Als Inhaberin eines ambulanten Pflegedienstes in Ostwestfalen reagiere ich langsam ziemlich allergisch auf diese angeblichen 1800 € für eine Fachkraft.
Einfach mal rechnen, der Mindestlohn liegt im Westen bei 11,35 € (dafür arbeitet keine Fachkraft) . Bei 40 Wochenstunden läge das Gehalt beim Mindestlohn schon über 1800 €
Natürlich gibt es schwarze Schafe und auch im Osten sind die Löhne immer noch niedriger, hier im Westen sind die 1800 € ein Märchen, bzw. Dummheit. Leider können viele Fachkräfte Brutto und Netto nicht unterscheiden und leider sind immer noch sehr viele Frauen mit Steuerklasse 5 „gesegnet“
Wenn wir neue Mitarbeiter einstellen, erleben wir leider in 90 % der Fälle, dass als Wunsch der Nettolohn benannt wird und das viele Bewerber keine Ahnung haben, welche Steuerklasse, oder Freibeträge sie haben.
Die Altersstruktur in der Altenpflege liegt bei den Wohlfahrtsverbände im Schnitt bei 49 Jahren, bei den Privaten bei 39 Jahren. Warum ist das so? Bei Berufseinsteigern zahlen die Privaten oft mehr, später wird es schwierig die Steigerungen mitzugehen. In der Regel bekommen die Wohlfahrtsverbände deutlich höhere Preise, würden wir diese Summen bekommen, könnten wir die Steigerung nach TvöD locker mitgehen
Gerne wird vergessen, dass die Kosten irgendwer zahlen muss, dass sind in der Regel die Pflegebedürftigen. Und da höre ich ganz oft den Satz „dass ist aber teuer“
Über den neuen Mindestlohn in der Pflege kann ich nur müde lächeln, er soll Mitte 2021 bei 15,40 € liegen, da sind wir mit 17 € , plus 44 € steuerfrei über die Edenred Gutscheinkarte, plus private Krankenhauszusatzversicherung, plus 25 % Zeitzuschläge, deutlich darüber. Bei Zusatzaufgaben gibt es weitere Zulagen.
Leider wird dieser Mindestlohn dazu führen, dass die Verhandlungen mit den Kassen noch mal schwieriger werden. Da heißt es nämlich gerne mal „darf’s auch etwas weniger sein“
Wichtiger sind übrigens unsere Wunschdienstplanung, unsere flexible Stundenmodelle, geregelte Freizeit. Wir haben kaum Überstunden und aus dem Frei holen bleibt eine absolute Ausnahme,.......ja, sowas geht.
Aktuell gibt es einige Pflegekräfte, die Coronabedingt sehr viel Stress haben, die absolute Mehrheit der Pflegekräfte schiebt aber eine sehr ruhige Kugel.
Ich bin seit 40 Jahren in der Pflege ( davon erst 4,5 Jahre selbstständig), aber ich wollte nie etwas anderes machen und ich habe den Beruf auch nie als so stressig empfunden, dass ich über aufhören nachgedacht habe.
Meine Erfahrung ist, dass die , die am meisten klagen, auch ihr Privatleben nicht „auf die Kette kriegen“ . Der Beruf zieht Menschen mit einem ausgeprägtem Helfersyndrom magisch an, dass geht dann oft schief.