Zwischendrin gab es nämlich wiedermal Zuwachs:
Die graue ID war mittlerweile neun Jahre in der Familie, stand aber mehr, als dass sie fuhr. Allmählich waren mehrere Baustellen zu richten. Die Lenkung tropfte, die Bremsen mussten gerichtet werden, und – ganz übel – die Kupplung hatte mehr und mehr Schlupf! Doch mich hatte ein wenig die Lust verlassen: Wenn schon investieren, dann in eine „richtige“ DS und nicht eine graue ID. So wurde mit Vater der Verkauf beschlossen. Nach kurzer Zeit war dann die ID im Jahre 2001 verkauft.
Doch 2004 hatte ich wieder genug Geld, um nach Ersatz zu suchen. Es folgte eine wirklich lange Suche im Internet nach einer – die Kriterien waren nicht verhandelbar! – deltablauen, vollausgestatteten DS 23 mit Einspritzung („Spinnst du?!?“). Nach eineinhalb Jahren war ich am Aufgeben und begann, nach einem ebensolchen SM zu suchen, da lief mir auf anciennes.net die Traum-DS über den Weg: Es stimmte einfach alles, auch der Preis! Gerade noch im vierstelligen Bereich!
Das Foto aus der Online-Anzeige. Nicht wirklich viel zu erkennen...
Ich rief an: Sie war noch da! Ich bat: „Nicht verkaufen! Ich komme!“ Ich muss gestehen: Trotz meiner Tätigkeit als Französischlehrer hatte ich Schwierigkeiten, den Anbieter am Telefon zu verstehen. Der südfranzösische Dialekt war wirklich schlimm! Dennoch: Am Wochenende drauf hatte ich das Geld bei der Bank besorgt und ein Flugticket bei Ryan-Air. Es folgte eine irre Reise mit dem Zug nach Mainz, dem Bus nach Frankfurt-Hahn. Von da nach Montpellier, mit dem TGV nach Agen. Dort eine kurze Nacht im Hotel, und am nächsten Morgen mit dem Regionalzug nach Marmande. Und das alles mit zehntausend Euro unterm Arm! Monsieur holte mich am Bahnhof ab und chauffierte mich … zu seinem Weingut! Ernsthaft! Und es folgte die Geschichte: Sein Nachbar, ein älterer Herr Ende Siebzig, seines Zeichens ebenfalls Winzer, war fünf Jahre zuvor gestorben. Seine DS fiel in die Hände des Enkels, der damit wenig anfangen konnte, und sie dem Nachbarn verkaufte. Der fuhr damit an schönen Tagen um sein Weingut, bis seine Madame meinte, das lohne nicht, die DS müsse weg! Ein Traum von DS mit einmaliger Historie: 75.000 km auf dem Kilometerzähler, absolut glaubhaft! Die Rückbank hatte offensichtlich noch nie jemand benutzt! Und ich wurde der dritte Besitzer! Der Verkaufsabschluss wurde mit einem Glas selbstgezogenen Roten begossen, ich bekam noch zwei Flaschen auf den Weg mit, und los ging es. Ich hatte ernsthaft vor, mit der 31 Jahre alten Göttin auf eigener Achse heimzufahren! 1.245 km am Stück! Im Nachhinein zweifele ich echt an meinem Verstand! Und es kam, wie es kommen musste: Nach gerade einmal 240 km platzte eine Hydraulikleitung! Und zwar heftig! Ohne Bremse, ohne Kupplung, ohne Motorbremse (Halbautomatik lässt grüßen!) und ohne Servolenkung flog ich auf Flughöhe Null (keine Federung!) Richtung nicht vorhandenem Standstreifen. Dank beherztem Tritt auf die Handbremse blieb ich nach endlosen Augenblicken am Autobahnrand stehen. Dort holte mich ein Abschlepper, dessen Besatzung aus Asterix und einem sturzbetrunkenen Lucky Luke bestand, dessen einziger Beitrag zur Pannenhilfe war, ununterbrochen „Elle est belle! Qu’est-ce qu’elle est belle!“ zu murmeln, während Asterix die gestrandete Göttin auf die Ladefläche wuchtete und den Abschlepper in eine freie Werkstatt am Rande der Autobahn lenkte, die sonntags (!) geöffnet hatte, und mir wenigstens die Weiterfahrt ermöglichte, mit dem Hinweis, dass das nur notdürftig repariert sei. Immerhin kam ich bis Saint-Etienne bei Lyon. Dort war der laufende Hydraulikverlust doch zu hoch, und ich musste mir eingestehen, dass ich SO nicht heimkonnte. Außerdem war es spät am Abend und noch immer 800 km. So quartierte ich mich im Hotel ein, wohl wissend, dass die 24 Stunden, die das französische Nummernschild noch gelten sollte, allmählich ausliefen. Hilft ja nix. Am Montag, oje oje, rief ich erstmal den einzigen Kollegen meiner neuen Schule an, dessen Nummer ich wusste, da ich Schlaumeier die des Sekretariats nicht dabeihatte: „Bitte sag der Schule, dass ich mit einer Panne in Südfrankreich feststeck, und heut nicht kommen kann.“ Später berichtete er mir die Reaktion unseres Chefs. Huihuihui! Gut, dass ich nicht selbst anrufen musste!
