Eure Geschwindigkeit und die Eskalation überrascht mich. Ich bin noch dabei zudroehn zu verstehen. Mich interessieren einige kriegsrechtfertigende Kommentare, die einen Angriffskrieg rechtfertigen oder relativieren, weniger - die Leute müssen selbst mit ihrem kruden Denken klarkommen.
Aber eine radikal pazifistische Einstellung kommt in Momenten wie diesen an Grenzen. Ich Teile seine Einstellung nicht, halte sie aber für im Kern hoch anständig und grundsätzlich richtig. Unfair finde ich, ausgerechnet von ihm eine Antwort zu erwarten: sein Denken ist gescheitert, weil die Grundbedingungen nicht eingehalten werden. Aber diese Grundüberzeugung ist nach meiner Meinung nicht falsch: wenn wir für eine Welt ohne kriegerische Gewalt "kämpfen" und diese Vorstellung sich aus Vernunft langsam durchsetzen würde, hätten wir die Situationen nicht mehr, wo einzelne Gruppen Krieg führen können und abertausende Menschen ins Unglück befördern.
Diese Versuche, kriegerische Auseinandersetzungen grundsätzlich zu verhindern, hat es realistisch nie gegeben. Die Annahme, Waffen schaffen Frieden ist nur dann richtig, wenn Menschen mit Waffen sich gegenüber stehen und alle Parteien wissen, dass es keinen Sieger geben kann - in der Regel gibt es immer eine Situation, wo jemand meint es doch schaffen und seinen Vorteil daraus ziehen zu können. Das ist die Erfahrung der letzten tausend Jahre. An diesem Punkt liegt zudroehn doch völlig richtig.
Ich hatte schon geschrieben, dass ich zudroehns Einstellung nicht teile: ich glaube nicht daran, dass es in näherer Zukunft einen durch Vernunft und Logik basierenden Pazifismus geben wird. Die Diskussion hier im Forum ist Beweis genug - zum friedlichen Auseinandersetzen gehört auch, die Meinung eines anderen Verstehen zu wollen. Auch wenn sie einem nicht passt. Das heißt nicht, dass jedem Wirrkopf zugehört werden muss, aber das er (oder sie) wirr ist und nicht im kruden Gestammel doch ein Satz richtig ist, sollte doch erst einmal geklärt werden. Dazu muss man manchmal auch etwas nachdenken und sacken lassen.
Ich denke, das was gerade passiert, dieser Krieg, fordert uns zu Antworten, die uns nicht passen. Wir wollen Frieden und werden Waffen in die Hand nehmen: Zum Glück nur im übertragenen Sinn, was es kaum besser macht, da das auch eine Verantwortung ist. Und da liegt in zudroehns Denken ein Fehler: Auch wenn nach Deiner Logik diese Situation nie entstanden wäre, musst Du jetzt trotzdem eine Antwort zu dieser Situation finden. Das ist, um es mal zu tiefst moralisch zu beschreiben, komplett ungerecht und unfair Dir gegenüber. Aber da kommst Du leider nicht raus, da sich niemand Verantwortung entziehen kann. Auch nicht, wenn er, wenn Du, die Situation niemals geschaffen hast.
Das ein paar Gedanken zu einigen Einträgen der letzten Tage
Grüße Ralph