Es waren oberflächliche Unterrostungen zu finden. Besonders stark bei ausgetretenem Lagerfett. Gerade bei D-Modellen habe ich schon oft solche Effekte bemerkt. Dort gibt es ja besonders an der vorderen Radaufhängung zahlreiche Schmiernippel und damit einhergehend oft eine "Überfettung". Zudem schleudern die nicht komplett abgedichteten äußeren Antriebswellengelenke oft mit Fett um sich. Und auch die Motoren neigen tendenziell zu latenten Undichtigkeiten und tropfen oder zerstäuben Ölnebel in den Motorraum.
Sicherlich rühren diese Effekte gerade bei diesen Modellen auch von bereits ab Werk vorhandenen Rosteinschlüssen im Stahlblech her - damals war man diesbezüglich noch nicht so genau. Demgegenüber steht eine vor allem in den 50er und 60er Jahren oft bessere Blechqualität als beispielsweise in den 70er / 80er-Jahren.
Dass die lackierte Oberfläche eines Wagens aus den 80er oder 90er Jahren nach jahrelanger Benetzung durch Öl keine Korrosion zeigt, dürfte wohl eher an deren Lackaufbau statt an dem "schützenden" Altöl liegen.
Um es noch einmal klar zu stellen: Ich behaupte nicht, dass Altöl oder Derivate das Material komplett zusammenrosten lassen. Und sicherlich ist eine Behandlung nackter Oberflächen - wie @schwingeweiter oben ausführte - im Hinblick auf Korrosionsschutz besser als nichts. Es ist aber eben auch alles andere als optimal.
Eine sinnvolle Hohlraumversiegelung darf keine aggressiven Säuren und schon gar kein Wasser enthalten, sie sollte kriechfähig und schwer abwaschbar sein, im Idealfall verdrängt sie das Wasser sogar. Dass einen Hohlraum kein Spritzwasser erreicht, ist in der Regel richtig. Aber dort kann sich durchaus massiv Kondenswasser bilden. Und jeder, der schon mal mit einem Zylinderkopfschaden zu tun hatte, weiß, wie wunderbar Öl und Wasser emulgieren können.
Und auch hier noch einmal: Dass der TE sich die Mühe macht, die Hohlräume nach eigenem Wissen und Gewissen zu schützen, ist durchaus lobenswert. Ich sage nur, dass die gewählten Mittel sicherlich alles andere als ein Optimum darstellen, auch wenn seine Behauptungen hinsichtlich Langzeiterfahrung etwas anderes implizieren.
Letzen Endes ist eine Mischung aus Altöl und Bitumen eine relativ dickflüssige und zähe Substanz, die sich augenscheinlich schützend über Flächen und Schweißnähte legt und somit den Eindruck einer geschlossenen Konservierung vermittelt. Das Zeug ist aber - ähnlich wie ein klassischer Unterbodenschutz - ein schöner Blender: Natürlich sieht das auch nach Jahren noch schick aus, wenn man mit dem Endoskop reinsieht. Aber jegliche Ablagerungen darunter - Reste von Rost, Schlacke vom Schweißen, Luft- und Wassereinschlüsse durch das Umgebungsklima - bleiben unsichtbar und können still und leise weiter wirken.
Schlussendlich ist die ganze Chose eine ziemliche Umweltsauerei - ich weiß, einige werden jetzt wieder die Augen verdrehen... mir egal!
Mein Tipp: Einfach noch einmal in dem von mir verlinkten Korrosionsschutz-Bericht nachlesen. Ich kann persönlich sagen, dass ich mit Mike Sander's Korrosionsschutzfett (TimeMax ist noch nicht so lange auf dem Markt, als dass ich damit hätte Erfahrungen sammeln können) nur die besten Erfahrungen gemacht habe: Das Zeug kriecht bis der Arzt kommt, durchdringt und isoliert angerostete Oberflächen und sogar Blattrost , fließt sogar an Stehblächen "hoch", wenn eine saugende Schicht (z.B. Grundierung oder Staub) vorhanden ist und kriecht auch nach Jahren noch weiter. Zudem ist es nahezu geruchsneutral - ich will mir nicht ausmalen, wie ein mit Öl- und Bitumen behandeltes Auto mieft,ganz zu schweigen von der gesundheitlichen Belastung bei der Verarbeitung. Und es lässt durch seine halbtransparente Charakteristik soger den Blick auf darunterliegende Bereiche zu, was einem die in Sicherheit wiegende Öl-Bitumen-Mischung verwehrt.
Vielleicht sollte man die beschriebene Mischung den gleichen Testbedingungen unterzehen die die restlichen Hohlraumschutzmittel. Wäre spannend!
Weitermachen!