Bluedog, da möchte ich Dir widersprechen:
Brexit: über Jahrzehnte führt ein mieser Nationalismus (Thatcher) gepaart mit permanenten Lügen und einer verlogenen Massenpresse dazu, dass eine knappe Mehrheit der Wähler glaubt, dass das große Kolonialreich wieder entsteht, wenn nur die EU nichts mehr zu sagen hätte. Politiker können jeden selbst verzapften Mist der EU zuschieben - sie selbst sind ja nur für die gelungenen Dinge verantwortlich (was machen sie jetzt?). Ich wüsste nicht, was die EU mit dem Niedergang der maroden britischen Industrie zu tun hatte und warum es jetzt keine Überfischung mehr vor der Küste geben sollte - der Witz an der Geschichte ist, dass britische Fischer jetzt fischen können was das Zeug hält, sie leider vergessen haben, dass ihre Hauptabsatzmärkte in der EU liegen.
Griechenland: wenn eine Bevölkerung über Jahrzehnte immer wieder Politiker aus zwei (!) korrupten Familien wählt und sich dann beschwert, dass die EU an allem Schuld ist, dann frage ich mich doch, ob da der Unterschied von Ursache und Wirkung verstanden wurde. Wenn man diese Wirtschaftssystem als das einzig wahre System ansieht, dann sollte auch nach den dort definierten Spielregeln gelebt werden. Ich kann nicht für einen Kapitalismus sein und mich dann wundern, dass es Verlierer gibt (und blöd finden, weil nicht der Nachbar, sondern ich der Verlierer bin).
Das größte Problem der EU ist, dass es einen viel zu großen Nationalismus in den einzelnen Staaten gibt. Blos alles nehmen und nichts geben. Die EU wird von den meisten nur als gebende Institution verstanden - das sie der Rahmen sein könnte, uns vor aggressiven wirtschaftlichen Handeln der USA, Chinas und Russlands zu schützen und vor allem der Rahmen sein sollte, unsere Vorstellung von Freiheitsrechten zu garantieren, wird einfach verdrängt.
Was ist die Schweiz ohne die EU? Ein reiches Land. Aber, was wäre die Schweiz, wenn es die EU nicht geben würde? Und wie sieht das in 50 Jahren aus? Als Schweizer kann man schön über die EU schimpfen. lästern und herziehen. Blöd nur, dass die Schweiz viele Vorteile nutzt, weil es eine sehr starke Anbindung an die EU gibt. Freiwillig und gerne genutzt. Rechtlich geregelt und keine Willkür und das seit Jahren. Ist mit Norwegen im übrigen genauso. Freiwillig werden Nachteile in Kauf genommen und das nur, um den Wählern einen von freier Nation zu erzählen.
Es erinnert mich etwas an Kinder von Reichen - die Kohle einstecken, die Privilegien genießen und mit den Kontakten sich nach oben stoßen; aber immer schön über die alten Spießer abkotzen.
In diesem Sinn: Wochenende