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Es gibt mit Blick auf den Ukrainekrieg ein paar grundsätzliche Fehleinschätzungen in D. Möglicherweise auch anderswo, aber ich will jetzt nicht auf 27 EU-Staaten, GB und etliche andere einzeln eingehen.
Die sind:
- Man darf Russland bzw. Putin nicht Demütigen.
Das ist falsch. Das ist eindeutig ein Land, das Europa feindlich gegenüber steht. Da hat Europa andere Sorgen zu haben, als die Binnenbefindlichkeit Russlands. Es würde helfen, hier zwischen dem Krieg und dem danach zu unterscheiden. Im Krieg ist nichts falscher, als sich vorwiegend um die emotionale Befindlichkeit des Gegners zu kümmern, während man sich um die Verbündeten niemals solche Gedanken macht.
Nach dem Krieg gibt es keine Feinde mehr, denn das ist ein martialischer Begriff, und der hat im Frieden keine Berechtigung mehr. Ob und wie man nach dem Krieg mit Russland noch umgehen kann oder will, hängt wesentlich von Russland ab. Wenn das Vertrauen für eine Zusammenarbeit geschaffen werden kann (es geht nicht ums erhalten, denn das will Russland offensichtlich nicht), wie auch immer diese aussieht, dann kann man sich darauf einlassen, und dann ist wichtig, Russland nicht zu demütigen, weil es einen Angriffskrieg begonnen hatte. Jetzt ist Zeit, sich einzig um sich selbst und Verbündete zu kümmern, und da kann Russland nirgendwo anders als auf dem allerletzten Rang oder noch einem weiter unten kommen.
- Diskussion um EU-Beitritt der Ukraine: Falsch, weil ungelegte Eier. Genauer gesagt, das Huhn ist noch nicht mal geschlüpft, das dies Ei legen könnte. Man weiss noch nicht mal, ob die Ukraine im kommenden Winter noch existieren wird.
Richtig wäre, die Ukraine so stark und mit allem zu unterstützen, was die braucht. Wenn das nicht geschieht, erübrigen sich alle Folgefragen, inklusive Wiederaufbau. Den hat, wenn die Ukraine Teil Russlands ist, sicher nicht Europa zu zahlen. Das soll sich Putin dann selber ans Bein binden, inklusive möglichen Aufständen in der Ukraine. Ob man dann noch mit Russland reden will aus Sicht Europas? Ich hoffe nicht zu Lebzeiten Putins!
Man kann erst nach dem Kriegsende sehen, was in Bezug auf die EU und die Ukraine überhaupt erreicht werden kann. Wenn die Ukraine noch existiert und nicht zum russischen Vasallen gemacht wurde, dann hat sie meines Erachtens einen Wiederaufbauplan und mindestens ein zügiges Assoziierungsabkommen verdient. EU-Beitritt je nach Umständen, aber da muss man dann schneller Nägel mit Köpfen machen, als es bei einem Beitritt möglich wäre. Das würde sich ja über Jahre hinziehen. Solange kann man dann nicht lavieren.