Eben. Natürlich fließt Fossilstrom ins E-Auto - aber nicht ausschließlich, wie behauptet, sondern im gleichen Ausmaß wie bei jedem Stromverbraucher. Energiewende funktioniert nicht ohne Mobilitätswende und nicht ohne Abkehr vom Verbrennungsmotor. Wer auf 100% erneuerbaren Strom wartet, bevor er mit der Dekarbonisierung der Mobilität beginnt, verliert Jahrzehnte oder wird überhaupt nie damit anfangen können. Viele Synergien und Wachstumspotenziale ergeben sich ja gerade erst aus der Verbindung von Energie- und Mobilitätswende (Entwicklung von Speichertechnologien, Optimierung von Lastverteilung, Lösungen zur Netzstabilität, Ausbau der Netze, Optimierung von Photovoltaik-Eigenverbrauch etc.). Das geht Hand in Hand und funktioniert nicht für sich allein, sondern bedingt einander geradezu.
Auf 100% erneuerbaren Strom zu warten bedeutet nebenbei auch, dass man sämtliche marktnahen Lösungen für Wasserstoff und E-Fuels im Antriebsbereich sofort auf Eis legen müsste, denn der fossile Anteil ist dort ein wesentlich größerer.
Ich kann mir natürlich einreden, es sei besser wenn zuerst mein Staubsaugerroboter mit erneuerbarem Strom fährt, als mein Auto, oder wenn mein Auto nicht dem Fernseher den erneuerbaren Strom wegnimmt, eine wirkliche Logik verbirgt sich dahinter allerdings nicht. Das E-Auto braucht durch die wesentlich höhere Effizienz und die geringeren Systemverluste entlang der gesamten Kette weniger Primärenergie und braucht damit selbst bei theoretischen 100% fossilem Strom trotzdem insgesamt deutlich weniger fossile Energie, als der Verbrenner. Und die fossile Energie, die es braucht, stammt von vor unserer Haustür und nicht aus Ländern, die uns damit in dauerhafter Geiselhaft betreffend ihrer steinzeitlichen Wertvorstellungen halten.
Getreu dem AfD-Motto - "Zuerst wurden wir gezwungen unsere Glühbirnen auszutauschen, um Energie zu sparen, und jetzt sollen wir E-Auto fahren? Ganz mein Humor!111!!"