Letzhin durfte ich für einen Tag ein besonderes E-Auto fahren: Den Honda E in der stärksten Version. Als E-Greenhorn und Verbrennerfahrer (auch wenn ich schon Zoes und Teslas gefahren bin), bewusst ohne Instruktion. Hab hier keinen Beitrag über den Honda-E gefunden, vielleicht interessiert's den Einen oder Anderen.
Was wohl am Meisten interessiert ist das Bedienkonzept und das hat es in sich. Der riesige Touchscreen über die ganze Breite mit den integrierten kamerabetriebenen Aussenspiegeln ist speziell. Nebst den Spiegeln ist der Touchscreen in 3 Teile geteilt (ein kleiner vor dem Lenkrad, zwei grosse (Mitte, Beifahrerseite). die Bedienung ist intuitiv. Die verschiedenen Spiele und Screensavers habe ich nicht ausprobiert. Für Licht, Blinker und Scheibenwischer gibt's konventionelle Lenkstockhebel, und wie bei fast allen neuen Autos die meiner Meinung nach zu vielen Knöpfe, Rädchen, Drücker etc. im Lenkrad. Fazit: Ich kann die Kiste sofort bedienen und fahren. Der Screen reagiert sehr fein, die Schrift in diversen Untermenues könnte noch etwas grösser sein. Die Bildqualität ist aber derzeit das Mass der Dinge, sicher gleich gut wenn nicht besser als bei Tesla. Schön auch, dass es doch noch wenige Regler gibt (zb. die Drehregler der Lüftung, die aber nach oben schauen und deswegen etwas gewöhnungsbedürftig sind. Aber so wird einem das bei Tesla übliche und meiner Meinung nach lästige Suchen nach den Menues erspart. Oder auch toll der Schalter in der Mittelkonsole, wo man einfach die Fahrmodi wählen kann.
Die Aussenspiegel sind nur zu Beginn gewöhnungsbedürftig, da die Bildqualität auch hier hervorragend ist und einen sehr grossen Winkel abdeckt. Beim Innenspiegel, der sich konventionell und im Kameramodus betreiben lässt, ist zu beachten, dass bei Regen unbedingt der Heckscheibenwischer eingeschaltet werden muss, ansonsten die Kamera verschmutzt und das Bild trübe wird.
Cool sind die verschiedenen Kameras für's einparken. OK ich bin oldfashioned und das "konventionelle" einparken gewöhnt, aber man kann auch nach Kamera rangieren. Ein- und ausparken kann man auch der Elektronik überlassen. Aber der Kleine ist ja von der Karosserieform sehr übersichtlich, kompakt und deswegen sehr einfach zu rangieren, auch wegen dem kleinen Wendekreis.
Autopilot konnte ich leider nicht ausprobieren, aber die übrigen Fahrassistenten (Tempomat, Totwinkelwarner, Spurwarner funktionieren korrekt und diskret. So muss es sein. Auch one pedal driving ist möglich, wobei er ohne Bremspedal nicht bis zum Stillstand abbremst.
Und Ansonsten? Der Kleine ist sehr spritzig und dynamisch und macht deshalb viel Fahrspass. Die Federung ist straff. Sitze sind ok. Platz eher wenig, vor allem kleiner Kofferraum. Frunk gibt's keinen, auch keine mehrteilig abklappbare Rücksitzbank. Der Motor hat viel Bumms, aber dann will er auch gefüttert, pardon, "bestromt" werden. Mein Schnitt im gemischten Betrieb war so um 17-18 kw/h. Geladen habe ich zu Hause an der Haushaltsteckdose, für "meinen" Tag absolut ok, musste auch noch arbeiten :-).
Fazit doch etwas durchzogen: Tolles Bedienkonzept, viel Fahrspass dank viel Leistung und sportlichem Fahrwerk (Heckantrieb), gut verarbeitet. Negativ: geringe Reichweite (215km vollgeladen, auf der Bahn bei CH-Autobahntempo 120 noch gut 100km), geringe Variabilität, Sitze und Federung straff. Für die Langstrecke also nur sehr bedingt tauglich, und dafür ist er nicht gerade günstig: Für meinen vollausgestatteten Vorführer mit 3'500km möchte der Händler immer noch 40k CHF. Für diesen Einsatzzweck täte es auch ein leider nicht mehr gebauter E-Drilling von VW, der gut die Hälfte kostet.
Mein Fazit: Eine Zoe fährt sich zwar deutlich weniger dynamisch, aber komfortabler und hat langstreckentaugliche Reichweite und Komfort. Ausserdem ist sie geräumiger. Nur das Bedienkonzept der Zoe sieht neben dem Honda uralt aus. Ich persönlich würde also eine Zoe vorziehen, vor allem wegen der Reichweite, Komfort und Platz.