Doch weiter:
1990 geisterte wiedermal die Meldung durch die Presse: „Die Ente wird eingestellt!“ Doch diesmal wirklich! Am nächsten Tag fuhren wir zum Citroën-Händler und bestellten eine. Er hatte bereits 6 Stück bestellt, je 2 pro Farbe. Für uns war nur noch eine der beiden roten übrig!
Im Jahr darauf durfte ich endlich den Führerschein machen. Am 18. Geburtstag brachte mich meine Mutter zum Landratsamt, und so fand meine erste eigene „offizielle“ Fahrt im gelben Charleston statt! (Klar, aufm Land war man als Kind natürlich in diversen Enten über Feldwege oder eigene Wiesen gebrettert. Aber: Psssst!)
Ab sofort stand mir dann die 1990er Ente zur Verfügung für Schule, Wochenende und einige ausgedehnte Touren, etwa mit Klassenkameraden nach Prag.
Auch wenn ich hier etwas unglücklich wirke: Ich hab mich gefreut!
1992, obwohl bereits 18, machte ich nochmal einen Familienurlaub in Frankreich mit, wo ich nach ein paar Tagen die Schnapsidee hatte: „Wir suchen und kaufen eine DS!“ Eher um mich zu beruhigen, fuhren meine Eltern auf der Rückfahrt im Elsaß zu einem Citroën-Händler. Der lachte: „Nein, DS haben wir keine! Aber im Nachbardorf, da gibt es einen kleinen Citroën-Händler, der könnte was haben.“
Gut, dann eben dort! Aber: „Nein, wir haben nur neuere Autos. Aber im Nachbarort, da gibt es eine kleine Werkstatt, der könnte…“
Und dort: „Nein, ich habe keine, aber im Nachbarort, da kenne ich einen, der verkauft seine ID! Der kommt morgen und dann können wir sehen.“
Nun, es war eh schon spät. Wir legten noch eine Übernachtung ein und kamen am Folgetag zu der kleinen Hinterhofwerkstatt. Da stand sie auch schon: Eine traumhafte ID 19 von 1969, grau mit beigem Dach und Anhängerkupplung. Der Besitzer war ein älterer Herr, Buchhalter von Beruf (an der Farbe des Autos klar zu erkennen…), der die ID vor 23 Jahren neu gekauft hatte, und nun, in der Rente, auf einen kleineren ZX umsteigen wollte. Die Göttin (okay, „nur“ eine ID, aber immerhin!) stand da wie neu! Natürlich mit den üblichen Blessuren des Straßburger Nahkampfs, aber hey! Wer will da meckern? Kleinigkeiten!
So wurde man sich schnell handelseinig: Für (aus der Erinnerung) 8.000 DM ging sie in unser Eigentum über. Dazu fuhren wir noch am selben Tag nach Hause, holten am nächsten das Geld und fuhren wieder ins Elsaß, um die ID abzuholen.
Somit war ich bereits als angehender Abiturient mit DS unterwegs, gerne auch in die Schule, aber nur sehr selten. Dafür war ja die rote Ente da!
Nach der Schule begann der Zivildienst und, noch wichtiger, meine Schwester wurde 18, und bekam ihrerseits nun die „Rote“. So ging es wiedermal zum örtlichen Citroën-Händler und seiner Gebraucht-Auslage. Grübelnd stand mein Vater zwischen einem roten Visa und einer grünen Ente und fragte mich, was mir lieber wäre. Ich stand lechzend zwischen einem weißen BX GTI und einem blauen BX 16 TRI, wagte es nicht auf den GTI zu zeigen, hatte aber auch keine Lust auf 2CV und schon gleich gar nicht auf Visa (heute wäre ich begeistert…), und tippte zaghaft auf den himmelblauen BX 16 TRI mit sagenhaften 105 PS, woraufhin mein Vater wenig zaghaft auf seine Stirn tippte…
Doch am nächsten Tag geschah wieder ein Wunder: Vater fragte mich, ob ich das ernst gemeint hätte mit dem BX. Und als ich bejahte, gingen wir ohne große Diskussion hin und nahmen das gute Teil für 8.600 DM mit!