Kann man ändern:
In Sion ist das Krematorium ob der vielen (es sind wirklich viele) Coronatoten so überlastet, dass auf andere Kantone ausgewichen werden muss. Die schaffen auch mit Überstunden nicht mehr als 20 Leichen am Tag, und das ist im Kanton Wallis das einzige Krematorium. Die IPS ist in dem Kanton auch voll, und nicht nur dort.
Gestern warens noch etwas über 5'000 Corona-Neuinfektionen schweizweit. Die Schweiz hat ca. 8.6 Mio. Einwohner. Auf D umgelegt käme man da für gestern auf 50'000 Neuinfektionen.
Der Kanton Jura hat den Shutdown, ebenfalls mit mehr oder minder voller IPS im Kantonsspital, verlängert, der seit etwa Anfang Monat gilt. Heisst: Keine Ausgangssperre, aber alles, inkl. Gastronomie, ist zu, ausser den üblichen Geschäften, und es gibt keine Grossveranstaltungen mehr und rigorose Kontaktbeschränkungen. Schule und Wirtschaft laufen aber weiter...
Auch im Kanton Genf ist die Gastronomie komplett zu. Einzelne Wirte, so hörte man, überlegten sich, trotz Verbots zu öffnen, schlicht weil sie sonst nicht überleben könnten.
Die hiesige Tageszeitung meldet für den Kanton Luzern seit gestern 216 neue Corona-Infektionen. 88 Infizierte sind im Kanton hospitalisiert (nicht alle erst seit heute). Zu den Intensiv-Fällen gibts keine aktuellen Angaben, die Grafik steht zuletzt bei 15, dürfte von gestern sein. Der Kanton Luzern hat ungefähr 410'000 Einwohner. Macht dann also rund 50 Neuinfektionen pro 100'000.
14-Tages-Werte: 2514 Neuinfektionen, 14-Tages-Inzidenz pro 100'000 Einwohner: 608.54, 49 Spitaleinweisungen, 20 Todesfälle. Abgesehen von weniger Toten (18) waren die gleichen Werte in der Vorwoche alle wesentlich schlechter. Rückgänge bis über 18%. Die 14-Tage-Inzidenz lag in der Vorwoche bei 726.42.
Restaurants sind hier offen, aber mit Maske bis zum Tisch und max. 4 Personen pro Tisch. Wies mit Veranstaltungen aussieht, weiss ich grad nicht auswendig. Obergrenze irgendwo bei 10 oder 15, wenn man sich treffen will.
Kanton Bern: Kinos, Theater und Museen sind geschlossen, Restaurants offen, man muss Kontaktangaben angeben. Rahmenbidingungen sonst ähnlichwie in LU. Zahlen hab ich da keine. Muss aber besorgniserregend sein, denn das geltende Regime wurde gestern verlängert.
Der Bundesrat sieht die Lage weiterhin als kritisch bzw. angespannt an, und wird von Fachleuten (keine Virologen, sondern einem, der sich mit dem Epidemiegesetz befasst hat) dafür kritisiert, er hätte wesentlich stärker führen und die Kantone weniger machen lassen sollen. Die sind nämlich regelmässig überfordert, und es herrscht immer noch die "besondere Lage", die dem Bundesrat an sich weitreichende, ihm sonst nicht zustehende, Kompetenzen überträgt. Nutzt er die nicht, bleiben die Kantone zuständig... und eben das wird vom Fachmann kritisiert. Zu lasch, zu schlecht vorbereitet, zu reaktionär, so die Kritik.
Aus verschiedenen Kantonen hört man zudem, dass das mit den Corona-Hilfen zunehmend schwieriger und langwieriger wird. Nicht alle Kantone sind reich, und die es nicht sind, müssen sich mit Auflagen des interkantonalen Finanzausgleichs und mit verfassungsmässigen Hürden (Schuldenbremse...) herumschlagen, ehe sie helfen können.
Meine Meinung: Gut gemacht habens andere. Dass in CH kein absolutes Chaos ausbrach liegt am Wohlstand (gute Spitäler) und hat ansonsten mit Glück zu tun. Ich bin aber froh, dass so wenig wie möglich in die Wirtschaft eingegriffen wird.
Insgesamt entsteht bei mir der Eindruck als wäre - entschuldigung bitte - ein Haufen Amateure mit dem Katastrophenschutz befasst, und man hätte mangels angemessener Organisation und Koordination eher keine andere Wahl, als den Dingen ihren Lauf zu lassen, auch, weil man sich einen Landesweiten shutdown nicht mehr leisten kann. Man profitiert dabei aber von einer ruhigen, wenn auch nicht immer einsichtigen Bevölkerung und von einer allgemein guten Infrastruktur.
Warum es übrigens die Westschweizer Kantone, allen voran Fribourg, Waadt, Wallis und eben auch Jura, schon wieder am stärksten getroffen hat, weiss man nicht. Die zweite Welle ist aber auch in der Deutschschweiz schlimmer als die erste, so über alles gesehen.