Soso, oder soll ich dich mit deinem "echten" Namen ansprechen? - von meiner eigenen Grundeinstellung pro Freiheit und von klugen Frauenstimmen* (Sirenengesänge) werde ich täglich gezwungen, eine Lanze für die Freiheit zu brechen.
Die philosophische Frage lautet aber nicht Frieden oder Freiheit, sondern ab wann, für das eine oder das andere, es klüger ist, sich zu entscheiden. Man täusche sich nicht vor sich selbst, es gibt da mehrere Kipppunkte, an denen man seine Einstellung ändern sollte.
PS: Soso, im Grunde kennst du nur dieses eine Thema - such dir ein Hobby, Sonnenblumen, ne geht nicht wegen der braunen Tonerde...Vielleicht Astronomie?
*Cordula Simon
Die freie Ukraine, ein Land voll von offenen und herzlichen Menschen, so erinnere ich es, hatte den Weg in das einundzwanzigste Jahrhundert angetreten. Russland nicht. Daher stehlen russische Soldaten moderne Waschmaschinen und Traktoren, die dann, weil sie mit satellitengestützter Technologie gesteuert werden, von den ukrainischen Bauern, die sich per Traktor auch den einen oder anderen Panzer geholt haben, einfach wieder ausgeschaltet werden. Gestohlene Apple EarPods konnten mit der Find-my-phone-App plötzlich Informationen über Truppenbewegungen liefern und wer sich unter einer Yogamatte versteckt, kann von einer Wärmebildkamera nicht erfasst werden, während Fünfzehnjährige mit Spielzeugdrohnen die Feinde auskundschaften und Tüftler Abschussvorrichtungen auf E-Bikes montieren. All diese modernen Dinge gäbe es nicht mehr unter russischer Fremdherrschaft, die das ertragreiche Land ausplündern wie ausbluten würde. Nur mehr für eine dünne, dünne Oberschicht. Ein russischer Soldat stahl ein MacBook Air, entfernte dafür das Innenleben aus seiner kugelsicheren Weste, ersetzte es mit dem Notebook und fand so den Tod – das MacBook konnte die Kugeln, die ihn trafen, nicht aufhalten.
Die Zivilbevölkerung verfügt nur über diese Dinge, weil der Korruption der Kampf angesagt wurde, weil Jahrzehntelang darum gerungen wurde, dass Wohlstand nicht nur für die Oligarchen da ist. Hier haben viele Europäer den Anschluss verpasst: Sie glauben, es handle sich um ein verarmtes, hinterwäldlerisches, rückständiges Land. Verarmt, teilweise, ja, aber uns dennoch in vielem voraus: So gibt es geradezu flächendeckend WLAN. Ein Schock für Flüchtlinge, hier zu sehen, dass man im glorifizierten Europa davon weit entfernt ist. Gerade in Deutschland haben meine ukrainischen Mitbewohnerinnen, eine Freundin mit ihrer Mutter und Katze, die ich noch von damals aus der Ukraine kenne, gewitzelt, dass an der Front das WLAN besser sei als in Deutschland.
Tanja Maljartschuk und Marjana Gaponenko YouTube: "Journal des Scheiterns" Folge 6 (Folgen 4 + 5 sind der Oberhammer, gehört aber nicht zum Ukrainekrieg)
Assia Djebar, "Fantasia" - als die Franzosen zweimal in Algerien den "Putin" gaben und wiederum die Frauen den längsten Widerstand leisteten