Die Bourgeoisie buckelt wie gewohnt nach oben und tritt nach denen, die nicht ihres Gleichen sind; uralte Hüte. Die erkennbar zunehmende Spaltung birgt selbstredend die Gefahr, unter Umständen auf der falschen Seite zu stehen; das ist völlig akzeptabel, gerade im Dialog, also bitte Vorsicht, gehe unten darauf ein.
Es bieten sich die eigenen vier Wände an; bekannt, gewohnt, vertraut, grundsätzlich Orientierung gebend, ein wahrer Flucht- u. Schutzraum, der letzte Rückzugspunkt. Hier braucht man keine Angst haben, die (inneren) Buhmänner sind weit weg. Dazu der Bildschirm. Aber eigentlich ist der mehr, viel mehr, es ist mehr so ein Schutzschirm, ein Rettungsschirm und der gewährt alles, alles zusammen. Der passt auf, lässt nix Schlimmes an einen ran. Er erklärt, beschwichtigt, demokratisiert, toleriert, warnt und hilft, gibt Hoffnung, wählt, befreit von unsicherer Eigeninitiative.
Es kann in diesem Kokon nix passieren und das elfte Gebot: „Du sollst nicht merken“ wird automatisch und strikt eingehalten, nie übertreten. Sollte dennoch innere Leere drohen, hilft „Frauentausch“ oder die tägliche Gerichtsdoku. „Guck ma, die sind viel schlimmer als ich.“ Und man braucht auch nicht irgendjemandem tatsächlich Anwesenden zuhören, zuhören müssen, man kann direkt konsumieren, einfach phantastisch.
Freiheit ist das höchste Gut und mit Rosa bin ich da völlig konform, natürlich immer die der anderen. Aber oben wies ich schon vorsichtig auf die richtige Seite hin und ich freue mich, Ihr seid auf der richtigen, ich leider auf der falschen; hatte sogar nen tapferen anonymen Anruf, dass ich unter die Erde gehöre. Leider gehe ich lieber auf die Straße, schwätze dummes Zeug und höre zu, letzteres eine Eigenschaft, die meines Erachtens ins Hintertreffen gerät, immer ein bisschen mehr, Kommunikation wird so zur Einbahnstraße …
Schön, so lauft artig mit Maske rum, bei Hitze und im Supermarkt, meidet Volksfeste, Kirmes und andere gesellige Vergnügungen (kosten nur Geld), lauscht dem täglichen Podcast des Catweazle aus der Charité und ächtet besonders aufmerksam auf Verweigerer und Systemsprenger, klar, auch und besonders auf Nazis, die darf ich nicht vergessen. Nach zwei drei Jahren habt Ihr Euch daran gewöhnt, das klappt, viele sind jetzt schon perfekt angepasst und weitere 30 Jahre später fragen auch die Kinder nicht mehr, was damals war. Jetzt nur noch schnell das Geld los und in Sachwerte tauschen, die letzte Währungsreform war 10 zu eins, dann gibt's für jeden 40 Mark oder besser für die Schuldner die Hyperinflation abwarten, der Markt regelt in absehbarer Zeit nix mehr, danach wieder von vorne: Buckeln, treten, buckeln ....
Der § 15 des Infektionsschutzgesetzes gibt nicht die Aufhebung des Artikel 19 des GG her; bin allerdings auch kein Jurist wie unser Bürgermeister, der am 23.3.20 schon zur Denunziation aufrief und berufe mich im Gegenteil auf Artikel 20.
Fluxus: Schätze Dich, aber die bornierte Antirechtsfixierung ist mir anstrengend. Vielleicht hörst Du denen einfach mal zu, nur als Empfehlung, das sind doch in erster Linie Menschen, irgend ne Ursache hat ihre Meinungsbildung.
Steinkult: Ich bin nicht links, weißte doch, lehne Parteien grundsätzlich ab, da sie sich nur selbst produzieren, das ist ihr ureigenster Daseinszweck. Pack mich in die Schmuddelecke der Anarchie, da kann ich mit leben. Aber links, nee nee, lasse mich hoffentlich nie mehr instrumentalisieren, schon mal ganz und gar nicht für ne Partei. Freue mich, wenn Du Spaß hast.
Matthias: Friede den Menschen, Krieg den Institutionen, Establishment löst sich dann auf .
Martin (Magoo): Liebe, Du alter Diplomat.
Straße des 17. Juni, Volksaufstand 1953, vielleicht weiß es noch einer von den alten Säcken. Verrammelt von der Exekutive, damit kein Volk hin kann, wie armselig.
Gruß
Wolfgang