Das Niveau dieses Themas ist so, wie es ist, weil hier zu früh zu viele in Kontraproduktiver Weise für Putin eintreten. Der hat in diesem Zeitpunkt im Westen die Rolle eines Bösewichts, den keiner, auch sein eigenes Land nicht, wirklich braucht. Er ist es, der Verhandlungen verhindert. Weil er es kann, und weil er glaubt, dabei nichts zu gewinnen.
An dem Artikel stört mich eines, auch wenn er viel Wahres enthält: Er übernimmt unreflektiert die Russische Sichtweise einer angeblich unipolaren Weltordnung.
Wäre die Weltordnung unipolar, also die USA und die NATO die einzige bestimmende Kraft, dann würde sich die NATO nicht mit China beschäftigen, und es wäre kein fruchtbarer Boden für Propaganda Russlands und Chinas da.
Tatsache ist, und das hatte einer meiner Onkels in bemerkenswerter, aber Logikbasierter Weitsicht bereits vor 25 Jahren erkannt, dass Europa infolge des Ganges der Zeiten, also Bevölkerungsschwund in Europa und eines wirtschaftlichen Bedeutungsgewinns ausserhalb Europas, bei dem China eine herausragende Rolle spielt, an Bedeutung und damit allgemein an Macht einbüsst.
Hinter dieser zutreffenden Erkenntnis, die sich mit Daten aus den letzten zwei Jahrzehnten stützen liesse, steht von Haus aus die Erkenntnis, dass es sowas wie eine Unipolare Weltordnung nach der Diktion Putins nicht gibt, und dass es auch nicht auf den Willen Europas ankommt, ob China und Afrika, man kann auch Sudamerika mit dazu nehmen, an Macht gewinnen.
Insofern finde ich eine andere Dynamik, gerade mit Blick auf irgendwann sicher unausweichliche Verhandlungen mit Russland, interessant. Russland bleibt nämlich gerade nicht viel anderes, als sich China anzunähern. Das aber könnte man, wenn es denn mal soweit ist, dass Putin zuhören muss, und nicht allein zu bestimmen hat, wie Verhandlungen laufen müssen, ausnutzen, denn man weiss, dass Putins Vorstellung einer Zukunft Russlands nicht die ist, als Juniorpartner Chinas zu enden. Der wollte vielmehr ein mächtiges, eigenständiges Russland. Dieses bekommt er nie, wenn er zum kleinen Bruder Chinas wird. Da kann er nie mehr werden, als Ulbricht und Honecker für die Russen damals.
Das Problem ist nur: Im Westen traut ihm keiner mehr.
Das wäre so ungefähr der Rahmen, in dem mit Russland - und eben eher weniger mit Putin, der sich gleichsam definitiv unmöglich machte - zu verhandeln wäre.
Kurz: Russland muss zeigen, dass es verlässlich ist. Sonst wäre ein Frieden das Papier nicht wert, das die Unterschriften trägt. Dies Problem hatte auch Hitler, und in dem Punkt steht ihm Putin in nichts nach.
Danach erst kann man verhandeln wollen, seitens des Westens, und dann wäre der Schlüssel, Russland eine Alternative zu China zu bieten. Wirkungsvoll geht das aber erst, nachdem Russland die negativen Seiten einer China-Partnerschaft kennengelernt hat. Soweit ist es gerade noch nicht.
Um eine verdeutlichende Parallele zur Geschichte zu ziehen: Die Wiedervereinigung wurde für Ostdeutschland auch erst attraktiv, als man sah, wie wenig gutes im Vergleich zu Westdeutschland die deutsch-sowjetische Freundschaft brachte. Der Unterschied da war halt, dass schon mit der Berlinblockade klar wurde, was von den Sowjets zu erwarten war, und was vom Westen, der dann mit einer Luftbrücke reagierte.
An sich ist jetzt wieder so eine Gelegenheit, Freunde zu gewinnen, indem man der Ukraine genauso entschieden hilft, wie damals dem abgeriegelten Westberlin. Das gäbe dann auch eine gute Ausgangsposition für die ja irgendwann kommenden Verhandlungen. Deshalb ist es auch ein Fehler, den schon mit Raketen und Granaten tobenden Krieg von den erst noch kommenden Verhandlungen her auflösen zu wollen, etwa mit dem Satz, man dürfe Putin nicht demütigen. Dabei wäre das dann das erste Angebot und der Anreiz zum Verhandeln für Putin, dass er dann eben nicht mehr gedehmütigt würde. Kann man aber nur machen, wenn man ihn erstmal zu einem politischen Loch in der Natur macht, was er ja gerade keinesfalls sein wollte.
Wenn man einem, der am Ersaufen ist, die Hand hinhält, die ihn aus dem Wasser zieht, dann ist das ein Starkes Zeichen. Es verliert aber ohne das Wasser um den zu Rettenden an Überzeugungskraft.
Europa hat das scheints noch nicht gänzlich verstanden.