Ich gehe berechenbar dann hoch, wenn Argumente gebracht werden, die an wichtigen Stellen grob unvollständig sind, das glatte Gegenteil der Originalquelle besagen, oder Verhältnismäßigkeiten der Argumente einfach ignoriert werden. Wobei hochgehen zumeist übertrieben ist, ich gebe halt meinen pointierten Senf dazu, weil mich das Thema besonders interessiert.
Dass die Gesetzgeber Elektroautos mit 0g CO2 normieren, ist nicht den fanatischen E-Mobilisten geschuldet, sondern eher den politischen Bürokraten und Autoindustrie-Lobbyisten, die sich generell um eine transparente Einordnung von Energieverbräuchen herumdrücken. Da lässt man die Hersteller lieber mit 0g-Elektroautos leben, die sich dann in niedrigen Stückzahlen besonders gut doppelt und dreifach auf die Flottenverbräuche auswirken, als man müsste sich im Detail damit befassen, dass man auch bei Verbrennern beispielsweise Vorketten ermitteln und einbeziehen müsste. Und solange das nicht geschieht, habe aber auch ich für meinen Teil kein sonderlich schlechtes Gewissen, wenn ein E-Auto mit 0g-Ausstoß in den Papieren steht.
Ich bin auch, das wird vielleicht verwundern, kein Verfechter von irgendwelchen monetärer Begünstigungen für E-Autos. Weder steuerlich, noch in Bezug auf Kaufpreisförderungen. Ich bin überzeugt, dass die Elektromobilität ökonomisch und ökologisch unschlagbar ist, wenn es ein Energie- und Verkehrssystem mit transparenten Vollkosten unter Einbezug der Umweltfolgen gibt. Bis dorthin ist es aber ein weiter Weg (der von vielen erst gar nicht gegangen werden möchte).
Du magst das sein, der geneigte Bild-Leser liest "OECD-BERICHT ENTHÜLLT: So schmutzig sind E-Autos wirklich!" und fühlt sich bestätigt, dass die E-Mobilität des Teufels ist. Angeordnet von Merkel auf Geheiß der Chinesen, um die deutsche Wirtschaft niederzuzwingen. So hat man leider oft den Eindruck. Und solange es gut finanzierte Lobbyingverbände von Autoindustrie und fossiler Energiewirtschaft gibt, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als in Medien und Politik gegen die E-Mobilität zu agitieren, habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich als Privatmann meine sicher eher stark fokussierte Meinung dazu zum Ausdruck bringe - die ich, so glaube ich zumindest, so gut es geht argumentativ begründe und dort wo ich ein Interesse an einer echten sachlichen Auseinandersetzung merke, auch gerne stärker auf eine differenzierte Sicht eingehe.
Ich habe zuletzt, als es noch möglich war, in einem VW-Autohaus zur ID3-Einführung einen Vortrag über die E-Mobilität gehalten und bin dabei sehr stark auf Rohstoffherkunft und andere konfliktreiche Themen eingegangen, weil ich wusste dass der VW-Marketingmensch, der ebenfalls einen Part hatte, das überbordende Lob bringen würde. Ich habe mehr Zuspruch für meinen Vortrag bekommen, als der VW-Berater, eben genau weil die Leute dankbar waren über eine sachliche Einordnung der Thematik, die sie so kaum zu hören oder lesen bekommen und die auch nicht verschweigt, wo es noch hakt und welche Wege es da raus gibt. Und weil das Themen sind, die von Befürwortern meist überschwänglich beschwichtigend und von Gegner meist abgrundtief katastrophal dargestellt werden. Aber leider sind das zugegeben meistens auch so riesige Themenfelder, dass man in der gebotenen Kürze auch mal etwas pointierter sein muss, oder Mut zu Lücke braucht - auch auf die Gefahr hin, dass dann unterstellt wird, man würde etwas bewusst verschweigen.