Danke @bluedog, gut zusammengefasst. Das ist einfach auch mein Problem mit solchen Reportagen. Da wird von Journalisten - die sich zumeist selbst den Klima- und Umweltschützern zurechnen würden - ein "investigativer" Problemaufriss zu einem aktuellen Trendthema gebracht, der die einen in ihrer ignoranten Untätigkeit bestätigt (obwohl sie zu allen gezeigten Missständen seit Jahrzehnten ihren Teil beitragen) und die anderen in ihrer Unentschlossenheit noch weiter verunsichert. Am Ende ist keinem geholfen, der eigentlichen Sache, nämlich Klima- und Umweltschutz voranzubringen, schon gar nicht. Man bremst damit jene Ansätze aus, die das Potenzial haben, etwas am Status quo strukturell zu verändern. Und man vergisst den medialen Scheinwerfer auch ab und an mal wieder auf die alltäglichen Katastrophen und Missstände hinzulenken.
Meistens wird dann in einem Nebensatz darauf hingewiesen, dass der eigentliche Weg es ja wäre, auf das Auto komplett zu verzichten. Das ist halt nur fern jeder realen Lebenssituation von Millionen Menschen, die am Land leben. (Ich kenne beide Lebenswelten und ich weiß, wie leicht man als urbaner kinderloser Jungakademiker in Versuchung gerät zu glauben, jeder könne sich ohnehin überall mit den Öffis fortbewegen und sich nur am Wochenende mal schnell ein Auto mieten, wenn man doch mal weiter raus will). Das spricht grundsätzlich für das Öffi-System, das ich gerade in Wien als wirklich phänomenal großartig erleben durfte, zeichnet aber ein trügerisches Bild.
Und dieser Nebensatz des Autoverzichts bleibt eben leider bei jenen nicht hängen, die sich angesprochen fühlen sollten. Es bleibt nicht hängen "E-Auto schlimm, aber fossiler Verbrenner katastrophal", sondern "E-Auto schlimm, also weiter wie bisher". Das ist die Krux an der Sache, auch wenn die Reportage aufwühlt und an der Menschheit zweifeln lässt.