Das ist eine zu einfache Sichtweise, die unterstellt, wenn Putin sich die Ukraine unter den Nagel gerissen hätte, wäre danach dann Ruhe.
Selbst, wenn man darüber hinweg sähe, dass das immer noch einen verbotenen Angriffskrieg gutheissen würde, wozu kein Pazifist sich je hergeben würde: So ist es nicht. Putin selber hat angekündigt, dass er nach der Ukraine eben nicht Ruhe gäbe, und nach allem was passiert ist, solltest auch Du verstanden haben, dass Putin zwar seit dem 24.02.2022 kein wahres Wort mehr sprach, aber das, was er bis dorthin gesagt und geschrieben hatte, eben nicht blosses Gewäsch war.
Wenn Du Dich dann - auch noch als vorgeblicher Pazifist - hinstellst und meinst, die Ukraine solle kapitulieren und der Westen keine Waffen liefern, damit Ruhe wäre, dann ist das gleich zweimal falsch.
Einmal, weil man nicht einmal Pazifist sein muss, um einen Angriffskrieg nicht zu billigen, ein Pazifist aber nicht auf so eine Idee käme.
Das andere mal, weil es eben nicht nur um die Ukraine geht, und es schlicht faktenwidrig ist, so zu tun, als ginge es Putin nur um die Ukraine und danach wäre Ruhe und Frieden. Putin selber liess anderes verlauten. - Unmissverständlich.
Es geht nicht darum, wie gut oder schlecht die Demokratie in der Ukraine funktionierte. Es war eine Demokratie, und Selenskyj einer, der zumindest nicht danach trachtete, die zu schwächen. Das ist schon mal ein Gewinn.
Es geht darum, was Putin vorhat. Einen Sieg Putins in der Ukraine kann sich Europa nicht leisten, und schon gar nicht, wenn das schnell geht.
Die Situation in der Ukraine ist etwa vergleichbar mit dem Beginn des 2. Weltkriegs. Hätte man Hitler in Polen schon aufhalten können, es wäre kein 2. Weltkrieg draus geworden. Er hätte dann keinen Westfeldzug mehr machen können, keine Ressourcen für Nordafrika gehabt, und auch England nie angreifen können, weil er dazu Nordfrankreich als Basis brauchte. Somit wäre es nicht nötig geworden, dass die USA in den Krieg eintreten, nebst dem Commonwealth. Es wäre das, was wir als zweiten Weltkrieg kennen, nie geschehen und es stünde stattdessen Deutschlands überfall auf Polen in den Geschichtsbüdchern, mit etlichen Millionen weniger Toten, und keiner Gelegenheit, einen kalten Krieg draus entstehen haben zu lassen.
Aber wer wird schon für Polen in den Krieg ziehen...
Damals ging das Kalkül auf für Hitler.
Sorgen wir dafür, dass die gleiche Rechnung mit der selben Salamitaktik diesmal für Putin nicht aufgeht. Nicht nur um der Ukraine Willen, sondern weil wir Apeasement schon mehrfach haben scheitern sehen gegenüber Faschisten. Und Putin ist der nächste von der Sorte. Wer meint, wir könnten es uns noch leisten, ihm zu geben, was er verlangt, ignoriert seine offen daliegenden Pläne und hat den letzten Weltkrieg auch schon vergessen.