Ich bin ja noch einen Urlaubsbericht schuldig! Ich war nun eine Woche auf Korsika mit einem Zoe ZE50 unterwegs - ich wusste zwar vorab, dass ich einen Zoe bekomme, aber nicht welche Version, also ging ich vom Schlimmsten aus und bereitete mich auf einen 22kWh-Akku vor. Samt intelligentem Ladekabel im Gepäck war ich also nach Korsika unterwegs - für den Fall der Fälle. Aber es kam deutlich angenehmer.
Hertz Corse setzt schon seit einiger Zeit auf Elektroautos in der Flotte, hat aber jetzt mit dem Aiways U5 massiv ausgeweitet. Da merkt man, was auf so einer kleinen Insel die Initiative eines einzelnen Betriebs auslösen kann. Überall sieht man die Chinaelektros jetzt herumfahren, vermutlich nur wenige Fahrer haben wirklich E-Auto-Erfahrung, aber lernen nun auf diesem Weg die E-Mobilität kennen. Kein schlechter Marketingfeldzug. Der Aiways hätte mich zwar auch gereizt, aber da er gut dreimal so teuer in der Miete war wie der Zoe, dann für mich doch keine Alternative.
Apropos Miete: Preislich gibt's da jetzt keinen Unterschied mehr zum Verbrenner. Bisher (Sizilien, Mallorca) musste ich noch jeweils zumindest eine Klasse Aufschlag zahlen für die Elektrovariante, das ist aber hier nicht (mehr) der Fall. Man bekommt den Zoe zum Preis eines Clios.
Auch erstaunlich wieviele 208er und 2008er hier schon herumfahren, während man bei uns noch so tut, als wäre das ein absoluter Neuzugang in die Modellpalette. Vor allem die neuen 208er sind im Straßenbild bereits überall präsent und schauen auch wirklich gut aus. Allerdings konnte ich darunter keine Elektrovariante entdecken.
Aber zurück zum Zoe: Was soll ich sagen? Ich war absolut überrascht über die Verbesserung in punkto Innenraumverarbeitung und Qualitätsanmutung sowie in punkto Langstreckentauglichkeit und Fahrkomfort. Eigentlich hat Renault hier alles richtig gemacht - alle Kritikpunkte, die ich an dem Fahrzeug bislang hatte, sind weitgehend verschwunden. Es ist flüsterleise im Innenraum, den E-Motor hört man fast überhaupt nicht mehr, dafür eine sehr edle Armaturenanmutung und gute Verarbeitungsmaterialien. Ist nun wirklich erwachsen geworden in der 3. Generation und kann ich vollumfänglich als E-Auto empfehlen.
Die Reichweite war erstaunlich - mehr als 350 Kilometer Realreichweite (eher 380km) bei über 30 Grad Außentemperatur und laufender Klimaanlage. Ca. 14kWh/100km im Schnitt. Zugegeben bei langsamer korsischer Durchschnittsgeschwindigkeit, aber dafür durchaus agil bergab, bergauf und nie als Verkehrshindernis unterwegs. Von Meereshöhe rauf in die Berge auf 1.200 Meter Passhöhe und wieder hinunter ohne auch nur einmal wegen der Restreichweite ins Schwitzen zu kommen - das gabs bislang definitiv nicht. Sehr zuverlässige Reichweitenanzeige, nicht mehr exorbitante Sprünge wie bisher.
Ich habe in der gesamten Urlaubswoche nur ein einziges Mal geladen. Ich hatte zwar Hotels mit angeblicher Ladestation gebucht, es war aber bei keinem der Hotels dann tatsächlich eine Lademöglichkeit vorhanden, bzw. wäre nur mit Schuko und Überspannungs-Bauchweh möglich gewesen. Somit habe ich nur ein einziges Mal geladen und das öffentlich während einem Stadtbummel. Siehe Bilder unten.
Und damit zum Hauptproblem nach wie vor: Die absolut unzuverlässige Ladeinfrastruktur. Auf der gesamten Insel gibt es vielleicht 5 Ladestationen, die diesen Namen verdienen. Alle anderen sind entweder bereits wieder außer Betrieb, oder waren noch nie wirklich funktionsfähig. Hertz wird da noch draufkommen, dass sie hier selbst was machen müssen, wenn sie weiterhin auf E-Mobilität im Fuhrpark investieren wollen. Ich komme klar, aber ich denke ein blauäugiger Aiways-Mieter wird da schnell an seine Grenzen stoßen, wenn er nach der ersten Ladung sucht. Hertz hat zwar an den eigenen Mietstationen Schnelllader installiert, die man kostenlos nutzen kann, allerdings sind die auch nicht wirklich auf Reisewegen gelegen.
Gut durchgekommen bin ich mit kiwhipass.fr - die Karte holte ich mir schon seit ich vor fünf Jahren mit dem Tesla nach Südfrankreich unterwegs war und sie hat sich als gute Entscheidung herauskristallisiert, da es das Ladenetzwerk nach wie vor gibt und mittlerweile einer der wichtigsten französischen Ladeverbünde ist. Ich hab für die eine Ladung ca. 9 Euro gezahlt. Das war alles was ich an Energiekosten hatte auf ca. 600 Kilometern kreuz und quer durch Korsika.
Fazit: Alles gar nicht mehr so aufregend mit der E-Mobilität im Urlaub (was vor allem meiner Frau sehr angenehm auffiel) - kurz gesagt: Die E-Autos haben technisch definitiv Flughöhe erreicht, die Ladeinfrastruktur ist abseits einiger Schnelllader aber leider immer noch ein Rohrkrepierer. Vor allem AC-Ladestationen werden oftmals gebaut, ohne dass sich danach nochmal jemand darum kümmert. Ich bin daher mittlerweile dazu übergegangen nach keinen kostenlosen Ladestationen mehr zu suchen, weil die in der Regel nur als einmalige Investition gesehen wurden und sich danach niemand mehr dafür verantwortlich fühlt. Bei kostenpflichtigen Stationen hat man zumindest etwas die Verlässlichkeit, dass dahinter ein Betreiber steht, der prinzipiell Interesse haben sollte, dass die Station auch in Betrieb ist. Auch bei den meisten Hotels ist noch nicht angekommen, was eine zuverlässige Lademöglichkeit bedeutet - nämlich nicht einfach die Schukosteckdose an der Parkplatzmauer. Das ist schade, denn gerade in solchen Urlaubsdestinationen gäbe es hier wirklich Potenzial das als Standortmarketing geschickt zu nützen. Allein in meinem Hotel waren zeitweise drei E-Autos vor Ort, von denen keiner eine Lademöglichkeit hatte. Ich persönlich würde da durchaus für die Lademöglichkeit deutlich mehr Geld hinblättern, als der Strom eigentlich wert ist, nur um mich ansonsten nicht ums öffentliche Laden kümmern zu brauchen.
Suchbild: Wieviele interessante Autos gibt's zu sehen?
Solarladestation:
Solarladestation verparkt durch Touristenbusse:
Blick aufs Meer:
Blick in die Berge: