Manipulation ist Alltag, und deren Erkennung setzt voraus, dass man überhaupt einen eigenen Standpunkt hat und den kennt. Selbstbewusstsein, im Sinne, sich der eigenen Interessen/Bedüfnisse bewusst zu sein und die auch zu Vertreten, zumindest nach innen. Dass einen jemand in eine Bestimmte Richtung beeinflussen will, kann man ja nicht merken, wenn man wie ein unbemanntes Schiff ohne Steuerung und Antrieb funktioniert. Es ist dann aber vielleicht auch nicht so wichtig.
Die "Sonderangebot"-Schilder im Supermarkt wirken schliesslich auch umso besser, je weniger genau ich meinen Bedarf definiert habe, und je weniger Preise ich zumindest ungefähr kenne...
Es gibt eine Einfache Rezeptur gegen Manipulation:
- Allgemeinbildung stammt nicht aus dem Internet und generell aus unterschiedlichen Quellen.
- Informationen stammen von unterschiedlichen Interessengruppen.
- Widersprüche werden als solche erkannt und möglichst aufgelöst oder zumindest erklärt.
- Man erkennt zielgerichtete Kommunikation als solche. Die muss nicht schlecht sein, sollte aber als solche bewusst bewertet und wahrgenommen werden.
- Wenn man etwas liest oder hört, fragt man sich zumindest ab und zu, ob und falls ja, wo einem ähnliches schon begegnet ist. Man gruppiert dann ähnliches, und kann so ideologische Färbungen oder bei Wortgleichheit oder sprachlichen Eigenheiten bestimmter Klientel mögliche Zusammenhänge unmittelbar erkennen.
- Ab und an leuchtet ein Warnlämpchen mit der Aufschrift "cui bono?" im Denkapparat auf.
- Man kennt sich und die eigenen Überzeugungen. Weiss also auch, wohin man sicher nicht will und - wichtig! - warum das so ist. Man kennt auch die eine oder andere Schwäche, und gibt Inputs, welche darauf abzielen bewusst weniger Gewicht, um nicht in eine Richtung gezogen zu werden, wo man nicht hin will, persönliche Eigenheiten einen aber immer wieder hinführen.
Das hilft hin und wieder gegen Bestätigungsfehler.
- Man meidet Quellen, die als unseriös bekannt sind. Boulvard-Medien, Unterschichtfernsehen (das kann man zur Unterhaltung nehmen, sollte das Denken aber nicht beeinflussen), russische Medien, ...
- Man informiert sich über unbekannte Begriffe oder Sachverhalte aus Quellen, wo dazu mehr als drei Sätze stehen, sofern es um mehr als eine blosse Begriffsbedeutung geht, und achtet auf weiteres Unbekanntes, was einem in solchen Erklärungen begegnet. Es gilt, Vereinfachungen zu erkennen und nach Wunsch umgehen zu können; ggf. durch weitere Recherche. Auch Falschangaben (Vorwissen, Allgemeinbildung!) sollen bewusst erkannt werden.
- Man erkennt an, Dinge die nicht interessieren, auch nicht verstehen zu müssen. Verhält sich aber auch dementsprechend. Man übernimmt vor allem keine Darstellungen oder Sichtweisen, deren Qualität man nicht einschätzen kann. Falls doch, dann im Wissen, dass man nichts genaues dazu nicht weiss.
- Wenn man selber schon nicht alles weiss, geht es anderen genauso. Man muss also nicht alles glauben, auch wenn nicht jede ungenaue oder falsche Darstellung eine Lüge sein muss. Es ist verdächtig, wenn jemand alles zu wissen meint. Das riecht nach Ideologie.
- Stellt jemand allgemein anerkannte Tatsachen in Abrede, hat er dafür Gründe. --> cui Bono?
Ich erhebe damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit...