Wär er vielleicht gern. Er ist vor allem eines: Konservativ. Frei nach Malmsheimer: Es gibt Dinge, die sind gut. Warum soll man die ändern? Die von ihm zitierte Cervelat ist nicht umsonst quasi die schweizer Nationalwurst. Wobei mir schwant, die hiesige Cervelat ist nicht das, was Malmsheimer meint, wenn er von seinem Brotbelag philosophiert. Die klassische Darreichungsform ist die mit einer grosszügig dick geschnittenen Scheibe Brotes, begleitet von einem Klecks Thomy-Senf der milden Sorte. Die Cervelat ist dabei wahlweise gegrillt oder roh. Wenn roh, dann meist geschält, wenn gegrillt, nicht immer. Und wenn gegrillt, dann geschieht das in der archaischen Variante am Stock aufgespiesst über einem Lagerfeuer. Wohl deshalb nennt sich dies höchst einfache, nahrhafte wie soziale heimliche Nationalgericht "Waldfest".
Sozial deshalb, weil das für keinen zu wenig, für keinen zu schäbig, und, mit gradueller Abstufung, für die meisten auch nicht unbezahlbar ist. Und weil man sowas selten allein geniesst. Das impliziert schon allein die Lagerfeuerfähige Variante.
Und das trifft irgendwie auch das Wesen des Schweizers (ganz grob vereinfacht, denn in einer schon offiziell vier verschiedene Kulturen umfassenden reinen Willensnation ist der Durchschnitt reine, völlig abstrakte Theorie) viel besser, als der Begriff des Kriegers. Man steht zusammen, sieht zu, dass alle zu essen haben (symbolisch: seine Grundbedürfnisse decken kann) und wenn man da so am Feuer steht, in der Natur, kommt man miteinander, da das Aufpassen darauf, dass die Wurst nicht vom Stock fällt, einen geistig nicht auslastet, auch ins Gespräch. Und es ist, weil man satt und zufrieden ist, bzw. in Erwartung genau dieses Zustandes, ein wohlwollender, gemeinschaftlicher Umgang miteinander. Nicht, weil alle gleich sind, sondern weil man Gemeinsamkeiten hat.
Weil ein voller Magen, nebst den anderen Grundbedürfnissen des Lebens, so wichtig ist, ist jedem Schweizer klar, dass die Wirtschaft laufen muss. Gewerkschaft, Sozialstaat, Rente... wer sollte das denn sonst wohl finanzieren können? Wenn also, dann da Krieger. Demokrat ist man privat und als Staatsbürger, nicht als Arbeitnehmer.
Die Armee geniesst in der Schweiz ein durchaus sehr begrenztes Ansehen, aber ein Ansehen. Das hat, anders als anderswo, wenig mit Militarismus zu tun. Vielmehr ist die Arme ein alle Schichten und Landesteile miteinander verbindendes Element, und die Landesverteidigung die Ur-Keimzelle der Eidgenossenschaft, war doch auch der Bundesbrief nicht viel mehr, als ein Verteidigungsbündnis.
Etwas, was heute zwar nicht mehr die gleiche Rolle spielt, weil man mehr Nachteile als Vorteile sieht: Die Armee vermittelt den Diensttuenden auch Kontakte, die sonst nicht entstünden, und sie sorgt auch für eine zusätzliche Ausbildung, die mancher im zivilen Leben zwar nicht unbedingt braucht, aber doch zu seinem Vorteil nutzen kann. Im einfacheren Fall ist es nur ein LKW-Führerschein, den man in den Zivilen Führerausweis umschreiben lässt. Im Fall eines Offiziers, und seis auch nur eine der unteren Chargen, ist es wissen darum, wie man führt, und wie man die Übersicht behält. So manchem Chef eines dann doch vielleicht mit den Jahren etwas grösser werdenden Kleinunternehmens hilft das, eine sinvolle Struktur in sein Denken und Handeln zu bringen, die auch dann "verhäbt" also funktioniert, wenn es wirklich stressig wird. Weil jeder auch mal als Rekrut anfing, der später Offizier wurde, vergisst er dabei auch nicht, an die Untergebenen zu denken.
