Zum Ganzen ein paar Gedanken, die hoffentlich anregen und auch mal dazu führen, ausgetretene Pfade zumindest mal zu variieren:
Wir können hier jammern, dass alles immer schlechter wird, dass alle verlogen sind, dass die Politik unglaubwürdig bis korrupt ist. Wir haben möglicherweise damit sogar recht. Wir haben dann aber noch nichts, und zwar wirklich absolut gar nichts, zum Besseren gewandelt.
Oder, wir können über all das eingangs genannte und noch viel mehr echt betrübt sein. Nicht in dem Sinn, das wir resignieren und die Flinte ins Korn werfen (obschon, Pazifismus ist nicht das allerfalscheste, wenn man was richtiger oder besser machen möchte), sondern in dem Sinn, dass wir erkennen, dass da was getan werden muss, und uns auf unsere Möglichkeiten besinnen. Möglichkeiten, die sich durchaus nach mehr richten können und dürfen, als nach der kürzest möglichen Antwort auf die Frage: "Was hab ich denn davon?"
Beispiel: Während der Pandemie, noch vor der Möglichkeit der Impfungen, haben wir füreinander eingekauft. Damit die besonders gefährdeten nicht unter allzu viele Leute mussten, wo sie infiziert werden konnten. Nun könnte man doch das weiter machen. Unter den besonders gefährdeten sind sicher reichlich Leute, die sich damit schwer tun, und zumindest hin und wieder froh drum wären, sie müssten mal nicht einkaufen. Weil die Taschen schwer, der Weg weit und die Fortbewegung ein mühsames Geschft geworden ist.
Wir können drüber jammern, dass Ökostrom knapp ist, oder wir können anfangen, welchen zusätzlich zu produzieren. Die, welche es sich leisten können, indem sie entsprechend zielstrebig tätig werden, die anderen, indem sie eine Genossenschaft gründen, oder sich an einer solchen beteiligen.
Wir können uns drüber aufregen, dass in der Politik dies oder jenes zu kurz kommt, oder selber was tun. Wir müssen gar nicht mit dem Anspruch, die Welt oder die Gesellschaft retten zu wollen, an sowas ran gehen. Es reicht auch, wenn wir für einmal einfach eine bestimmte Sache, die wir gerade mal auf dem Zettel haben, richtig machen, aus Überzeugung, und mal nicht erst dann, wenn wir sehen, dass es alle anderen auch so machen.
Ich zum Beispiel bin neuerdings Sonntags auch einfach mal weg. Nicht zum Geld verdienen, sondern weil ich raus muss, und das dann auch gern nutze, um mal (umsonst) irgendwo auszuhelfen, wo ich finde, dass sich ein paar Leute gefunden haben, die was cooles tun, die Spass haben und auch mal was gutes und richtiges tun, auch wenn sie das Geld kostet. Die meisten von denen haben davon genug, dass sie sich das leisten können. Ich habe zumindest etwas Zeit, um da mitzuhelfen. Nicht, weil ich muss, nicht weil es mir den und den Zugewinn bringt, sondern weil es Wertschätzung, Kontakte und erlebbare Freiheit bringt. Weil es den Horizont erweitert, Auseinandersetzung mit anderen Denkweisen bringt, und das gepaart mit dem realen Erlebnis, dass man auch mit Menschen zusdammenarbeiten und sich gut unterhalten kann, deren Werte und Einstellungen man zu einem eher kleinen Teil teilt, solange man sich momentan einig ist, das, was man grade tut, und eben nicht nur sagt, sei gerade das richtige.
Dass man eben kein schwarzes Auto kauft, weil das den besseren Wiederverkaufswert bringen soll, sondern für sich selber lebt, und auch mal eben das tut, von dem man überzeugt ist.
Ich sag euch nicht, was ich nächsten Sonntag tue. Ich sage euch nur, dass ich das nicht da tue, wo ich sonst immer bin und erwartet werde, unter Leuten, die eben genauso aus der Masse raus stechen wie ich damit auch. Es ist etwas, das mir gefällt, und das ich richtig finde. Es ist etwas, das kein Geld bringt. Es ist etwas, das Einsatz verlangt, und eher kostet. Das aber auch Perspektiven und Kontakte bringt, an die ich sonst nicht geraten würde, und das im positiven Sinn.
Ich wünsche euch allen auch solche Stunden und Tage. Zeit, in der ihr mal ausbrechen könnt, und euch für Menschen oder eine Sache einsetzen, die euch Spass macht, die ihr euch selbst gewählt habt, ohne erst den Nachbarn, den Arbeitskollegen oder eine imaginäre Öffentlichkeit in Gedanken dazu befragt zu haben. Weil ihr es richtig findet, dafür was zu tun. Weil ihr es könnt und dürft.
Ich wünsche euch allen ein Stück Freiheit. Bestenfalls eine, die wir uns dazu zu nutzen getrauen, was uns richtig und wichtig erscheint. Nicht in erster Linie anderen.
Würden wir uns das mit offenen Augen und Ohren und freiem, liebendem Herzen alle gönnen, die Welt würde, nach und nach, eine bessere.