Die Citroën-Niederlassung Saint-Etienne war natürlich heillos überfordert mit einer DS und schickte mich weiter zu einer freien Werkstatt, die jedoch eine astreine Reparatur hinlegten, so dass ich weiterfahren konnte und gegen Abend zu Hause ankam. Der "Neue" neben dem BX 16V
Über die nächsten Jahre wurde viel investiert, beginnend mit der Überholung der Elektrik und Einspritzung. Die DS lief nicht so perfekt, wie ich es erwartet hatte. Da hörte ich eines Tages im Regionalradiosender einen Werbespot „Oldtimer und Einspritzung sind unser Fachgebiet! Koller und Schwemmer in Nürnberg“. Die kamen wie gerufen! Ich fuhr hin und stellte dem Meister, der für Oldtimer-Einspritzsysteme zuständig war, die DS vor. Sein trocken-fränkischer Kommentar: „Allmächt! Sowas kafft mer doch net! Aber, na, schau mer halt amol!“ Derb, aber ehrlich! Gefällt mir! Nach einigen Monaten (!) kam der verzweifelte Anruf: „Wollen Sie wirklich, dass die DS wieder fährt?“ Ich, leicht beunruhigt: „Schon, ja, eigentlich schon…“ – „Gut, aber wir haben Sie gewarnt! Das wird teuer!“
Wurde es auch, im mittleren vierstelligen Bereich, aber die DS lief perfekt! Offensichtlich hatte es vor Jahren mal im Motorraum gebrannt, K&S musste Löschmittel-Reste entfernen! Der Kabelbaum wurde zum großen Teil neu gewickelt, und sieht jetzt auch richtig gut aus! Die Einstellung geriet einwandfrei. Als einziges Manko waren die Benzinschläuche undicht. Die wurden später alle nochmal ausgetauscht. Komischerweise waren die Gewebeschläuche nicht dicht zu bekommen, die Gummischläuche aber schon.
Dann geschah die Katastrophe: Im August 2008 wollte ich wieder einmal zu meiner Freundin fahren. Leider brach der Auspuff des XM am Nachmittag an einer Bodenwelle auseinander (okay, er war morsch, die Bodenwelle heftig, und ich eventuell ein ganz klein wenig zu schnell unterwegs), sodass ich auf die DS zurückgreifen musste. Die A9 war voll, ich fuhr mit ca. 120 km /h links, und bemerkte zu spät, dass vor mir die Bremsleuchten angingen… Vielleicht war ein Hauch zu viel Luft in der Bremsleitung, vielleicht hab ich eine halbe Sekunde zu lange überlegt. Auf jeden Fall hätte mich ABS gerettet. Aber so geschah es, dass ich wie in Zeitlupe und trotz dem verzweifelten Versuch, bei kurz gelöster Bremse nach rechts zu fliehen, mich unvermittelt im Kofferraum eines A6 wiederfand.
Der Schaden war beträchtlich: Die linke vordere Hälfte der DS war komplett zerstört, der linke Kotflügel auf die Dicke einer Tischplatte zusammengepresst. Das linke Vorderrad hing irgendwie schief, und die Motorhaube hatte die Frontscheibe zum Bersten gebracht. Ich meinerseits lag über dem Lenkrad, welches seinem Ruf als Sicherheitselement dank Einspeiche alle Ehre gemacht hatte: Der Lenkkranz war um gute 15 cm Richtung Armaturenbrett verbogen. Der Gurt (uff!!) hatte auf meinem Oberkörper Striemen hinterlassen, die noch wochenlang sichtbar blieben. Aber sowohl ich wie alle anderen blieben unverletzt. Den Audi hatte es übrigens auch übel erwischt, es wurde ein Totalschaden festgestellt.
Und bei der DS? Leider auch! Der Rahmen war verzogen, wie sich später herausstellen sollte. Dennoch tat ich alles, um sie wieder auf die Straße zu bringen. Wie immer hatte ich Glück im Unglück und fand im Internet eine Schlacht-DS. Mit einem Leih-Anhänger fuhr ich ins Ruhrgebiet und montierte munter alle Teile des abgebrochenen Restaurationsobjekts ab, die ich benötigte, und brachte sie mitsamt der lädierten Göttin zum Spezialisten. In der Tat schaffte er es, sie in knapp einem Jahr wieder auf die Straße zu bringen, inklusive einer Neulackierung. Nicht mehr dabei ist das (von mir eh nicht sehr geschätzte) Vinyldach, das immer irgendwie verstaubt aussah.
Ein Jahr lang war die Göttin krank - Jetzt fährt sie wieder, Gottseidank!