Danke für die Hinweise auf die beiden. Angeklickt habe ich bislang nur das Interview mit Antes. Das wäre mir allerdings leichter gefallen, hättest Du nicht wieder schon eingangs so viele Leute als Dir nicht gewachsen kategorisiert. Hier sind Dir im Übrigen mehr gewachsen, als Du denkst. Diese ständige Vergabe von Zensuren gegenüber den Foristen, von denen Du Dich so plakativ abheben möchtest und vor denen Du Dein Selbst (oder besser: Dein Ich) beweihräuchernd herausstellst, geht mir abwechselnd gewaltig auf den Senkel oder ich lache auch mal schallend. Ich diskutierte viel lieber Deine kritischen Einwürfe und mit Dir, zelebriertest Du das nicht so oft. Das vorab.
Antes analysiert schlau und zeigt offenkundige Fehlentscheidungen und deutlich, was in der Ruhephase im Sommer hätte geschehen müssen. Ein Kerngedanke von ihm lautet:
Nun ist das allerdings keineswegs originell, denn ich habe es vorher schon ziemlich oft fast wortgleich von anderen gelesen. Was will uns das denn sagen? Gibt es Alternativen zu Lockdowns, die es in unterschiedlichen Ausprägungen gab, gibt und geben wird? Was sorgt denn für Einsamkeit? Was sorgt denn für die Misere in den Familien, der Bildung, der Ökonomie, der Kultur usw.? Ich behaupte: Es ist das Virus selbst, es sind weniger die Maßnahmen zur Eindämmung, über deren Sinnhaftigkeit man gewiss streiten kann - und muss. Ich lebe in einem Landkreis, der jetzt Risokogebiet ist. Hier gibt es keinen Lockdown, aber der Baumarkt, den ich vorhin aufsuchte, war, verglichen mit dem, was sonst samstags dort los ist, ziemlich leer. Die Leute meiden Kontakte - auch ohne einschneidende staatliche Maßnahmen. Sie kennen die Eigendynamik, die das Virus nun mal entfaltet hat. Und: Kann man ökonomischen Schaden so einfach von gesellschaftlichem Schaden trennen? Natürlich nicht. Jeder jetzt arbeitslos gewordene Mensch spürt den Zusammenhang, und nicht nur der.
Alle Expert*innen, alle Wissenschaftler*innen, alle Politiker*innen haben selbstverständlich jeden möglichen Sachverstand, der die enormen medizinischen, sozialen und ökonomischen Probleme in Angriff nimmt, sehr verbindlich einzubinden, nicht nur den der Virologen und Epidemiologen. Allerdings erwarte ich, dass genau die zuerst an der Reihe sind, denn meine Gesundheit, von Antes bloß mit einem "nur" versehen, ist mir verdammt viel wert. Wohlgemerkt: Ich sage "zuerst", denn das exponentielle Wachstum des Virusgeschehens bestimmt die Eigenart der Viren selbst, kann man sie nicht irgendwann gezielt bremsen.
Antes' eigene Vorschläge muss man zwischen den Zeilen suchen. Ich greife mal den von ihm gewünschten frühzeitigen Einsatz der Bundeswehr heraus. Hätte diese Idee Spahn, Merkel, Söder oder Laschet oder wer auch immer im Frühsommer gefordert, wären sie mit Häme überschüttet worden: "Was? Die Zahlen gehen doch zurück! Panikmache! Jetzt die Bundeswehr schulen?" Hätten die Medien den Vorschlag unterstützt, wäre das altbekannte Muster auf der Tagesordnung gewesen: "Ja, Staatsfunk eben. Die Qualitätsmedien schüren Panik." Die ganze populistische Shayce hätte auf der Tagesordnung gestanden.
Soweit zum ersten Link ...
fl.