da ich dort fast zu hause bin, einige ergänzende angaben zur richtigen interpretation, da die rahmenbedingungen dort doch stark von den unseren abweichen:
der grundgedanke der landesideoligie besteht traditionell darin, dass sich jeder ein eigenes dach überm kopf leisten können soll. das finanzierungssysten ist darauf abgestellt (zinsen betragen daher seit jahrzehnten etwa die hälfte, wie bei uns und sind dann selbst bei eigennutzung auch noch in voller höhe von der einkommensteuer absetzbar). der verbleibende zinsaufwand ist geringer als die inflation, deshalb ist niemand bemüht, mehr als die mindest-1 % zu tilgen und sein geld mit höheren tiilgungen sinnlos zu verbraten. ähnliches gilt für den geforderten, recht geringen teil des eigenanteils. der kann mit krediten aus hierfür vorgesehenen von den bürgern für die bürger finanzierten fonds finanziert werden. auch hier liegen die kosten bei etwa der hälfte unserer für nachrangiges kapital. kurzum: lehrvertrag unterschreiben, wohung kaufen und ausziehen kann bestenfalls in einzelfällen ein problem sein.
dann gibt es in dem land gibt´s keinen wohnraummangel. gefühlt steht in dort so etwa jedes 5 objekt leer zum verkauf. die inseratsdauer ist ebenso wie die chronik der preisnachlässe bestandteil vieler immobilienbörsen; also - 10%; -18% bei einer inseratsdauer von z.b. 412 oder 1586 tagen.
daraus folgt zwangsweise, dass die besitzer eine ganze weile für mehrere objekte gleichzeitig zahlen, weil diese nur schwer wieder loswerden. in der zunehmend mobiler werdender gesellschaft erweist sich die IMMOBILie plötzlich als klotzt am beim. neben der zins- und tilgungsbelastung sind auch weiterhin die üblichen nebenkosten des objektes aufzubringen, grundsteuer, müll, sparsame bezeizung im winter etc., wobei letztere in summe oft teuer sind als die kreditraten. sozial sicher einst gut gedacht, aber eben nicht mehr zeitgemäß.
entsprechend der entwicklung fängt der markt für mietwohnungen in dänemark grade erst an, sich zu entwickeln. den aus deutschen protalen bekannten begriff "renditeobjekt" konnte mir bislang kein dänischer makler in seine eigene sprache übersetzen.
richtig ist, dass derzeit ein mangel an mietwohnraum besteht. allerdings werden davon nicht die "armen" betroffen, die sich kein eigenes dach überm kopf leisten können. es sind vielmehr diejenigen, die lieber etwas mehr im monat dafür aufwenden möchten, um auf wohneigentum verzichten zu können und flexibler bleiben möchten. sie drängen sich auf ein eng bemessenes angebot. in der not hat sich dort in den ballungsräumen die uns völlig femde praxis etabliert, eigentumswohnungen zu dritt oder fünft zu kaufen, um den "klotz am bein" etwas geringer zu halten. veräußert wird dann gegebenenfalls nicht unbedingt die ganze wohnung, sondern der anteil daran.
in kopenhagen selbst weht der wind ein wenig anders. für die schick renovierte altbauwohnung in den richtigen vierteln werden mittlerweise deutlich über 30.-€/qm kalt verlangt. allerdings sind die nur deshalb realisierbar, weil in der metropole verdient wird, wie sonst niirgens im ganzen land und zu viele um solche wohnungen anstehen. kontrasiternd dazu die 6,20€/qm-kaltbelastung meiner nichte bei kauf ihrer wohnung, 2 wohnviertel weiter, 4 km vom zentrum entfernt in gepflegten 3-geschossigen 50er jahre siedlungbauten, kein "ghetto". für hiesige verhältniss mögen die 6.20 kalt für den einen oder anderen immer noch als ein hoher preis erscheinen, doch wie alle anderen bewohner der stadt verdient auch meine nichte dort wie sau. viel geld geht dort für alles andere drauf, aber kaum für das grundbedürfnis zu wohnen.
den im artikel genannten einfluss des gesetzes auf preise und mieten möchte ich stark anzweifeln. liest man die begründung für das gesetz in den dänischen medien, ist sie eine eher weitsichtig antizipative: "eine solche praxis passt einfach nicht in unser land." verhältnisse wie bei z.b. uns in deutschland möchte man erst gar nicht aufkommen lassen. diese einstellung spiegelt sich auch in der bestimmung wider, dass ausländer bis dato immer noch keine immobilien in dänemark erwerben dürfen.
ansprüche an wohnen und leben sind dort gänzlich anders definiert. schon fast liebenswert zum der amtliche kommentar zu einem bauvorhaben in einer anderen ecke des landes (kleinstadt: nach abriss einer gärtnerei sollte das grundstück mit mehrstöckigen wohnblöcken - den offiziellen vorschriften voll entsprechend! - maximal bebaut werden). dies wurde mit der begründung, "zu wenig licht, zu wenig platz, kein lebenswerter wohnraum" einfach abgelehnt.
lange rede- kurzer sinn: die nur kurz geschilderten unterschiede sind weniger durch ressourcen oder andere obkejtive kriterien bedingt. maßgeblich ist deren ideologische lenkung: bei uns ist ein grundbedürfnis nach unterkunft nun mal eben dem Gmax und der rendite unterzuordnen. wenn hier und dort mal eine marginale veränderung zu gunsten der mieter bewirkt wird, ändert es nichts an der gesamtsituation. denn auch dann bleibt stets für genügend handlungsfreiraum gesogt, um die verluste durch eine andere türe wieder einzufahren.