Ad fontes, meine Herren. Mein ursprünglicher Gedanke war, daß der Threadersteller bereit sein sollte, immer mal wieder erhebliches Geld in das Auto zu stecken. Das ist dann von zwei Forumsteilnehmern mit dem Argument zurückgewiesen worden, daß ein Xantia oder BX im Vergleich zu modernen Autos sehr günstig sei, was ich damit beantwortet habe, daß die Tatsache, daß andere Autos auch Geld kosten, nichts daran ändert, daß BX und Xantia Kosten verursachen. Darauf entsponn sich ein Lamento, wie teuer moderne Autos seien.
Ihr erinnert mich an all die Bedenkenträger von vor dreißig Jahren, als ich über den Peugeot 205 nachdachte; fürwahr ein ganz normales Auto. „Nein!“ rief alles, „viel zu kompliziert, viel zu modern! Da kann ja keiner mit umgehen, da braucht man ja Spezialwerkzeug für, das hat doch keiner. Kauf dir einen Golf, den kann jeder Hufschmied reparieren.“ Als ich als Student mit meinem ersten Citroen ankam, galt ich als erwiesenermaßen verrückt geworden.
Seit 19 Jahren fahre ich meinen Activa Diesel nun; ich liebe ihn und hege ihn. Auch, als der Kabelbaum, der die Kühlerlüfter speist, ersetzt werden mußte, bin ich ihm treu geblieben, auch wenn es Wochen dauerte, bis ich das Ding über das Forum aufgetrieben hatte, und die gesamte Fahrzeugfront demontiert werden mußte. Ich und meine Schrauber haben über die Jahre reichlich Denksport betrieben; Stichworte Kunifer, AFS-Zylinder, Lucas EPIC — die Liste ist lang.
Ihr Schrauberhelden seid Nachfolger der Leute aus den siebziger und achtziger Jahren, die ihre Gebrauchtwagen in Eigenarbeit instandgehalten haben. Und Ihr arbeitet heute ganz anders als die Leute damals. Ihr verwendet ganz selbstverständlich Lexia und Elit, Ihr arbeitet Euch in die Funktionsweise von Steuergeräten ein und und und. Diese Entwicklung wird weitergehen.
In Osteuropa und in China wird seit langem darüber nachgedacht, wie heute neue Autos später als Gebrauchtwagen gepflegt werden können. Es gibt schon heute Angebote in bezug auf die moderne Computertechnik in den Wagen, und das wird immer mehr werden, sobald das nachgefragt wird. Heutige Radios aus China können auf den CAN-Bus zugreifen und etliche Funktionen steuern. Apps erledigen Dinge, für die man früher Werkstattprogramme brauchte. Ich verwende in meinem BMW die Carly-App. Damit kann ich die Steuergeräte auslesen und Fehler entdecken, ich kann die Start-Stopp-Funktion einstellen, wie ich sie haben will, ich kann die Rücklichter mit dem Tagfahrlicht leuchten lassen und etliches mehr. Professionelle Programme für die Fahrzeugelektronik sind heute verfügbar und werden es in der Zukunft sein. Das muß auch gar nicht illegal sein; ist es schon heute nicht.
Die Gebrauchtwagenszene muß sich darauf einstellen. Sicher braucht man eine spezielle Ausrüstung, und die kann auch teuer sein. Wenn man sich mit zehn Leuten zusammenschließt, um so etwas anzuschaffen, muß man die natürlich erst einmal zusammentrommeln, und das Gerät ist dann immer da, wo es gerade nicht gebraucht wird; andererseits zahlt dann auch jeder nur zehn Prozent.
Beim Kostenvergleich ist der Anschaffungspreis der Elefant im Raum. Wenn ich die Leasingraten eines Neuwagens sehe, kann die Wartung ruhig mit 0€ zu Buche schlagen — was angesichts der Garantie sogar realistisch ist —, ich zahle immer mehr als für einen abgeschriebenen Gebrauchtwagen. Das war aber — ad fontes — nicht der Punkt. Zwanzig Jahre alte Autos erfordern Wartungs- und Reparaturkosten, und die muß man tragen.
Der Xantia ist ein wunderschönes Auto, der mir auch immer als ausgereifter und wertiger erschien als der BX. Für einen Lehrling erscheint mir der Xantia als gute Wahl, wenn es ein einigermaßen gepflegtes Exemplar ist. Was nicht da ist, geht zwar nicht kaputt, mehr Spaß macht aber doch ein Auto mit Klimaanlage, Sitzheizung, Hydractiv-Federung usw.
Da das meiste aber Geschmacksache ist, komme ich noch einmal auf meinen Aufruf zurück, sich bei Forumskollegen einen eigenen haptischen und emotionalen Eindruck sowohl vom Xantia als auch vom BX zu verschaffen.