Es ist schon zwei Jahrzehnte oder länger her, dass man das hoch schätzte. Damals aber wars normal, bei einem Einstellungsgespräch nach dem mil. Dienstgrad zu fragen. Nicht aus militarismus, sondern weil hinter so einem Dienstgrad durchaus gewisse managementfähigkeiten stehen konnten, von denen man als Arbeitgeber profitieren wollte.
Später fragte man dann nur noch, um Ausfallzeiten abschätzen zu können. Ein einfacher Soldat kommt mit seinen paar Wochen WK der Arbeitswelt einfach seltener abhanden, als einer, der die Offiziersschule abverdienen muss...
Das zeigt dann auch gut, wie ambivalent der Schweizer der Armee gegenübersteht. Wie wenig er Krieger ist.
Wenn schon schweizer Armeekomödie, dann: "Achtung, Fertig Charlie!" Ein Film, der nur den Lachmuskeln den Krieg ansagt, und in dieser Leichtigkeit sowohl die Art, wie man in der Schweiz zur Armee steht, wie auch leise Gesellschaftskritik anbringt. Später ergänzt durch die Fortsetzung: "Achtung, fertig, WK!. Auch gut gelungen, aber im wesentlichen halt die wiedergekäute Idee des ersten Films.
Auch gut, aber etwas angestaubt, und nicht mehr im Ansatz aktuell: HD Läppli, welche Figur Alfred Rasser unsterblich machte. HD steht dabei für Hilfsdienst. Da landeten, als es diesen Hilfsdienst noch gab, die, die nicht so helle waren, oder auch mal die, die mit der Armee nichts anfangen konnten, und die Armee nicht mit ihnen, die aber zu fit für "UT" (Untauglich, meinend Dienstuntauglich) waren. Das lässt, filmisch, viel Raum für Klamauk. Von der Art her die CH-Variante des "Braven Soldaten Schweijk".
Man hätte das auch Saboteur nennen können, aber wer will denn so bös sein?
Abzugrenzen ist derlei von Filmen aus der Kriegszeit, deren bekanntester "Gilberte de Courgenay" sein dürfte. Die sind durchaus militaristisch und im Sinne der geistigen Landesverteidigung gemacht. Man hatte ja auch kaum eine Wahl.
Eine wesentlich aufgeklärtere, armeekritische Position nimmt da die kürzliche Dokumentation zum Generalstreik 1918/19 ein. Da gehts um den damals tatsächlich möglichen Skandal, dass die Milizarmee zu Friedenszeiten gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt wurde, und sogar scharf schoss, so dass es Tote gab. Völlig unnötigerweise...
Diese kritische Position ist heute weit verbreitet. Es kommt auch entsprechend schlecht an, wenn man sich als Zivilist in Tarnkleidung - sagen wir, einpackt - denn als kleidsam wird das nicht empfunden. Frauen können sich da mehr leisten als Männer, jene müssen ja auch nur Millitärdienst leisten, wenn sie es denn wollen. haben sie sich aber einmal dafür entschieden, müssen die genauso wie die Männer. Die RS machen, weils grad so gut zwischens Studium passt, und dann vor dem WK sagen: Will ich nicht. Das kostet dann Geld.
Man sieht zwar Männer in Tarnkleidung. Das sind aber entweder Ausländer, solche die nie Dienst taten, Jäger oder dann wirklich Millitaristen. Um nicht zu sagen: Dummköpfe. Denn wer wirklich mal Dienst tat, weiss, dass er die Uniform zivil nicht trägt. Allenfalls nutzt man, wo es sich anbietet, einzelne Ausrüstungsgegenstände im Zivilleben weiter. Beliebt sind etwa die Schuhe, oder auch mal ein "Kaputt", wenns denn die Arbeit nahelegt.
Insgesamt ist das dann ähnlich, wie ein guter Freund es mal einem Rechtsextremen gegenüber formulierte (so einer mit Glatze und Springerstiefeln...): Euer Material ist wirklich gut, aber die Ideologie ist einfach nur Scheisse.