ich selbst habe so eine erziehung erfahren und zwar recht konsequent. etwa den hinweis zur einschulung: vorgetragenes möglichst gut zu merken und bei schriftlicher oder mündlicher genau so wieder zu geben, aber auf keinen fall glauben! oder der hinweis, dass nicht nur unser doofer nachbar sondern auch niemand anderes was zu sagen hätte, das gelte auch für meine lehrer. übrigens stand mir auch die option offen, in der schule gar nichts zu leisten, um später als hein-blöd auf der tanke oder ziegenhüter zu arbeiten. auf den esstisch kacken wäre auch erlaubt gewesen. nur durfte ich damit rechnen, dass es niemand für mich wegmacht und ich selbst dran sitzen müsste. auf die art wirst´ schon als kind wirklich mit allen entscheidungen mutterseelenallein gelassen und hast die konsequenzen selbst zu tragen. zumindest aus eigener erfahrung kann ich deine erste frage eindeutig mit ja beantworten.
zur 2ten frage, erster teil: aus einer durchgängig antiautoritären erziehung geht natürlich auch ein eigenes weltbild hervor, aus dem eine wertende perspektive hervorgeht. ein objektives "besser" oder "schlechter" existiert nicht. um diesbezüglich stellung zu nehmen, müsste hierfür eine konkretdefinierte zielsetzung vorgegeben werden. auf einer solchen basis (oder prämisse) lässt sich diskutieren und argumentieren - selbst wenn man diese nicht teilt.
zur 2 frage, 1.er teil: hier verhält es sich ähnlich, wie beim ersten. der begriff "andere" ist ebenfalls zu konkretisieren. jeder klammert soziale verantwortung über seinen selbst definierten kreis hinausgehend andere einfach aus seinem verantwortungsspektrum aus. auf jeder 2. seite lesen wir neueste inzidenzien, über intensivbettengerangel oder todesfälle in unserem lande. bestenfalls für ein ranking wird mal mit dem ausland verglichen. die aktuellen kululierten zahlen zu den lock-down-bedingten zusätzlichen hungertoten am anderen ende der welt finde ich hier nirgens, gedanken um die notwendigkeit deren impfung konzentrieren sich wohl primär auf den aspekt des wiedereinschleppens. so zieht jeder irgendwo eine grenze, ab der "andere" nicht mehr als solche relevant sind.
zum 2. teil der 2. frage: per se "gibt" es eine solche verantwortung gegenüber anderen natürlich nicht. sie kann nur dort existieren, wo sie auch praktiziert wird. da aus dem konzept ja auch positive beiträge für den verantwortenden hervorgehen, trägt sich das konzept auch ohne vorschriften zum teil sogar selbst.
zur bewussten und konsequenten persönlichen abgrenzung vom im hintergrund professionell geschriebenen reicht mir die einhändige, fehlerbehaftete kleinschreibung vollkommen aus.
da ich das schon immer so hielt, handelt es sich um ein persönliches kulturgut (zugegeben stark angelehnt an die kulturgüter anderer nationen). als mitgleid einer offenen, multikulturellen gesellschaft hast du ein solches übrigens anzuerkennen und wohlwollend wertzuschätzen anstatt daran herumzumäkelnoder gar etwas hinein zu interpretieren!