Etwas Ähnliches* wie GTL-Diesel wird in Schweden seit einigen Jahren als HVO 100 verkauft. Meine Erfahrungen mit drei verschiedenen Fahrzeugen:
- C5 III HDi 165, Bj. 2011, Euro 5: Läuft damit absolut problemlos, also tanke ich es immer wenn möglich. Die Intervalle zwischen den FAP-Regenerierungen scheinen sogar länger zu sein als normalerweise üblich; das kann allerdings auch an meinem Streckenprofil liegen.
- Xantia HDi 109, Bj. 2000, Euro 2: Lief damit im Grunde auch problemlos, gefühlt auch mit weniger Nageln als bei fossilem Diesel mit 7% RME. Der bekam dann allerdings das Phänomen, daß er zwischen 2000 und 3000 U/min kaum Leistung hatte. Das lag zwar primär an einem nicht richtig sitzenden Schlauch hinterm Luftfilter, ist aber auch nochmal in abgeschwächter Form aufgetreten, als ich wieder zwei Tankfüllungen HVO verfahren hatte. Wahrscheinlich lag das Problem nicht am Kraftstoff, aber ganz ausschließen kann ich es nicht, deshalb keine bedingungslose Bedenkenlosigkeitsdeklaration 🙂
- Xantia 2,1 TD 12, Bj. 1998, Euro 2: Der Motor nimmt es klaglos, aber die Lucas Epic tropfte innerhalb kurzer Zeit an mehreren Ventilen, die vorher alle unauffällig waren. Die leicht zugänglichen wurden getauscht, der Rest tropfte noch etwas weiter. Bis ich mal auf die Idee kam, daß der Kraftstoff hier die Ursache sein könnte, hat es eine Weile gedauert.
Fündig wurde ich bei einer schwedischen Wartungsanweisung für Bootsmotoren von Volvo, in der empfohlen wird, die Einspritzpumpen von bestimmten Modellen neu abzudichten, wenn man HVO tanken möchte. Die Tücke liegt im Dichtungsmaterial, welches bei Einsatz von fossilem Diesel etwas aufquillt und damit auch normalerweise lange Zeit funktioniert. HVO hat eine geringere Dichte als Diesel, und zudem eine reinigende Wirkung. Es wird also der Dreck aus den Poren der alten Gummis gespült, das Material zieht sich etwas zusammen, und das dünnflüssige HVO beginnt zu lecken.
Jedenfalls haben sich die restlichen Undichtigkeiten der ESP sozusagen selbst geheilt, seitdem ich den Xantia TD wieder fossil betanke. Dabei wollte ich den doch auch (fast) CO2-neutral betreiben wie den C5, *grummel*... Also mit Lucas-ESP würde ich deutlich abraten von HVO bzw. GTL-Diesel.
EDIT:
*Ähnlich deshalb, weil HVO nicht auf Erdgas basiert, sondern auf Biogas aus Schlachtabfall, Kiefernöl aus der Holzindustrie und anderen Restprodukten, dummerweise manchmal auch auf Palmöl, aber das wurde zum Glück inzwischen unterbunden. Das Verfahren der Fischer-Tropsch-Synthese ist identisch; der fertige Kraftstoff entspricht derselben Norm EN 15940. Damit sollten die Eigenschaften vergleichbar sein.