Ich hatte jetzt mal die Gelegenheit einen e-C4 auf dem Treffen in Gräveneck auszuprobieren. Zusammen mit @Uli am Donnerstag beim schönem Wetter und @Rote Zora am Freitag bei regnerischem Wetter habe ich zwei Fahrten von je ca. 10-15 km gemacht. Alles innerorts und auf Landes- bzw. Bundesstraßen, Autobahn war nicht dabei.
Mit dem Bedienkonzept des e-C4 bin ich auf Anhieb gut zurecht gekommen, alles klar und logisch, weitgehend selbsterklärend. Neben dem e-C4 sieht der Xantia sehr filigran aus. Die Abmessungen des e-C4 sind gut, mit meiner Körpergröße von 1,75 m passe ich gut in den Wagen und habe auf Anhieb eine gute und angenehme Sitzposition gefunden. Positiv ist mir aufgefallen, dass ich im Gegensatz zum Xantia meine Geldbörse nicht aus der Tasche nehmen musste. Meine Beifahrer waren beide irritiert, dass direkt vor dem Sitz eine Kante ist, die stört, wenn man die Beine anziehen will (dürfte dem Akku geschuldet sein).
Wenn man drin sitzt ist das Raumgefühl OK. Vom Xantia her bin ich gewöhnt, dass ich mehr Platz habe und alles etwas luftiger ist. Moderne Autos versuchen einem eher näher zu kommen und einen einzuschließen. Die Sicht nach vorne ist gut, die Sicht nach hinten durch die spoilergeteilte Scheibe OK. Die massive A-Säule hat mich teilweise gestört. Die Rückfahrkamera macht auf jeden Fall Sinn, wobei auch die Sensorik sehr präzise zu Werk geht und einen wissen lässt, wie gut oder schlecht man eingeparkt hat. Beim Einparken per Kamera hat man noch ca. 15 cm Luft, wenn die rote Linie auf dem Hindernis zu sehen ist (getestet mit der Markierung auf dem Parkplatz).
Also mal losfahren. Dazu wird das Fahrzeug per Schalter (sitzt da, wo man das Zündschloss erwarten würde) aktiviert. Mit dem Wahlschalter für die Fahrstufe (Getriebe) schaltet man den Wagen von "P" auf "D". Die Bedienelemente liegen alle gut in der Hand, der Wahlschalter für das Getriebe hatte bei dem von mir getestet e-C4 leider eine deutliche Verzögerung, so dass ich manchmal den Schalter noch einmal betätigen musst, damit dann die korrekte Fahrstufe drin war. Für meinen Geschmack etwas zu fummelig und man kommt gefühlt nur langsam weg. An der Bedienung für Heizung, Navi und Co. war wenig auszusetzen. Funktioniert gut, intuitiv und schnell, hier kam die Problematik wie beim Fahrstufenwählschalter nicht auf. Man sollte aber nicht glauben, dass man "Aldi Weiburg" eingeben kann und dann zum Ziel kommt. Nein, erst auf dem Handy über Google Maps herausfinden, wie die Adresse von Aldi in Weilburg lautet, dann rein damit ins Navi und los geht es.
Der e-C4 fährt schön, der Antritt ist gut. Das Head-Up Display liegt gut im Blick, so dass ich fast gar nicht mehr auf das Armaturenbrett geschaut habe. Der Komfort ist gut. Besonders die Vorderachse steckt Unebenheiten gut weg, die Hinterachse ist etwas härter und meldet den Zustand der Straße noch komfortabel aber auch deutlich zurück. Aus dem Xantia kenne ich das anders herum. Interessant ist auch das Fahren bei Regen, denn die Durchfahrt von Pfützen hört man als deutliches Rauschen. Das Rauschen war recht intrensiv, so dass Jörg und ich noch lange gerätselt haben, ob das so gewollt ist. Vieleicht liegt es ja einfach daran, dass das Geräuschniveau beim Elektroauto generell geringer ist. Die Übersichtlichkeit des e-C4 ist im Vergleich zum Xantia mäßig. Man weiß an keiner Stelle so ganz genau, wo das Auto eigentlich aufhört. Hier ist das Bild auf dem Touch Panel mit dem Wagen in der Vogelperspektive gut gelungen. Die von den Sensoren abgescannte und abgefilmte Umgebung wird maßstabsgetreu eingeblendet und hilft. Was irritiert ist, dass man Einstellungen zum Rekuperieren und zum Fahrmodus nach dem Neustart des Fahrzeugs immer wieder neu auswählen muss.
Wenn die stärkste Rekuperationsstufe ausgewählt ist, lässt sich der e-C4 fast komplett ohne Bremspedal fahren. Leider wird einem nicht mitgeteilt, wie stark der e-C4 lädt. Am ersten Tag bin ich aber mit 88 km Restreichweite in Gräveneck gestartet und nach Weilburg gefahren, als wir angekommen sind waren wir bei 106 km Restreichweite. Zurück am Platz waren es wieder 88 km Rest - also einmal für lau gefahren. Die Lenkung könnte für meinen Eindruck präziser sein, ich musste oft nachkorrigieren und habe nicht immer gleich den richtigen Einlenkpunkt gefunden. Das ist auch @Uli aufgefallen, der mit mir am ersten Tag gefahren ist und bei einer testweise schnell gefahrenen Kurve gemerkt hat, dass der Ablauf noch nicht ganz rund ist. An Tag 2 war ich bei Regen mit Jörg (@Rote Zora) unterwegs, in Weilburg habe ich an einer Ampel gestanden und gewartet, dass ich losfahren und rechts abbiegen darf. Als wir bei grün losgefahren sind, war der Einlenkpunkt wieder schwer abzuschätzen, so dass ich erst zu wenig gelenkt und dann nachkorrigiert habe. Trotz geringer Geschwindigkeit hatten wir das Gefühl, dass der e-C4 leicht mit dem Heck rumgekommen ist. Verwirrt hat mich auch der Spurhalteassitent, der immer mal wieder unmotiviert und nicht reproduzierbar geblinkt hat. Ich habe nie gewusst, warum er blinkt und was er von mir will. Bewusstes Provozieren des Spurhalteassitenten quittiert dieser mit Schweigen. Ich bin froh, dass der Xantia solche Spielereien nicht hat.
Alles in allem macht der e-C4 einen guten Eindruck. Er würde gut zu meinen Anforderungen passen. Der e-C4 war aber für mich kein Auto, in dem ich gleich angekommen bin, was nichts mit dem Themenkreis Elektroauto zu tun hat, sondern mit den allgemeinen Eigenschaften, die andere Autos auch haben. Dafür waren für mich Lenkung, Einschätzen der Fahrzeugdimensionen und Übersichtlichkeit ausschlaggebend. In einem 2014 probegefahrenen C4 Cactus Serie 1 habe ich mich auf Anhieb wohlgefühlt, vieles am Handling war dem Xantia so ähnlich, dass ich mich sofort mit dem Cactus angefreundet habe (für mich war der Cactus wie Xantia in neu). Das Gefühl hatte ich beim e-C4 leider nicht. Mein Fazit: ich muss mir den e-C4 mal ausleihen und auf meinen typischen Strecken testen, um da nochmal einen zweiten Eindruck zu gewinnen.
Viele Grüße
Fred