zu Rubel/Gas:
Wir haben mit den Sanktionen die Regeln geändert. Wir bezahlen mit Euro die durch diese Änderungen für Russland keinen Wert mehr haben, weil sie darauf dank unserer Änderung der Regeln keinen Zugriff mehr haben. Wer hat erwartet, daß Russland das so akzeptiert?
Unser Geld/Zahlungssystem basiert auf Vertrauen. Dem Vertrauen, daß ich auf die Mittel, die ich in Währung x in Land y besitze auch bei Bedarf abrufen und nutzen kann. Sowohl EU (Euro) als auch USA (Dollar) haben durch die Sanktionen erklärt, daß diese Guthaben augenblicklich wertlos sind. Überspitzt gesagt haben sie gegenüber Russland Zahlungsunfähigkeit/-unwilligkeit erklärt.
Wenn eure Bank sich weigert, aus eurem Guthaben Rechnungen zu begleichen oder Bargeld auszuzahlen und erklärt, daß dies für unbestimmte Zeit so bleibt, was macht ihr dann? Nichts oder eurem Arbeitgeber bitten, das Gehalt bar auszuzahlen? (Das kann schneller passieren als man ahnt, siehe Kanada)
Ähnlich Russland. Anstatt darauf zu vertrauen, daß EU/USA irgendwann wieder das Zahlungs- und Wertversprechen ihrer Währungen einzuhalten, fordert Russland nun die Zahlung in einer Währung der es vertrauen kann.
Für die Firmen (EON und Co), die Verträge mit Gazprom und Co haben sollte es kein Problem sein, über ein Konto in einem der vielen Länder, die keine Sanktionen verhängt haben, wie China oder Indien, die Zahlungen in Rubel leisten zu können. Der Preis ist in den Verträgen meist in einer Währung, einem Währungskorb oder ähnlichem definiert und bleibt somit unverändert. Was hinzukommt, sind die Kosten für den Währungstausch. Das macht es etwas teurer, aber, da meist Langzeitverträge, weit günstiger als Gas aus den USA oder Quatar.
Wenn kein Gas mehr fließen sollte, dann ist das von der Politik in D und EU/USA so gewollt.
Zu den Sanktionen im Allgemeinen: sie haben in all den Ländern, die mit Sanktionen belegt wurden, nur dazu geführt, daß vor allem die Bevölkerung leidet und im Extremfall die Wirtschaft dieses Landes ruiniert wird (nach ein paar Jahren). Die Regierungen dieser Länder profitieren eher von Sanktionen, da sie nun alle Probleme auf die Sanktionen schieben können. Und meist führt dieser Druck von Außen dazu, daß sich auch die eher unzufriedene Bevölkerung um die Regierung schaart.
Der Bevölkerung der Ukraine helfen wir mit unseren Sanktionen nicht. Eher im Gegenteil. Uns selbst dagegen haben wir eine kräftige Rezession verordnet und wenn wir uns tatsächlich dazu entscheiden, auf Gas, Öl etc. aus Russland zu verzichten gehts richtig bergab.
Interessant ist auch der Blick in die Welt jenseits des westlichen Bündnisses. Schon seit geraumer Zeit hat man dort verstanden, daß der US Dollar und der Euro nur solange einen Wert hat bis die USA und oder Europa ein Land zum Paria erklärt. Dann sind die Dollar/Euro Guthaben von jetzt auf gleich eingefroren und wertlos. Bis, ja bis sich das Land wieder dem Willen der USA/Europas unterwirft. Siehe Cuba, Venezuela, Iran und vor allem Afghanistan. Bei letzterem überlegt die USA gar, ob nicht gar die Hälfte des Dollar Guthabens zur Entschädigung der 9/11 Opfer enteignet wird. Ohne dieses Geld wird die Bevölkerung hungern und tausende verhungern. Wir hatten auch schon ein wenig von dieser Medizin geschmeckt, sollte sich noch jemand an Trump, Nord Stream 2 erinnern.
Die USA leben davon, daß alle Welt ihren Handel in Dollar begleicht (Stichwort Petrodollar). Spätestens mit der "finanziellen Atombombe" gegen Russland sind die meisten aufgewacht und suchen Alternativen zu Swift und Dollar. China hat eine Alternative zu Swift bereits implementiert und jetzt ist das Interesse so groß wie nie. Rußland arbeitet mit mehreren Ländern an einem weiteren Zahlungssystem. Mehr und mehr Länder werden zusehen, ihre Dollar/Euro Guthaben/Anleihen so weit wie möglich zu reduzieren, Saudi Arabien spielt gar mit dem Gedanken, den Ölhandel mit China von Dollar auf Yuan umzustellen. Indien und China reden plötzlich wieder freundlich miteinander... Der Westen mag sich im Moment einig sein, der Rest der Welt sieht zu, daß er Land gewinnt.