Wer kennt es nicht: Man schwebt gemütlich bei 180 im Regen über die Autobahn und fragt sich: Ist das normal?
Sogleich die Auflösung: Nein, wenn der Wischer sehr viel langsamer zurückkommt, als er nach oben fährt, ist das keineswegs normal. Grund: Die Achsen des Scheibenwischergestänges sind schwergängig. Gleiches Problem kann man mit dem hinteren Wischer haben - also, daß er zu langsam läuft.
Wer als XM-Fahrer also keine wichtigeren Punkte auf der To-Do-Liste hat, sollte sich da bald mal dranmachen (guter Witz, ich weiß... ). Bei ausgebautem Wischergestänge kann man auch gleich den Wasserkasten ordentlich saubermachen und konservieren. Da fängts bei vielen XM auch schon so langsam an zu knuspern.
Neben langsamerer Bewegung gibt es ein weiteres Indiz: braune Spuren am Wischergestänge. Zu erspähen bei geöffneter Motorhaube.
Hier ists schon komplett braun, und so spät, daß die Achse schon gut am Klappern ist. Es muss für eine ordentlich ausgeführte Instandsetzung eine neue Buchse eingepresst werden. Sobald braune Spuren an diesem Arm zu entdecken sind, empfehle ich baldige Handlung, will man sein Gestänge retten.
Ein paar Tipps für Nachmacher:
Position der Wischerblätter auf der Scheibe markieren.
Ausbau Käseecken mit entsprechender Vorsicht.
Wischerarme lassen sich ohne Abzieher lösen: Mutter ab, hochklappen, wackeln, ab. Fahrer/Beifahrer unterschiedlich, nicht verwechseln! Reibt sonst am Windlauf.
Zum Stecker lösen muß die Hülle über dem Motor ab. Wenn Hülle eingerissen, beim Einbau unbedingt erneuern. Motor und Getriebe bekommen sonst Wasser ab und setzen Rost an.
Es gibt Foristen mit Zauberhänden, die das Gestänge direkt nach Ausbau des Windlaufs aus seinem Loch herausfummeln können. Mir gelingt das nicht. Ich baue zusätzlich den Einfüllstutzen Scheibenwischwaschwasserbehälter aus (neue Dichtung bei Wiedereinbau verwenden), und löse die zwei rechten Klipse des Gitters unter der Windschutzscheibe.
Schwarzen Kunststoffschutz über den Gelenken vorsichtig entfernen. Geht zB mit so einem Plastikklipsausklipser und leichtem Hämmern, falls er festsitzen sollte. Keine Zange. Falls eingerissen, reparieren - Schrumpfschlauch drüber, kleben, oder wasauchimmer.
Darunter befindet sich ein Clip auf der Achse. Den ausbauen, dann kann das Zeug zerlegt werden. Reinigen, neu fetten, zusammenbauen. Kein billiges Fett. Maße für den O-Ring oben unter der Unterlegscheibe: 10x1.2. Nein - 1.5er Schnurstärke geht nicht. Auch Fett auf das Geraffel außen drauf, bevor man den schwarzen Plastikschutz wieder über die Achsen stopft.
Mit den Plastikköpfen des Gestänges nicht zu grob umgehen. Säubern, neu fetten vor Wiederaufklipsen auf die Kugelköpfe.
Getriebe öffnen um neu zu fetten macht Sinn (Schleifkontakte). Nasen am schwarzen Plastikdeckel aufhebeln, Deckel abnehmen. Altes Fett raus, neues rein. Deckel wieder drauf. Die Achse hat meiner Erfahrung nach noch brauchbares Fett, Getriebe muß nicht komplett zerlegt werden. Falls doch: Position des Arms am Motor vor Ausbau markieren. Kohlen waren bei den Motoren, die ich offen hatte, noch gut (jeweils um die 200tkm).
Das Erdungsband der Motorhaube ist abgerissen? Ausbauen. Wegwerfen. Wurden am Ende von Werk aus schon nicht mehr eingebaut.
Alles in allem kostet die Nummer im besten Fall nur zwei O-Ringe und ein wenig Fett, Putzpapier, Scotchbrite und ein bisschen Zeit.
Jeder XM, den ich fahre, bekommt ein überholtes Scheibenwischergestänge. Nötig hatten sie es bis jetzt alle - mehr oder weniger.
Wer Wischergestänge übrig hat - auch defekt - mir gern mitgeben bevor die in die Tonne wandern.
Beheizte Düsen prüfen: ~55 Ohm pro Düse. Wenn kein Durchgang, Heizdraht durchgebrannt. Neue nicht mehr lieferbar. Ich sammle auch defekte beheizte Düsen. Also unbeheizte beheizte Düsen dann wohl. Denke, die können instandgesetzt werden.
Gruß,
Michael