Außenstehende schütteln den Kopf, wenn sie Diskussionen wie unsere betrachten, sehen sie doch die Akteure wie Boxkämpfer, die in einem unablässigen Austeilen und Einstecken zu keinen Ergebnissen kommen, sondern in einem Endlosstreifen sich aus einer Ecke des Rings hochrappeln, mit den immergleichen Worten: "Ich stehe noch, und du hast mich noch nicht überzeugt - im Gegenteil!"
Hinter dem Wunsch schwarzweißes Denken abzulegen, oder gar andere von eigenen Vorstellungen überzeugen zu wollen, verbirgt sich ein grundlegendes Missverständnis.
Ein Wissenschaftler, ein Unternehmer, ein Jurist oder Politiker können sich niemals einigen, weil sie in anderen Werten denken, in dem Fall in Kategorien von Wahrheit, Geld, Gesetz oder Macht. Wir betreiben das hier nur als Rollenspiel, das ändert aber nichts am Prinzip.
Nach meiner Beobachtung wählten viele die Rolle des Politikers. Für die zählt nur Macht, der andere ist qua Fraktionszwang Freund oder Feind, schwarz-weiß steht geradezu auf ihren Fahnen.
Tritt nun jemand als Wissenschaftler auf und breitet gesicherte Fakten in hehren Worten vor, weil in der Forschung dreht sich alles einzig um die Wahrheit, so kann er nur innerhalb seines eigenen Zirkels verstanden werden, niemals aber einen von unseren "Politikern".
Sokrates genoss in seinem Philosophenkreis durch die Kunst seiner dialogischen Beweisführungen hohes Ansehen. Im Senat verhallte seine Dialektik vor den Interessen der Macht. Als er den Schierlingsbecher trank durchschaute er diesen Zusammenhang nicht.