Ich habe gerade nach längerem Nachdenken meinen C5 III HDi durch einen ë-C4 ersetzt, und bin bisher höchst zufrieden.
Bis 2019 hatten wir C1 + C5, dann einen alten C8 mit wenig Laufleistung "geerbt" (sozusagen im Ringtausch in der Familie, C1 an Fahranfängerin). Jetzt hatten wir zwei langstreckentaugliche große Diesel - und es tat mir immer Leid, einen davon für Kurzstrecken unter 10km anzuwerfen, wo sie nichtmal richtig warm werden. Der unbestimmte Wunsch nach einem kleinen Elektro-Kurzstreckenauto war also schon eine Weile da.
Nun hätte der C5 bei fortschreitendem Alter (13 Jahre, 270tkm) steigende Investitionen zum langfristigen Erhalt gebraucht, ich schraube auch nicht selbst. Durch Corona hat sich zudem mein Nutzungsverhalten stark geändert - ich bin seitdem zu 120% im Home Office, daraus wird jetzt etwa 1 Büro-Tag pro Woche (insgesamt 75km). Die Alternative zum E-Auto wäre jetzt ein junger gebrauchter C3 gewesen. Neben dem C8 die richtige Größe, nicht das schönste Auto der Welt, aber das ist ja heute eh schwierig (der Bedarf ist inzwischen durch meinen Sonntags-Schönwetter-XM auch gedeckt).
Alle regelmäßigen Fahrstrecken von mir und meiner Frau sind unter ca. 120km hin und zurück, und passen daher auch im Winter bequem in die Reichweite. Für längere Strecken steht ja noch der C8 da, und fährt mit einer Tankfüllung wahlweise an die Ostsee oder in die Provence. Die direkten Betriebskosten je km liegen angenehm niedrig, unter C5 und C8, je nach Stromtarif und Vergleich fällt der Vorteil größer oder kleiner aus. Der C4 ist im Vergleich zum C5 für die Strecken auch das praktischere Auto - angenehm kompakt von außen, innen aber gefühlt nicht weniger Platz. Keine KFZ-Steuer, und durch die Förderung auch nicht wirklich teurer als ein konventioneller C4 in ähnlicher Ausstattung.
Da liegt auch der Knackpunkt: Normalerweise kaufe ich keine Neuwagen, sondern ca. 5 Jahre alte gebrauchte für weniger als die Hälfte vom Neupreis. Man kann sich das mit dem Wertverlust und Wartungskosten und was auch immer etwas schönrechnen - aber irgendwo zahlt man den Wertverlust dann doch. Die Gebraucht-Option gibt es eben bei E-Autos zur Zeit aber noch nicht so wirklich.
Trotzdem - die Zeit war einfach reif. Der C3 wäre zwar erstmal billiger gewesen - aber auch die Ausgabe fühlte sich irgendwie falsch an. Außerdem, nicht zu vernachlässigen: Es macht einfach großen Spaß, so zu fahren: ohne Leerlauf im Stadtverkehr, ohne lokale Emissionen, bei Gefälle Energie zurückgewinnen, volles Drehmoment von unten raus, und so weiter. Inzwischen kommt mir der konventionelle Antrieb im Vergleich wirklich vor wie aus dem letzten Jahrhundert...
Rette ich damit das Klima oder den Planeten? Nicht unbedingt, ob BEV für jeden und für alle Zwecke die richtige Lösung sind, bezweifle ich. Sicher haben auch synthetische Kraftstoffe ihren Platz (aber wohl erstmal für den Flugverkehr). Man hätte schon lange mit konventioneller Technik den Durchschnittsverbrauch etwa halbieren können - meine Autos mehrerer Generationen (von BX Turbodiesel über Xantia td12 und C5 HDi) haben stets etwa das gleiche verbraucht - wurden aber fast 70% schwerer und gleichzeitig kräftiger/schneller. Die Diskussion um die richtige Stromerzeugung ist auch wichtig. Dennoch, selbst mit 100% Kohlestrom ist die CO₂-Bilanz im Betrieb nicht schlechter als mit Diesel - mit dem Potential, das ohne weiteren Technologiebruch durch regenerative Stromerzeugung zu verbessern.
Also, ich plane die Neuanschaffung nicht mehr, sondern habe sie gerade durch, und bin bisher höchst zufrieden. Es wird spannend, wenn der C8 in den nächsten 3-4 Jahren doch ersetzt werden muss.
Viele Grüße - Andreas