicht, ich habe aber noch nicht genügend Langstrecken-Erfahrung für realistische Angaben.
Letzeres, mit noch ungewissem Ausgang. Manchmal sind der Projekte einfach zu viele...