„Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen.“ Goethe
Durch Nebenbemerkungen fiel mir irgendwann auf, dass es hier im Forum allgemein, vor allem bei den Besitzern großer Citroen Limousinen sich ein Menschentyp findet, der durch unglückliche und einseitige Entwicklungen in der Pädagogik immer seltener vorkommt: das Vatersöhnchen. Wegen des berühmten Pendants und der damit verbundenen Anschaulichkeit verwende ich diesen Begriff, allerdings nur dieses eine Mal.
Sophokles und den Ödipuskomplex und seine innerfamiliären Verquickungen bei Freud, können wir uns schenken, Männerfreundschaften kennen das nicht. Eine einzige psychologische Bemerkung sei angefügt: Vatersöhne können sich als solche mitunter erst spät erweisen, selbst wenn der Vater sich früh oder lange aus dem Staub gemacht hat. Das Vorbild des Vaters durch geteilte Erinnerungen, gleiche Talente und Vorlieben überträgt sich auch mit Verzögerung auf den Sohn.
Leider zähle ich selbst zu den „Normalos“, was mir nicht nur beim Schrauben selbst zum Nachteil gerät, sondern auch bei der Motivation. Den einen Scheunenfund gerade fertiggestellt, wartet schon die nächste Wiesengrotte, also reparieren wie atmen, als eine Art Zellteilung, ein innerer Zwang, eine ständige Phantomfreude, sobald Motoröl die Finger benetzt, wird einem so wohlig. Diese Automatismen und Wonnen fehlen mir, manchmal auch ein wenig Geschick oder einfach die Übung für bestimmte Vorgänge, leichte Nachteile kommen beim Werkzeug hinzu.
Ich gleiche das aus durch Gescheitheiten verschiedener Art, das wichtigste ist in dem Zusammenhang Wissensaneignung und Urteilsvermögen, Beharrlichkeit (altersgerecht, also nicht Ausdauer) und was die „Wonnen“ der anderen angeht, habe ich psychologisch etwas Spezielles für mich gefunden. Es ist nicht der Überschwang (die Freude, wenn man selbst ein Tor schießt) noch die Begeisterung (andere schießen ein Tor), noch die Entzücktheit, sondern etwas, was einem eigentlich nur harte Drogen geben können – das Entrücktsein. Hochgefährlich, man muss sich in freudige Schockstarre fallen lassen. „War ich das, der das geschafft hat?“ Schon läuft ein kurzer Minutenfilm, immer weg vom bunten Leben in schwarz-weiß, wegen des künstlerischen und tragenden Augenblicks. Danach knipse ich mich einfach wieder zurück in den Alltag und weiter geht's wie gehabt. Es kann vorkommen, dass ich kurz einen Jubelschrei ausführe oder jemand zurufe: Hey, guck mal...Spätestens danach mache ich weiter als unbekannter Normalo.
Das (!) Moment der Entrücktheit unterliegt bestimmten Bedingungen:
Es ist schwierig, um nicht zu sagen unmöglich.
Keiner kann mir helfen.
Es muss lange dauern.
Es muss gelingen, wenn ich nicht damit rechne.
Das alles müssen wir in das Erstaunen, die Bewunderung und den Applaus legen, wenn wir Steinkult bei seinem Treiben zuschauen. Angestachelt durch einen fiesen Kommentar von einem dieser schraubenden „Vatersöhne“ vor vielen Jahren – ich hatte erfolgreich den Rücklauf des Hauptdruckspeichers repariert – dem nichts besseres einfiel, als das als „Pfusch“ zu bezeichnen, man wechsele stets die ganze Leitung. Ich dachte mir meinen Teil, bis ich über Bande erfuhr, dass der Knilch es wirklich so durchgezogen hatte und das noch an meinem Modell, dem ZPJ4. Ich verstand schnell, dass für diese Arbeit die Batterie samt Kasten entfernt werden muss.